Wien
Spannung vor 1. ESC-Halbfinale mit neuen Regeln
Veröffentlicht:
von AgenturenZIB 9:00
Erstes ESC-Halbfinale: Für 15 Länder wird es ernst
Videoclip • 01:25 Min
Die Spannung vor dem 1. Halbfinale des 70. Eurovision Song Contest von Wien Dienstagabend wächst - nicht zuletzt, weil Israel heute um den Aufstieg in die Endrunde kämpft. Die Wettprognosen sagen Noam Bettan klar ein Finalticket für Samstag voraus. Dabei wird das Ganze auch ein Test für die neuen Abstimmungsregeln, die von der Rundfunkunion EBU für den heurigen Bewerb eingeführt wurden - nicht zuletzt nach der Diskussion um die hohen Publikumsstimmen für Israel 2025.
So hatte man Ende vergangenen Jahres bekanntgegeben, dass nach einigen Jahren Absenz nun auch bei den beiden Semifinals wieder Jurys neben dem Publikum eine Stimme haben werden. Die Expertengremien haben überdies sieben anstatt fünf Mitglieder, von denen zumindest zwei unter 25 Jahren alt sein müssen. Im Gegenzug wurde die maximal abzugebende Zahl an Stimmen pro Fan von 20 auf 10 reduziert - zumindest pro Zahlungsmethode. Engagierte Abstimmer könnten sich je 10 Mal online, via SMS und Telefonanruf für ihren Favoriten in die Bresche hauen.
Verwarnung für Israel
Und man beschloss neue Richtlinien, die Werbung für einzelne Acts betreffend. Damit sollen unverhältnismäßige Kampagnen unterbunden werden. Auf dieser neuen Basis hat die EBU heuer bereits eine Verwarnung gegen den israelischen Sender KAN ausgesprochen, weil man in Videos dazu aufgerufen habe, zehn Mal für Israel abzustimmen. KAN wiederum unterstrich, dass man sich an die Regelungen halte: "Bei der fraglichen Angelegenheit handelt es sich um eine unabhängige Initiative, die vom engsten persönlichen Team des Künstlers durchgeführt wurde, ohne verbotene Finanzierung, ähnlich den Aktivitäten anderer Teilnehmer."
Zugleich bemühte sich zuletzt der ESC-Direktor der EBU, Martin Green, in einem Interview, die Gemüter zu beruhigen: "Alle Länder rufen ihre Bevölkerung, insbesondere die Diaspora (...) zur Unterstützung auf. Es ist wie im Sport. Wir sind die Olympischen Spiele der Musik, daran ist also nichts Ungewöhnliches."
Keine ESC-Übertragung in Spanien, Irland und Slowenien
Unterdessen gaben die öffentlich-rechtlichen Sender von Spanien, Irland und Slowenien und damit von drei der fünf Nationen, die den Wiener ESC heuer wegen der Teilnahme Israels boykottieren, bekannt, den Wettbewerb noch nicht einmal zu übertragen. Die slowenische Sendergruppe RTV erklärte, dass anstelle des "Eurovisions-Zirkus" in den kommenden zehn Tagen "das nationale Fernsehprogramm durch die thematische Sendereihe 'Stimmen Palästinas' bereichert" werden solle.
Der irische Rundfunk RTE will zum ESC-Finale eine Folge der 90er-Jahre-Comedy "Father Ted" wiederholen. Und der spanische Sender RTVE untermauerte seinen Plan, eine Spezialausgabe der Sendung "La Casa de la Musica" zu zeigen, die auf den 16. Mai falle, den "Internationalen Tag des friedlichen Zusammenlebens". Neben den drei Ländern boykottieren auch Island und die Niederlande den diesjährigen ESC.
Boykott-Aufrufe im Vorfeld
Im Vorfeld des Bewerbs hatte es sowohl Boykottaufrufe als auch Unterstützungserklärungen für respektive gegen eine Teilnahme Israels gegeben. Über 1.000 Musikschaffende hatten mit Verweis auf den Gazakrieg nach dem Hamas-Überfall auf Israel gegen eine Zulassung des Landes beim ESC unterschrieben, darunter prominente Namen wie Peter Gabriel, Roger Waters oder Massive Attack. Als Gegenstimme hatten Hollywoodstars wie Helen Mirren, Amy Schumer, Mila Kunis oder Jennifer Jason Leigh einen Offenen Brief für Israels Song-Contest-Auftritt unterzeichnet.
In Wien selbst sind in den kommenden Tagen bis zum Finale einige pro-palästinensische respektive anti-israelische Aktionen geplant. So sollen etwa am heutigen Dienstag am Schwedenplatz symbolisch unter dem Motto "Keine Musik für Hinrichtungen. Kein Glitzer über dem Blutvergießen" Särge aufgestellt werden.
Am Freitag soll am Maria-Theresien-Platz zwischen dem Kunst- und dem Naturhistorischen Museum ein "Song Protest" abgehalten werden. Und am Samstag ist ab 14 Uhr am Christian-Broda-Platz eine Demonstration angesetzt, die für 3.000 Teilnehmende angemeldet ist und nach einer Routenänderung nun zur Schlusskundgebung auf den Arik-Brauer-Park unweit der Stadthalle als ESC-Venue führen soll.
Erzbischof ruft zur Besonnenheit auf
Wiens neuer Erzbischof Josef Grünwidl rief indes gegenüber der Kathpress zu Besonnenheit auf: "Musik ist eine Sprache, die die ganze Welt versteht und über religiöse Grenzen hinweg verbindet. Ich hoffe, dass der Eurovision Song Contest auch in diesem Sinn völkerverbindend ist." Persönlich ist der 63-jährige Theologe, der auch Orgel studiert hat und Klavier spielt, allerdings eher Fan der klassischen Musik denn des Song Contests: "Für die Musik, die beim ESC aufgeführt wird, bin ich schon ein bisschen aus dem Alter heraus."
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