Tschernobyl für Totschnig "klarer Auftrag für die Gegenwart"
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von AgenturenUmweltminister gegen EU-Taxonomie für Atomkraft und SMR-Reaktoren
Bild: APA/APA/HELMUT FOHRINGER/HELMUT FOHRINGER
Anlässlich des 40. Jahrestages des Reaktorunglücks von Tschernobyl am 26. April hat sich Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien klar gegen die Atomkraft und für erneuerbare Energien ausgesprochen. "Atomkraftwerke sind Hochrisikoanlagen", das habe das Unglück gezeigt und dies sei weiterhin "ein klarer Auftrag für die Gegenwart", so Totschnig am Dienstag. Was die Sicherheitslage betrifft, sei Österreich im Fall des Falles gut aufgestellt.
Als Konsequenz dieser Haltung setze man sich sowohl gegen die EU-Taxonomie-Verordnung ein, die Atomkraft als nachhaltig einstuft, wie auch die finanzielle Unterstützung von kleinen SMR-Reaktoren (Small Modular Reactors) abgelehnt werde. "Österreichs Position ist die der klaren Ablehnung", so Totschnig zu diesem Comeback der Atomkraft in Europa, denn SMRs seien "zu teuer und die Entwicklung bis zur Marktreife dauert zu lange", kritisierte der Minister - und nicht zuletzt seien die Minireaktoren aufgrund der einzuhaltenden Sicherheitsstandards auch ineffizient. "Nachhaltig ist, was sicher ist und die Umwelt schützt", hielt Totschnig fest. Daher setze Österreich auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, was zudem auch die Unabhängigkeit von Energieimporten erhöhe.
Für den Ernstfall gerüstet
Was das Monitoring und die Notfallplanung für radiologische Ereignisse betrifft, so habe sich beides seit Tschernobyl massiv verbessert. Totschnig erinnerte daran, dass es Österreich war, das als Konsequenz auf das Reaktorunglück im japanischen Kernkraftwerk Fukushima 2011 Stresstests für europäische Kernkraftwerke gefordert hat. Noch im selben Jahr wurde mit der Überprüfung der Robustheit der AKWs auch begonnen.
"Wir haben einen direkten Informationsaustausch mit den Nachbarländern etabliert und verfügen heute über moderne Rechensysteme sowie ein engmaschiges Radioaktivitätsmonitoring. Unsere Notfallpläne werden regelmäßig geübt, sodass wir im Ernstfall rasch und wirksam Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung setzen können", beschrieb Christina Raith, Leiterin der Abteilung Strahlenschutz im Umweltministerium, den gegenwärtigen Stand der Notfallvorsorge.
"Kommunikation ist der Schlüssel"
Wenn Zeitzeugen zu Tschernobyl befragt werden, so würden diese rückblickend vor allem über die damalige Unsicherheit berichten, so Raith. Der Atomunfall vor 40 Jahren sei hier aber ein Wendepunkt gewesen und habe zu nachhaltiger Verbesserung geführt. "Auf Basis internationaler Vereinbarungen sind Staaten seither verpflichtet, Ereignisse sofort zu melden", erläuterte die Expertin. Sie verwies auf bilaterale Abkommen Österreichs mit jenen Nachbarstaaten, die AKWs betreiben.
In Österreich selbst werden laut Raith jährlich 3.000 Proben im Rahmen der Radioaktivitätsüberwachung analysiert - von Luft, Wasser bis hin zu Lebensmitteln. Während im Labor weiterhin Rückstände von Tschernobyl oder den noch weiter in der Vergangenheit durchgeführten Atomtests nachweisbar seien, "liegen die gegenwärtigen Messwerte aber in einem unbedenklichen Niveau". Österreichs Strahlenfrühwarnsystem arbeite rund um die Uhr und "ist eng mit dem der Nachbarn vernetzt", versicherte Raith. Von Tschernobyl habe man eines gelernt: im Krisenfall ist "Kommunikation der Schlüssel".
(S E R V I C E - Über aktuelle und vergangene Ereignisse informiert das Umweltministerium auf der Website www.notfallschutz.gv.at.)
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