Gewaltschutz
Gewalt an Frauen: So kann man Betroffenen helfen
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von Seyda GünBERLIN - DEUTSCHLAND: ++ ARCHIVBILD ++ ARCHIV - 01.07.2023, Berlin: Eine Frau hält ihre Hände in einer gestellten Szene vor das Gesicht. Das Bistum Trier legte seinen Bericht zu Fällen von sexualisierter Gewalt und zum Umgang damit vor. (zu dpa: «Bistum legt Zahlen zu Fällen sexualisierter Gewalt vor») Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. (ARCHIVBILD VOM 1.7.2023)
Bild: APA/APA/dpa/Fabian Sommer
Der jüngste Femizid an einer 31-jährigen Grazerin - mitten in der aktuell laufenden internationalen Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" - erschüttert Österreich. Wie man Betroffenen helfen kann und was vor allem Männer tun können - wir haben nachgefragt.
Das Wichtigste in Kürze
Der jüngste Femizid an einer 31-jährigen Grazerin - mitten in der aktuell laufenden internationalen Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" - erschüttert Österreich.
Wie man Betroffenen helfen kann, ein Überblick.
Es ist wieder passiert. In Österreich wurde erneut eine Frau Opfer von tödlicher Gewalt. Vergangenes Wochenende entdeckten Ermittler in Slowenien die sterblichen Überreste einer vermissten 31-jährigen Grazer Influencerin in einem vergrabenen Koffer im Wald.
Dorthin geführt hatte die Ermittler der Ex-Freund der Influencerin, welcher sich nach stundenlanger Einvernahme gegenüber steirischen Kriminalbeamten geständig zeigte.
Laut dem Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) ist es der 15. Femizid in diesem Jahr.
Heuer 15 Femizide, 34 schwere Gewalttaten gegen Frauen
"Femizide sind nur die Spitze der Gewaltpyramide; bevor es zu Femiziden kommt, muss alles darangesetzt werden, vorab schon Maßnahmen zu treten, um verbale, körperliche, sexualisierte und ökonomische Gewalt an Frauen zu bekämpfen", sagt Maja Markanović-Riedl, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser im PULS24-Interview.
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen in Österreich verdeutlicht einmal mehr, dass Gewalt gegen Frauen ein großes Problem in der Gesellschaft darstellt: 15 Femizide und 34 schwere Gewalttaten gegen Frauen gab es 2025 bereits.
Laut AÖF ist jede dritte Frau von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Mehr als jede vierte Frau hat laut AÖF sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. Mehr als jede fünfte Frau in Österreich ist von Stalking betroffen.
Meist sind die Täter Männer, die den Frauen besonders nahe standen, etwa wie der Partner, Ex-Partner oder ein Familienmitglied. Statistiken zeigen, dass das eigene Zuhause der gefährlichste Ort für Frauen ist.
Aus einer Gewaltspirale auszubrechen ist nicht so einfach, wie es sich manche vielleicht denken. Es braucht viel Mut und Unterstützung.
Infobox Hilfe bei häuslicher Gewalt
Bild: JOYN
So schützt man von Gewalt betroffene Frauen
Wie handelt man jetzt aber am besten, wenn man merkt, dass die eigene Nachbarin, Freundin oder Bekannte Gewalt ausgesetzt ist? Der AÖF rät, zunächst einmal die Person vorsichtig und ohne Druck auf das Thema anzusprechen.
Ein Beispiel dafür: "Ich mache mir Sorgen um dich. Ich bin für dich da, falls du Unterstützung brauchst." Außerdem sei es wichtig, aufmerksam zuzuhören und darüber zu sprechen, dass Gewalt keine Privatsache ist. "Glauben Sie der Betroffenen, ohne zu urteilen", heißt es auf AÖF-Anfrage.
Betroffenen müsse signalisiert werden, dass Gewalt von ihrem Umfeld wahrgenommen und nicht geduldet wird. Zudem soll ihnen vermittelt werden, dass sie keine Schuld daran tragen, Opfer von Gewalt geworden zu sein.
Weitere Empfehlungen:
- Bei akuter Gefahr hat die Sicherheit oberste Priorität, daher: in Notfällen die Polizei unter 133 zu kontaktieren.
- Auf professionelle Unterstützungsangebote hinweisen, etwa die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555, die rund um die Uhr, anonym und kostenlos erreichbar ist.Die Beraterinnen können an spezialisierte Frauen- und Mädchenberatungsstellen oder Gewaltschutzzentren weitervermitteln.
- Auch Angehörige können sich an die Frauenhelpline wenden, um sich beraten zu lassen.
Männer können Gewalt beenden
Gewalt gegen Frauen ist laut "Amnesty International" kein individuelles Problem, das nur betroffene Frauen etwas angeht, sondern "eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung." Bildung und Bewusstsein seien der "erste Schritt zur Veränderung."
Vor allem Männer sind "aufgefordert, ihr Verhalten kritisch zu reflektieren und sexistische Witze oder Grenzverletzungen nicht zu normalisieren", hieß es auf Anfrage beim AÖF.
Wer problematisches Verhalten beobachtet, sollte es ansprechen und auf Beratungs- und Hilfsangebote hinweisen. Entscheidend seien laut dem Verein unter anderem auch präventive Bildungsmaßnahmen, von Workshops in Schulen bis zu Trainings am Arbeitsplatz sowie die konsequente Verankerung von Gleichberechtigung und respektvollem Miteinander als gelebter Grundsatz.
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