Sinner will One-Man-Show in Paris fortsetzen

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von Agenturen

Sinner für Paris haushoher Favorit - Karriere-Slam möglich

Bild: APA/APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE


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Das epische Vorjahresfinale ist unvergessen, doch eine Wiederholung ist bei der 125. Auflage der Tennis-French Open nicht möglich. Titelverteidiger Carlos Alcaraz hat schon vor Wochen wegen einer Handgelenksverletzung abgesagt und damit den Weltranglistenersten Jannik Sinner zum haushohen Favoriten gemacht. Der Italiener hatte das Endspiel nach drei vergebenen Matchbällen nach 5:29 Stunden verloren. Alles andere als Sinners erster Roland-Garros-Titel wäre eine Überraschung.

Sinner hat eine dominante Jahresbilanz von 36:2-Siegen und die jüngsten 29 Matches gewonnen. Die einzigen Niederlagen erlitt er überraschend im Australian-Open-Halbfinale gegen Altstar Novak Djokovic und im Doha-Viertelfinale gegen Jakub Mensik (CZE). Seither hat der Südtiroler die Masters-1000-Turniere in Indian Wells, Miami (beide ohne Satzverlust), Monte Carlo, Madrid und erstmals Rom gewonnen. Damit hat Sinner als erst zweiter Spieler alle 1000er-Events in seiner Karriere gewonnen. Auf Sand hat er in dieser Saison eine 17:0-Bilanz und nur drei Sätze verloren.

Gefährlich wird es für Sinner nur, wenn er lange auf dem Platz stehen muss. Denn je länger die Matches dauern, umso eher könnte die vielleicht einzige Schwäche des Südtirolers zum Vorschein kommen, nämlich dass sein Körper Faxen macht. Wie kürzlich im Halbfinale von Rom und wie in Fünf-Satz-Matches. Dass der seit Freitag 39-jährige Djokovic im vergangenen Jänner Sinner in fünf Sätzen schlagen konnte, war eine Überraschung.

Djokovic in Tableauhälfte von Zverev

Auch wenn Djokovic einer von den raren Bezwingern des sonst eiskalt, präzise und nahezu fehlerlos agierenden Sinner ist: Nach dem verlorenen Melbourne-Endspiel gegen Alcaraz schied der "Djoker" in Indian Wells im Achtelfinale sowie in Rom gleich zum Auftakt aus - sein einziges Sandmatch 2026. Einen Bonus hat er aber: Djokovic kann gerade bei den Majors immer alles aus sich rausholen und zur Bestform auflaufen. Doch ihn plagen Schulter- und Unterarmprobleme, wobei er sich zuletzt in Rom nicht näher dazu äußern wollte. In Sachen Verletzlichkeit seines Körpers sprach er von einer "neuen Realität, mit der ich umgehen muss". Durchaus möglich ist, dass es für Djokovic sein Paris-Abgesang wird, denn ob er mit 40 zurückkehrt, ist offen. Für Stan Wawrinka und Gael Monfils, beide mit Wildcards versehen, wird es definitiv ein Adieu.

Und der aktuell "beste Spieler ohne Major-Titel", womit freilich Alexander Zverev gemeint ist? Der Deutsche machte im Finale von Madrid gegen Sinner nur drei Games und hat die jüngsten neun Begegnungen mit dem Weltranglistenleader verloren. Er und Djokovic könnten sich im Halbfinale gegenüberstehen.

Spätestens jetzt ist jedem Fan klar, warum auch etwa in Zeiten der "Big three" Roger Federer, Rafael Nadal und Djokovic die Konkurrenz das Salz in der Suppe war. Denn ein Sinner, der dem Weltranglisten-Dritten Zverev nur drei Games lässt, erfreut seine Fans, aber nicht die neutralen Zuschauer. Auch aufgrund aller anderen Zahlen ist das Männertennis aktuell eine One-Man-Show.

Frauen-Feld wie zuletzt immer weit offener

Bei den Frauen steht Coco Gauff als Titelverteidigerin auf dem Prüfstand. Nach Miami, wo sie im Kampf um den Pokal der Weltranglistenersten Aryna Sabalenka unterlag, erreichte die US-Amerikanerin gerade rechtzeitig vor Paris noch in Rom ein Endspiel. Sabalenka kam im Vorjahr im Bois de Boulogne erstmals ins Finale, Paris fehlt der Spielerin aus Belarus ebenso wie Wimbledon noch in ihrer Major-Titelsammlung. Iga Swiatek hingegen hat gleich vier ihrer bisher sechs Grand-Slam-Siege in Paris geholt. Die Polin ist allerdings 2026 erst in Rom erstmals über ein Viertelfinale hinausgekommen, verlor dann im Halbfinale gegen eine starke Elina Switolina. Die Frau von Gael Monfils hat bei ihrem unerwarteten Rom-Titel auch Australian-Open-Siegerin Jelina Rybakina und im Finale Gauff geschlagen. Mit Madrid-Siegerin Marta Kostjuk haben auch Switolinas ukrainische Landsfrau und vielleicht auch Linz-Siegerin Mirra Andrejewa ein Wörtchen mitzureden.

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Preisgeld-Streit und Rafa-Doku

Im Vorfeld des zweiten Saison-Majors sorgten Diskussionen rund um eine aus Sicht der Stars zu geringe Preisgeldanhebung sowie erstmalige Boykottandrohungen für Unruhe. Jüngst hat sich auch Deutschlands Legende Boris Becker verständnisvoll geäußert. Der Anteil des Preisgelds zwischen 12 und 16 Prozent an den enormen Einnahmen ist den Aktiven zu wenig, und sie verlangen 22 Prozent. "Der normalsterbliche, arbeitende Mitbürger wird das nicht verstehen", meinte Becker. "Die Spieler kommen rüber, als wären sie geldgierig." Das sei aber nicht richtig. Er sehe klar "die Grand Slams in der Pflicht", den Spielern entgegenzukommen, damit die Situation nicht eskaliert.

Auch ein ganz Großer, besonders in Paris, sorgt wieder für Aufmerksamkeit: 14 seiner 22 Grand-Slam-Titel hat Rafael Nadal in Roland Garros gewonnen. Nun, eineinhalb Jahre nach seinem Karriereende, wird der Kämpfer par excellence in einer eigenen, vierteiligen Doku-Serie auf Netflix gewürdigt. Ab 29. Mai ist "Rafa" zu sehen. "Ich muss zugeben: Es ist nicht leicht, einen Dokumentarfilm über sich selbst zu genießen. Für Zuschauer ist das einfacher", sagte Nadal, der am 3. Juni 40 wird. "Man selbst neigt ständig dazu, Dinge noch mal zu analysieren, neu zu betrachten. Viele Erinnerungen kommen rauf."

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