Wien war anders: MAK zeigt Fotos von Barbara Pflaum

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Barbara Pflaum: "Maronibraterin auf einem Wiener Markt", 1970

Bild: APA/APA/APA-Images/brandstaetter images/Barbara Pflaum/


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Wien war anders. Das geht einem durch den Kopf, wenn man durch die Ausstellung "Barbara Pflaum - Schaufenster des Alltags" schlendert, die am Dienstagabend im MAK-Kunstblättersaal eröffnet wird. Zu sehen sind nicht Porträt- oder Theaterfotos der 1912 geborenen "First Lady der Pressefotografie", der vier Jahre nach ihrem Tod 2002 im Wien Museum die letzte große Schau gewidmet war, sondern vor allem Reportagefotografie und Fotos, die sie für das Buch "Wie ist Wien?" machte.

Der 1961 mit Texten von Jörg Mauthe erschienene Band sei ein "herausragendes Fotobuch über Wien", schwärmte Kuratorin Karolina Ziębińska bei der Presseführung. Die Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt Fotografie, die Kuratorin am Centre Pompidou in Paris war und später das Museum of Warsaw leitete, sei gebeten worden, "ein internationales Auge auf die Wiener Seele" zu werfen, begründete MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein ihre Wahl. Ziębińska gab gleich einmal zu, Pflaum trotz ihrer intensiven Beschäftigung mit der Fotogeschichte des 20. Jahrhunderts zuvor nicht gekannt zu haben ("Außerhalb von Österreich kennt man sie nicht."), geriet aber gleich ins Schwärmen über die Kunstfertigkeit der österreichischen Pressefotografin.

Räumliche Bildkomposition

Gleich zu Beginn der auf eng gestellten Stellwänden mehr als 100 Fotografien vor allem aus den 1950er und 1960er-Jahren präsentierenden Schau gruppiert Ziębińska einige Fotos, die ihre Meisterschaft veranschaulichen sollen, rund um Pflaums Rolleiflex. Mit dieser Kamera, in die man von oben schaute, entstanden quadratische Bilder, die für die Zeitungspublikation oft beschnitten wurden. Pflaum hielt dennoch an der unhandlichen Mittelformatkamera fest und komponierte ihre Bilder in mehreren Ebenen, um mit einer unscharfen Vordergrundfläche räumliche Tiefe zu erzielen und dem Geschehen Dynamik zu verleihen. "Ich habe nirgends sonst diese Art gesehen, ein Bild aufzubauen", versicherte die Kuratorin.

Barbara Pflaum prägte als angestellte Fotografin über zwei Jahrzehnte das Bild der "Wochenpresse", und so sind in einer Vitrine neben einem 1956 erschienenen Cover für die "Wiener Illustrierte", das die Diva Maria Callas in der Mailänder Scala zeigt, auch zwei Titelblätter der "Wochenpresse"-Weihnachtsnummern von 1962 und 1963 zu sehen: eine Impression vom Christkindlmarkt und ein Foto, das den nächtlichen Wiener Graben ungewohnt zeigt - nicht nur voller Lichter, sondern auch voller Autos. "Wien bei Nacht" ist ein Sujet, das in mehreren Fotografien behandelt wird, inklusive einem Foto aus einer Reportage über Wiener Prostitution. Zu Beginn der 1970er wurde auch auf der Kärntnerstraße käufliche Liebe angeboten.

Zeitreise ins Wien der 1960er-Jahre

"Schaufenster des Alltags" ist also nicht nur eine (Wieder-)Begegnung mit einer großartigen Fotografin, sondern auch eine Zeitreise. Dabei kann man etwa feststellen, dass der Wiener Naschmarkt 1970 tatsächlich ganz anders aussah, oder dass sich Demonstrationen in den 1960er-Jahren gegen völlig andere Themen als heute wandten - gegen den Vietnamkrieg etwa oder gegen den sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei.

Die Wien Museum-Ausstellung 2006/7 zeigte als Gesamtretrospektive mit rund 300 Fotografien noch viele weitere Aspekte von Barbara Pflaums Schaffen. Das MAK verlässt man nun in der Hoffnung, dass eine große Personale nicht allzu lange auf sich warten lässt. In Pflaums Archiv, das heute bei brandstaetter images aufbewahrt wird, und aus dem die Exponate der Schau stammen, sollte es noch genug ungehobene Schätze geben.

(S E R V I C E - "Barbara Pflaum - Schaufenster des Alltags", MAK, Wien 1, Stubenring 5, 15.4.-16.8., Di 10-21 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr)

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