Zahlreiche Tote bei Luftangriffen im Iran
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von AgenturenEine iranische Flagge auf einem zerstörten Gebäude in Teheran
Bild: APA/APA/AFP/ATTA KENARE
Nahe der iranischen Hauptstadt Teheran sind in einer angrenzenden Provinz mindestens 18 Menschen bei Luftangriffen getötet worden. Weitere 24 Bewohner der Provinz Albors seien bei den israelisch-amerikanischen Attacken verletzt worden, berichtete die iranische Nachrichtenagentur FARS. Die Bombardierungen trafen Wohngebiete, wie der Vizegouverneur in Albors erklärte. Rettungskräfte seien rund um die Uhr im Einsatz. In der Pendlerstadt Pardis bei Teheran gab es sechs Tote.
Darunter befinden sich laut Nachrichtenagentur Mehr drei Kinder. Augenzeugen in Teheran berichteten ebenfalls von schweren Bombardierungen in der vergangenen Nacht. In Pardis östlich der Millionenmetropole wurden in den vergangenen 15 Jahren riesige Neubausiedlungen für Teherans wachsende Bevölkerung errichtet. Viele Menschen in der Mittelschicht erwarben dort in den Hochhäusern Eigentum, oft in der Hoffnung auf erschwinglichen Wohnraum und einen sozialen Aufstieg am Rand der Hauptstadt.
Nutzer in den sozialen Medien berichteten über mehrere Raketeneinschläge in Pardis, davon mutmaßlich auch mit bunkerbrechenden Bomben. "Fenster und Häuser haben gezittert", zitierte der bekannte Netzaktivist Vahid auf seinem Telegram-Kanal einen Bewohner aus der Stadt.
Synagoge in Teheran bei israelischem Angriff beschädigt
Außerdem wurde in Teheran eine Synagoge bei einem Luftangriff schwer beschädigt. Die Bombardierung erfolgte um etwa 4.00 Uhr nachts, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete. Für den Angriff wurde Israels Luftwaffe verantwortlich gemacht. Ein Video der Nachrichtenagentur zeigte ein fast vollständig zerstörtes Gebäude in einer engen Gasse sowie Aufräumarbeiten.
Andere iranische Medien berichteten, das Gotteshaus sei vollständig zerstört worden. Die Synagoge wurde laut einem Bericht der iranischen Zeitung "Shargh" im 20. Jahrhundert erbaut und vor allem von Juden aus dem Nordosten Irans genutzt. Weitere Informationen zu Opfern gab es zunächst nicht.
Im Iran ist die schiitische Strömung des Islams Staatsreligion. Laut einem Bericht der israelischen Nachrichtenseite "ynet" lebt im Iran die größte jüdische Gemeinde außerhalb Israels in der Region. In der Hauptstadt Teheran gibt es Dutzende Synagogen, die teils mehrere Hundert Jahre alt sind.
Im Westen des Iran wurde ein Flughafen Ziel von Luftangriffen. In der Stadt Khorramabad sei der Flughafen bombardiert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf den Vizegouverneur der Provinz Lorestan. Bei dem Angriff gab es seinen Worten zufolge keine Todesopfer. Das Ausmaß der Schäden blieb unklar.
Iran setzt Streumunition ein
Bei einem neuen Raketenangriff auf den Großraum Tel Aviv setzte der Iran nach israelischen Militärangaben erneut international geächtete Streumunition ein. Dienstagfrüh heulten auch im Stadtzentrum der Küstenmetropole die Warnsirenen, die Bürger liefen in Schutzräume. Es waren dumpfe Explosionen zu hören. Das israelische Militär warnte unterdessen die Bevölkerung im Iran davor, am Dienstag mit dem Zug zu reisen oder sich in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten.
Wer sich dort aufhalte, gefährde sein Leben, hieß es in einem auf Farsi formulierten Post auf der Plattform X. Die Warnung vor Zugfahrten gelte ab sofort bis 21.00 Uhr Ortszeit (19.30 Uhr MESZ). Die iranische Bevölkerung hat seit dem 28. Februar nur Zugang zu einem eingeschränkten internen Intranet, in dem es nur staatlich genehmigte Inhalte gibt. Die Iraner nutzen aber iranische Plattformen, die Telegram ähneln. Auf einer dieser Plattformen wurde die Warnung der Israelis sechs Minuten nach der Veröffentlichung auf X geteilt.
Hintergrund sind die Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Angriffen auf Infrastruktur, die auch zivil genutzt wird oder zivilen Nutzen hat. Er hat dem Iran ein Ultimatum gestellt, die für den Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormuz zu öffnen, das in der Nacht auf Mittwoch ausläuft. Derzeit ist keine Einigung in Sicht.
Einschläge in Tel Aviv
Der israelische TV-Sender berichtete, es habe in Tel Aviv etwa zehn Einschlagsorte gegeben. Dabei sei Sachschaden an Gebäuden und Fahrzeugen verursacht worden. Berichte zu Verletzten gab es zunächst nicht. Auch die Hafenstadt Eilat an der Südspitze Israels wurde nach Medienberichten mit Streumunition angegriffen.
Eine Rakete mit Streumunition zerbricht häufig über dem Ziel in der Luft und verteilt dann Submunitionen, auch Bomblets genannt, über einem großen Gebiet. Die kleinen Geschosse können von der israelischen Luftabwehr kaum abgefangen werden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte die iranischen Angriffe mit Streumunition auf israelische Bevölkerungszentren zuletzt verurteilt. Diese könnten auch Kriegsverbrechen darstellen, hieß es in dem Bericht.
Bedeutender Erdölindustrie-Komplex in Saudi-Arabien beschädigt
In Saudi-Arabien ist laut einem Augenzeugenbericht in der Nacht auf Dienstag ein bedeutendes Erdöl-Industriegebiet angegriffen und beschädigt worden. In den Industrieanlagen des Konzerns Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) im ostsaudiarabischen Jubail sei nach einem Angriff ein Brand ausgebrochen, es hätten sich "sehr starke Detonationen" ereignet, hieß es von einem Menschen vor Ort gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Das Industriegebiet von Jubail ist eines der größten der Welt. Dort befinden sich Stahlwerke, Erdölraffinerien und Fabriken für weitere Erdölprodukte, Schmieröl und Kunstdünger. Am Montag hatte die israelische Luftwaffe nach Angaben von Verteidigungsminister Israel Katz einen "heftigen Angriff" auf das iranische Erdölindustriegebiet Asaluyeh am Persischen Golf geflogen.
Vor dem Angriff auf Jubail hatte die saudi-arabische Luftabwehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums einen Angriff mit sieben ballistischen Raketen abgewehrt. Raketensplitter seien in der Folge "in der Umgebung von Kraftwerken" zu Boden gegangen, die Schäden würden derzeit noch erfasst, erklärte das Ministerium weiter im Onlinedienst X.
Außerdem schoss Saudi-Arabien in den letzten Stunden 18 Drohnen ab. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die King Fahd Brücke, eine wichtige Verbindung zwischen Saudi-Arabien und Bahrain, war offiziellen Angaben zufolge wegen Angriffsdrohungen stundenlang geschlossen, wurde in der Früh aber wieder geöffnet.
Israel und die USA führen seit dem 28. Februar gemeinsam Krieg gegen den Iran. Der Iran reagiert mit ständigen Raketenangriffen auf Israel sowie zahlreiche andere Länder der Region.
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