Verlagerung von Venedig wegen steigender Wasserstände
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von AgenturenMeeresspiegel wird zur Gefahr für die Stadt
Bild: APA/APA/AFP/STEFANO RELLANDINI
Venedig steht nach Einschätzung von Forschern zunehmend unter Druck durch steigende Wasserstände und das Absinken des Bodens. Die Lagunenstadt, die zum UNESCO-Welterbe zählt, liegt nur knapp über dem Meeresspiegel. Besonders gefährdet ist etwa der Markusplatz, einer der tiefstgelegenen Punkte der Stadt. Um Venedig langfristig vor dem steigenden Meeresspiegel zu schützen, könnte im Extremfall sogar eine Verlagerung der Stadt notwendig werden.
Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, die im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlicht wurde. Koordiniert wurde die Untersuchung von dem italienischen Klimaforscher Piero Lionello von der Universität Salento. Die Forschenden analysierten vier mögliche Strategien, um die Lagunenstadt angesichts des fortschreitenden Meeresspiegelanstiegs zu sichern: mobile Barrieren, ringförmige Deichsysteme, die vollständige Abtrennung der Lagune vom Meer sowie die Umsiedlung der Stadt. Grundlage der Untersuchung sind Projektionen über einen Zeitraum von bis zu 300 Jahren.
Bau zusätzlicher Schutzanlagen könnte notwendig werden
Laut Lionello könnte das bestehende Dammschutzsystem MOSE voraussichtlich nur bis zu einem Meeresspiegelanstieg von etwa 1,25 Metern wirksam bleiben - ein Wert, der selbst unter optimistischen Annahmen bis zum Jahr 2300 überschritten werden könnte. Als nächste Stufe sehen die Forscher den Bau zusätzlicher Schutzanlagen wie ringförmiger Deiche vor, die ab einem Anstieg von rund fünf Metern notwendig werden könnten - ein Szenario, das bereits gegen Ende dieses Jahrhunderts eintreten könnte. Die Kosten hierfür werden auf 500 Millionen bis 4,5 Milliarden Euro geschätzt.
Eine weitergehende Maßnahme wäre die vollständige Abschottung der Lagune durch einen Großdamm. Diese Lösung könnte die Stadt bis zu einem Anstieg des Meeresspiegels von etwa zehn Metern schützen, würde jedoch mehr als 30 Milliarden Euro kosten.
Als letzte Option nennen die Wissenschafter die Verlagerung der Stadt und ihrer Bewohner aufs Festland. Lionello hält es grundsätzlich für technisch möglich, zentrale Bauwerke wie den Markusdom oder andere historische Gebäude abzubauen und an einem weniger gefährdeten Ort wieder aufzubauen. Eine solche Maßnahme wäre jedoch mit enormen Kosten verbunden - Schätzungen zufolge könnten sie sich auf bis zu 100 Milliarden Euro belaufen. Ein solcher Schritt käme erst bei einem Anstieg des Meeresspiegels um mehr als 4,5 Meter infrage - ein Szenario, das frühestens nach dem Jahr 2300 erwartet wird.
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