Achtung, nicht nachmachen!
Kein TikTok-Spaß: So gefährlich ist die Nasenspray-Sucht
Veröffentlicht:
von Seyda GünAuf einem Smartphone wird das Logo der Plattform Tiktok angezeigt
Bild: APA/APA/dpa/Monika Skolimowska
Ob in den Öffis, in der Arbeit oder in der Schule: Die Grippewelle überrollt aktuell das Land. Viele Betroffene greifen zu abschwellenden Nasensprays. Doch diese können abhängig machen. Auf Social Media wird darüber oft verharmlosend gewitzelt. Ein Arzt klärt auf.
Das Wichtigste in Kürze
Viele greifen bei der Grippe zu abschwellenden Nasensprays, doch sie können abhängig machen.
Solche Sprays helfen nur kurz und dürfen nur über einen bestimmten Zeitraum verwendet werden.
Wieso Nasensprays auf TikTok viral gehen und was daran gefährlich sein kann, erfährst du hier.
Während Produkte beispielsweise mit Meereswasser laut Ärzt:innen unbedenklich sind, sieht es bei abschwellenden Nasensprays etwas anders aus.
Abschwellende Nasensprays verengen etwa die Blutgefäße in der Schleimhaut. "Wenn jetzt weniger Blut in die Schleimhaut fließt, schwillt sie ab und wird halt weniger dick und es kommt dann mehr Luft durch die Nase", erklärt der Mediziner Christian Müller von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten in Wien.
"Rebound Phänomen"
Verschrieben wird das Nasenspray laut Müller für Patient:innen mit akuten Infekten, vor allem, wenn die Nasenschleimhaut geschwollen ist. "Dadurch vermeidet man zum Beispiel Komplikationen bei einer Sinusitis", also einer Nebenhöhlen-Entzündung, erklärt der Arzt weiter.
Wichtig ist, dass das Nasenspray nur kurzzeitig eingenommen wird. "Maximal circa eine Woche, dann ist der Infekt dann meistens eh schon vorbei", so Müller. Wer sich nicht daran hält, ist dem Risiko ausgesetzt, dass sich die Nasenschleimhäute an die abschwellende Wirkung gewöhnen.
Und dann tritt das sogenannte "Rebound-Phänomen" ein, wie der Mediziner erklärt. Lässt die Wirkung des Sprays nach, schwellen die Schleimhäute umso mehr an, man bekommt wieder Beschwerden und der Körper fordert erneut den Nasenspray. "Und dann sind wir eigentlich in der Sucht", sagt Müller.
Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 100.000 Menschen davon betroffen, wie aus einem Bericht vom ZDF hervorgeht. Für Österreich liegen keine konkreten Zahlen vor.
Verharmlosung auf Social Media
Auf Social Media berichten zahlreiche User:innen von ihrer "Nasenspray-Sucht" und witzeln darüber, dass ein Alltag ohne Spray für sie nicht mehr vorstellbar sei. Die Auswirkungen und die buchstäbliche Abhängigkeit werden verharmlost.
Auch in den Kommentaren unter diversen viralen Videos, etwa auf TikTok, wird über Nasenspray-Abhängigkeit hauptsächlich gelacht. Der Humor ergibt sich daraus, dass eine "Sucht" nach etwas so scheinbar harmlosem wie Nasenspray nicht gefährlich wirkt.
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Nasenschleimhaut kann "zugrunde gehen"
Müller beurteilt die dauerhafte Einnahme des Nasensprays als ernstes Problem. Denn es kann auf Dauer die Nasenschleimhaut schädigen, sodass sie "wirklich zugrunde geht", erklärt er.
Schlimmstenfalls kann es zu einer sogenannten "Stinknase" kommen. Das bedeutet, "dass sich Krusten bilden, dass die Schleimhaut zerstört wird, weil sie chronisch einfach zu wenig Sauerstoff bekommt", erklärt er weiter.
Wie man diese Sucht loswird? "Nur mithilfe des HNO-Arztes", sagt Müller. Die HNO-Expert:innen müssen sich die Anatomie der Nase genauer anschauen, um der konkreten Ursache auf den Grund zu gehen.
"Es gibt mehrere Krankheiten, die damit verbunden sein können: Sinusitis-Erkrankungen, Allergie-Erkrankungen, anatomische Engstellen (etwa eine schiefe Nasenscheidewand, Anm.) – also die Nebenhöhlen können da schon betroffen sein und das kann nur der HNO-Arzt abklären", so Müller.
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