Stocker telefoniert mit Netanyahu zur Lage in Nahost

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Bundeskanzler Stocker, Adnoc-CEO Al Jaber und Emsteel-CEO im Gespräch

Bild: APA/APA/THOMAS KARABACZEK/THOMAS KARABACZEK


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Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist am Donnerstag im Rahmen seines Arbeitsbesuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) von Israels Premier Benjamin Netanyahu angerufen worden. Der Anruf sei ungeplant und damit überraschend gewesen und sei im Zusammenhang mit seinem VAE-Besuch gestanden, so Stocker. Gemeinsam sei Israel und Österreich das Ziel, dass der Iran keine Atomwaffen, kein atomwaffenfähiges Material und möglichst wenig konventionelle Raketen haben müsse.

Einmal mehr betonte Stocker vor Journalisten, er stehe auf der Seite Israels, das vom Iran seit Jahrzehnten bedroht und angegriffen werde. Israel habe daher "selbstverständlich das Recht, sich zu verteidigen und da verstehe ich das Verteidigungsrecht auch etwas weiter als es vielleicht andere verstehen". Netanyahu habe in dem Gespräch seine Einladung an Stocker, nach Israel zu kommen, erneuert, Stocker will "sehr bald", möglichst noch vor dem Sommer, einen Termin dafür finden. Im Jänner war eine Israel-Reise Stockers kurzfristig verschoben worden, weil Netanyahu vor Gericht erscheinen musste.

Netanyahu hat laut Stocker die Stärke und Bedeutung der Achse USA-Israel-VAE betont - eine Einschätzung, die auch der Präsident der VAE, Mohammed bin Sayed Al Nahyan, teile, den Stocker am Vormittag zu einem Arbeitsgespräch traf. Das Gespräch sei sehr wertschätzend und auf Augenhöhe verlaufen, so Stocker. Die Chancen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts mit dem Iran sieht Al Nahyan nach Einschätzung Stockers zwar bei über 50 Prozent, aber doch weit von 100 Prozent entfernt. Es sei zwar - wie bei allen Gesprächspartnern - eine Anspannung zu fühlen, dennoch beeindrucke ihn "die Umsicht und das Verantwortungsgefühl", mit dem die VAE an den Konflikt herangingen.

Anspannung spürbar

"Es ist logischerweise in all diesen Gesprächen, auch mit Netanyahu, eine Anspannung da, denn die Situation ist 'volatil'", so Stocker. Die Auswirkungen seien in irgendeiner Weise weltweit spürbar, daher seien alle in der Region, die in Entscheidungen eingebunden sind, angespannt. "Alles andere wäre ja eher verwunderlich".

Grundsätzlich will Stocker mit seinem Besuch in Abu Dhabi, der Hauptstadt der VAE, gerade jetzt "Solidarität in schwierigen Zeiten ausdrücken", wie er vor Journalisten sagte. Auch Al Nahyan habe darauf verwiesen, dass sie jetzt sehen würden, welche Länder sich als verlässliche Freunde zeigen. Es sei aber nicht nur über die politische Krise in der Region sondern auch über wirtschaftliche Zusammenarbeit gegangen - und über eine Vertiefung der kulturellen Beziehungen. In diesem Zusammenhang habe er Al Nahyan zum Neujahrskonzert 2027 nach Wien eingeladen. Dieser habe "die Einladung einmal freundlich aufgenommen", sagte Stocker auf Nachfrage, ob es eine Zusage gegeben habe.

VAE als Partner bei KI

Über den OPEC-Austritt oder die Möglichkeit, Öl oder Gas für Österreich, zu sichern habe er mit dem Präsidenten nicht gesprochen. Vielmehr sieht Stocker das Land als Vorreiter bei Technologie und insbesondere Künstliche Intelligenz. Hier gebe es viele Kooperationsmöglichkeiten von der Ausbildung über die Forschung bis zur Anwendung. Auch ADNOC, der große staatliche Ölkonzern und OMV-Kernaktionär, verwende inzwischen KI im gesamten Wertschöpfungsprozess.

Eine "Erfolgsgeschichte, die wir gemeinsam schreiben", seien für Österreich und die VAE die Beteiligung der ADNOC an der OMV bzw. das Chemie-Gemeinschaftsunternehmen Borouge mit Sitz in Wien zwischen ADNOC und OMV. Mit Borouge entstehe einer der größten Chemiekonzerne der Welt.

Stocker besuchte am Vormittag mit Industrieminister und ADNOC-CEO Ahmed al Jaber sowie mit der für EU und UNO zuständigen Ministerin, Mariam al-Mheiri, eine Messe. Dabei habe er selber einen Eindruck gewinnen wollen, "welcher technologische Level hier erreicht ist". Seine Aufgabe sei es, Türen aufzumachen, die Firmen müssten dann durch die Türen durchgehen. Es gebe viele Chancen zur Zusammenarbeit, aber es zeige sich auch hier, "dass der Umgang mit Verfahren, mit Bürokratie, mit Datennutzung letztlich den Ausschlag gibt, wie schnell Entwicklungen vorankommen, wie effizient sie sind".

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