Verdächtiger nach Wiener Mafia-Mord in Italien ausgeforscht

Veröffentlicht:

von Agenturen

Mehrere Schüsse fielen im Dezember 2018 in der Wiener Innenstadt

Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH


- Anzeige -
- Anzeige -

Fast acht Jahre nach einem Mafia-Mord am Lugeck in der Wiener Innenstadt ist ein Mann aus Montenegro in Italien von österreichischen Zielfahndern ausgeforscht und von einer Spezialeinheit festgenommen worden, berichtete das Bundeskriminalamt am Dienstag. Am 21. Dezember 2018 soll der 33-Jährige einen 32-Jährigen an der Ecke Lugeck/Wollzeile erschossen haben, ein 23-Jähriger wurde schwer verletzt. Die Tat war Teil einer blutigen Fehde zwischen kriminellen Drogen-Clans.

Bei der Schießerei war der 32-jährige montenegrinische Staatsbürger Vladimir R. nach dem Verlassen eines Lokals am Lugeck regelrecht hingerichtet worden. Hintergrund der blutigen Fehde soll ein Streit um Drogengeschäfte gewesen sein. Am 11. Mai 2026 wurde der 33-jährige montenegrinische Staatsbürger Mili B. in Rimini an der italienischen Adriaküste von italienischen Sicherheitsbehörden festgenommen. Die Festnahme erfolgte aufgrund eines von der Staatsanwaltschaft Wien erwirkten Europäischen Haftbefehls sowie einer internationalen Festnahmeanordnung wegen des Verdachts des Verbrechens des Mordes sowie versuchten Mordes, informierte das Bundeskriminalamt.

"Die Festnahme des Tatverdächtigen ist ein bedeutender Erfolg im Kampf gegen die organisierte Kriminalität. Besonders die enge Zusammenarbeit zwischen der Ermittlungsgruppe 'AG ACHILLES', der Zielfahndung des Bundeskriminalamtes und unseren internationalen Partnerdienststellen war für diesen Fahndungserfolg entscheidend", betonte Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes, in einer Aussendung.

Mehrere Schüsse in der Wiener Innenstadt

Das spätere Opfer, Vladimir R., soll dem sogenannten "Kavac-Clan" zugerechnet worden sein. Der nun festgenommene Verdächtige Mili B. wird laut Ermittlern dem rivalisierenden "Skaljari-Clan" zugerechnet. Hintergrund der jahrelangen gewaltsamen Auseinandersetzungen soll ein Streit um rund 200 Kilogramm Kokain gewesen sein, die Ende 2014 aus einem Versteck im spanischen Valencia verschwunden sein sollen. Seither kam es in Montenegro, Serbien, Spanien und anderen Ländern zu zahlreichen Morden.

Die Schüsse am Lugeck hatten kurz vor Weihnachten 2018 international für Aufsehen gesorgt. Der 32-Jährige hatte gemeinsam mit dem 23-Jährigen und einem 29 Jahre alten Serben im Wiener Traditionsgasthaus Figlmüller am Lugeck in der Innenstadt gespeist. Als sie gegen 13.30 Uhr das Lokal verließen, trat ihnen der bewaffnete Mann gegenüber und gab laut Polizei mehrere Schüsse auf die drei Männer ab. Anschließend flüchtete der Schütze zu Fuß.

Der schwer verletzte 23-Jährige soll laut früheren Ermittlungen ein Sohn eines einstigen Mafia-Bosses aus der serbischen Stadt Novi Sad sein. Sowohl sein Vater als auch sein Bruder kamen bereits in früheren Mordanschlägen in Novi Sad beziehungsweise Belgrad ums Leben.

Zielfahnder übernahmen 2023

Die Zielfahnder des Bundeskriminalamtes übernahmen 2023 die internationale Suche nach Mili B. Zusätzlich wurde der Mann von den montenegrinischen Behörden wegen des Verdachts des Suchtgifthandels und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation per "Red Notice" gesucht. In den vergangenen Jahren liefen umfangreiche Ermittlungen im In- und Ausland. Besondere Bedeutung kam laut Bundeskriminalamt dem europäischen Fahndungsnetzwerk ENFAST (European Network of Fugitive Active Search Teams) zu. Die österreichischen Ermittler arbeiteten dabei eng mit Fahndungseinheiten aus Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Deutschland und Italien zusammen.

Im Zuge der mehrjährigen Ermittlungen verdichteten sich zuletzt Hinweise, dass sich der Gesuchte in Rimini aufhält. Schließlich konnte sein konkreter Aufenthaltsort ausgeforscht werden. Am Montagnachmittag erfolgte schließlich die Festnahme durch die italienische Spezialeinheit "Squadra Mobile". Beamte von FAST Italien sowie österreichische Zielfahnder waren dabei eingebunden.

Der zunächst als Mittäter verdächtigte 29-jährige Serbe wurde im Sommer 2019 zu 24 Monaten wegen schwerer Körperverletzung, falscher Beweisaussage und Gebrauchs fremder Ausweise verurteilt. Er soll in der U-Haft in der Justizanstalt Josefstadt auf einen Mithäftling eingeschlagen und diesen schwer verletzt haben. Gegenüber der Polizei hatte er zunächst angegeben, die beiden Männer, denen das Attentat beim Durchgang beim Lugeck Richtung Wollzeile gegolten hat, nicht zu kennen. Denn in seiner Heimat wurde er wegen einer offenen Haftstrafe und weiterer Ermittlungen bereits gesucht. Darum wies er sich gegenüber der Wiener Polizei auch mit falschen Papieren aus. Vor Gericht gestand er schließlich, dass er mit den Männern befreundet war.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken