Wettlauf Iran-USA bei Suche nach US-Kampfjet-Crewmitglied

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von Agenturen

US-F15-Kampfjets im Einsatz

Bild: APA/APA/AFP (Archiv-/Themenbild/nicht anlassbezogen)/JOSEPH PREZIOSO


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Der Iran und die USA liefern sich nach dem Abschuss eines US-Kampfjets durch die iranischen Streitkräfte einen Wettlauf bei der Suche nach einem vermissten Crewmitglied. Sie wurde am Samstag fortgesetzt, nachdem US-Spezialeinheiten laut US-Medien am Freitag ein Besatzungsmitglied gerettet hatten. Während der Iran sich über die USA mokierte, drohte US-Präsident Donald Trump Teheran mit der "Hölle", sollte es zu keiner Einigung auf eine Öffnung der Straße von Hormuz kommen.

"Die Zeit läuft ab", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social, "48 Stunden, bevor die Hölle über sie hereinbricht", schrieb er. Die Bedingungen seien erfüllt, wenn der Iran einem Abkommen zustimme oder die Straße von Hormuz öffne. Trump hatte gedroht, falls der Iran die Meerenge nicht vollständig und "ohne Drohungen" für den Schiffsverkehr öffnen sollte, werde er iranische Kraftwerke zerstören lassen.

Sein Ultimatum dafür verschob er vergangene Woche noch einmal. Bis zum 6. April (US-Ortszeit, Nacht zum 7. April deutscher Zeit) werde es keine Angriffe auf iranische Kraftwerke geben, kündigte der US-Präsident unter Verweis auf "sehr gute" Gespräche an. In den vergangenen Tagen gab es aber weiterhin heftige Angriffe beider Seiten. Der Schiffsverkehr durch die für den globalen Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormuz liegt weiterhin weitgehend still.

Trump: Jet-Abschuss hat keine Auswirkungen auf Gespräche

Gleichzeitig erklärte Trump aber, der Abschuss des Kampfjets habe keinerlei Auswirkung auf Gespräche mit Teheran. Der Iran hatte am Freitag erklärt, einen Kampfjet über seinem Territorium abgeschossen zu haben. "Ein feindlicher amerikanischer Kampfjet ist im zentraliranischen Luftraum von dem Luftverteidigungssystem der Luftwaffe der iranischen Revolutionsgarden getroffen und zerstört worden", erklärte die Kommandozentrale der iranischen Streitkräfte. "Der Jet wurde vollständig vernichtet, die weitere Suche dauert an."

US-Medien berichteten, bei dem abgeschossenen Kampfjet handle es sich um eine F-15E, die üblicherweise zwei Besatzungsmitglieder hat: den Piloten und einen Waffensystemoffizier. Laut dem Nachrichtensender CNN wurde das von US-Spezialeinheiten bei einem sofort gestarteten Such- und Rettungseinsatz geborgene Besatzungsmitglied medizinisch versorgt. Der Pilot des Kampfflugzeugs konnte übereinstimmenden Medienberichten zufolge gerettet werden. Zwei an den Rettungsmaßnahmen beteiligte Black-Hawk-Hubschrauber wurden demnach ebenfalls vom Iran getroffen. Teheran reklamierte zudem den Abschuss eines weiteren Kampfflugzeugs in der Region des Persischen Golfs nahe der Straße von Hormuz für sich.

"Kritische" Rettungsmission der USA

Sollte der Iran das Besatzungsmitglied zuerst finden, wäre das "ein großer Gewinn" für Teheran, sagte Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, gegenüber der BBC. Der Iran hätte dann "ein sehr starkes Druckmittel". Rapp sprach deshalb von einer "kritischen Mission" für die US-Streitkräfte.

Sollte das Crew-Mitglied in Gefangenschaft geraten und sollten Bilder davon veröffentlicht werden, könnte das die ohnehin schon kritische Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit zum Krieg weiter negativ beeinflussen, sagte Rapp, die in der Vergangenheit für das US-Außenministerium tätig war. "Wenn solche Bilder auftauchen würden, hätte das aus amerikanischer Sicht eine enorm verändernde Wirkung", sagte sie.

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Hohe Kopfgelder für Ergreifung von US-Soldat im Iran ausgesetzt

Im Iran wurde von Kopfgeldern in Höhe von bis zu 100.000 US-Dollar (86.767,90 Euro) berichtet - in den jeweiligen Provinzen ist das im Extremfall das Tausendfache des monatlichen Durchschnittseinkommens. Hamidreza Azizi, Experte für iranische Sicherheitsfragen am German Institute for International and Security Affairs, sagte der "New York Times", er sehe zwei mögliche Vorgehensweisen, sollte dem Iran die Ergreifung des Besatzungsmitglieds gelingen.

Falls die Gefangennahme geheim bleibe, könnte der Iran hinter verschlossenen Türen mit den USA verhandeln und Zugeständnisse einfordern. Oder der Gefangene könnte öffentlich vor Kameras präsentiert werden - das hält der Experte für wahrscheinlicher: "Sie wollen unbedingt dieses Bild eines Sieges vermitteln und zugleich Trump demütigen."

Die US-Regierung und insbesondere Trump hatten in den vergangenen Wochen des Kriegs immer wieder suggeriert, dass US-Flugzeuge im iranischen Luftraum keine Angriffe mehr fürchten müssten. Die USA hätten die Lufthoheit erlangt, hieß es. Die militärischen Fähigkeiten Teherans seien bereits nahezu vernichtet. "Trump sagte, der Iran sei 'vernichtet' worden. Dann wurde ein amerikanischer Kampfjet vom Typ F-15E abgeschossen", schrieb der Sender NBC.

Iran: Zweiter US-Kampfjet abgeschossen

Später erklärte der Iran, einen zweiten US-Kampfjet abgeschossen zu haben, dieses Mal eines vom Typ A-10. US-Medien berichteten, der Kampfjet sei in den Persischen Golf gestürzt, der Pilot habe gerettet werden können. Der Abschuss der Kampfjets ist eine schwere Schmach für die USA, die Ende Februar zusammen mit Israel schwere Luftangriffe auf den Iran gestartet hatten. Sollte das noch vermisste F-15-Besatzungsmitglied in iranische Gefangenschaft geraten, wäre dies für Washington ein Albtraum.

US-Präsident Trump betonte aber, der Vorfall habe keinerlei Auswirkungen auf die Verhandlungen mit Teheran. "Nein, überhaupt nicht", antwortete Trump im US-Sender NBC auf eine entsprechende Frage. "Es ist eben Krieg." Spott kam allerdings vom mächtigen iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf. "Nachdem der Iran angeblich 37 Mal in Folge besiegt wurde, wurde der brillante Krieg ohne Strategie, den sie begonnen haben, jetzt von 'Regimewandel' zu 'Hey, kann jemand unsere Piloten finden? Bitte?' herabgestuft", schrieb er im Kurzbotschaftendienst X. Das sei ein "unglaublicher Fortschritt" - "absolute Genies."

Die US-Armee hat bei dem seit mehr als einen Monat andauernden Einsatz im Iran bereits einige Flugzeuge verloren, darunter ein Tankflugzeug, das im Irak abgestürzt war, sowie drei F-15-Jets, die versehentlich von Kuwait abgeschossen wurden. Es ist aber das erste Mal, dass der Iran US-Kampfflugzeuge abschießen konnte. Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.

IRNA: Weiter Luftangriffe nahe AKW Bushehr

Die iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete am Samstag, die USA und Israel hätten erneut einen Luftangriff auf das Atomkraftwerk Bushehr geflogen. Dabei sei in der Nähe der Anlage ein Sicherheitsmann getötet worden. An den Atominstallationen seien keine Schäden entstanden. Russland zog nach eigenen Angaben nach dem Angriff knapp 200 Arbeiter von dem Atomkraftwerk ab. Das Außenministerium in Moskau sprach von einem "bösartigen" Angriff. Attacken auf iranische Atomanlagen müssten umgehend eingestellt werden.

Bei US-israelischen Angriffen auf ein petrochemisches Zentrum im Südwesten des Iran wurden am Samstag nach Angaben von Staatsmedien mindestens fünf Menschen verletzt. "In der Sonderzone für Petrochemie in Mahshahr haben sich Explosionen ereignet", berichtete die Nachrichtenagentur FARS unter Berufung auf das Gouverneursbüro der Provinz. Der iranische Wissenschaftsminister Hossein Simaee Sarraf sagte unterdessen, seit Kriegsbeginn seien bereits 30 Universitäten attackiert worden.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, im Persischen Golf ein mit Israel in Verbindung stehendes Schiff angegriffen zu haben. Die "MSC Ishyka" sei in einem Hafen des Golfstaates Bahrain mit einer Drohne attackiert worden.

Angriffe auch aus Beirut gemeldet

Auch aus der libanesischen Hauptstadt Beirut wurden erneut Angriffe gemeldet. Ein AFP-Journalist hörte Samstag früh zwei laute Explosionen binnen einer halben Stunde und berichtete von aufsteigendem Rauch. Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

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