Asbest im Burgenland: Anzeige wegen Übung in Steinbruch
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von Agenturen447 Teilnehmer übten offenbar auf asbesthaltigem Gestein
Bild: APA/APA/GREENPEACE
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat wegen einer Katastrophenübung im Steinbruch Pilgersdorf (Bezirk Oberpullendorf) Anzeige erstattet. Im Oktober 2025 seien Schülerinnen und Schüler dort vergraben und auf staubige Förderbänder gelegt worden, um Bergungen zu trainieren. Wenige Monate später, im Jänner 2026, wurde der Steinbruch aufgrund einer Asbestbelastung behördlich geschlossen, kritisierte Sprecher Stefan Stadler. Das Land wies die Vorwürfe "aufs Schärfste" zurück.
Die Anzeige ging an die Staatsanwaltschaft Eisenstadt und richtet sich neben der Betreiberfirma des Steinbruchs auch gegen die Bezirkshauptmannschaft und den zuständigen Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ). Eingebracht wurde die Sachverhaltsdarstellung unter anderem wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit und Gemeingefährdung.
Land erwägt Anzeige wegen Verleumdung
Vom Land Burgenland hieß es dazu, man sehe der Anzeige gelassen entgegen, halte das Vorgehen von Greenpeace aber für befremdlich und erwäge eine Anzeige wegen Verleumdung. Der Vorwurf, man habe die Teilnehmer in Gefahr gebracht, sei falsch. Zum Zeitpunkt der Übung habe der Steinbruch über alle Genehmigungen verfügt und den Behörden lagen keinerlei Hinweise auf eine Gefährdungslage vor, hielt das Land in einer schriftlichen Stellungnahme fest.
Erst einen Monat nach der Übung seien im Zuge von Kontrollen geologische Gesteinsproben entnommen worden, bei denen später ein erhöhter Asbestanteil festgestellt wurde. "Es handelte sich hierbei um Materialanalysen der tiefen Gesteinsschichten und nicht um Luftgütemessungen", so das Land. Bei Vorliegen der Ergebnisse habe man sofort gehandelt und den Steinbruch geschlossen.
Hutter: Wenige Stunden im Steinbruch gesundheitlich vernachlässigbar
Umweltmediziner Hans Peter Hutter, der die vom Land eingesetzte Taskforce "Vorsorgeabklärung Luftqualität" leitet, hielt fest, dass die Teilnehmer sich nur wenige Stunden im Steinbruch aufgehalten hätten, was als "gesundheitlich vernachlässigbar" anzusehen sei. Außerdem sei der Betrieb schon einen Tag vor der Übung ausgesetzt worden, um eine zusätzliche Staubentwicklung durch Gesteinsabbau zu vermeiden. Die Schülerinnen und Schüler seien, nicht wie von Greenpeace behauptet, vergraben worden, sondern hätten sich in mit Decken ausgestatteten Holzummantelungen aufgehalten.
Auch der Betriebsleiter des Pilgersdorfer Steinbruchs, Frank Eichhorn, und die ARGE Naturgestein wiesen die Vorwürfe vehement zurück. Die Übung sei "ordnungsgemäß und klarerweise ohne Gefährdung der Übungsteilnehmer auf behördliche Anordnung abgelaufen", hielt Eichhorn fest. Auch die Probenentnahmen und Messungen der Umweltschutzorganisation sieht er kritisch: "Wann endlich erkennt Greenpeace an, dass es keinen Sinn macht, einzelne Steine herauszufischen, aufwendig zu zerkleinern und daraus dann Schlüsse über Gesundheitsgefahren durch angebliche Luftbelastungen zu ziehen?" Gefährlich sei nicht das im Gestein gebundene Asbest, sondern jenes in der Atemluft.
Stadler: "Entbehrt jeglicher Verantwortung"
Greenpeace kritisierte, dass die Gesundheit der Einsatzkräfte und Freiwilligen aufs Spiel gesetzt worden sei. "Die Übung in einem asbestbelasteten Steinbruch abzuhalten, entbehrt jeglicher Verantwortung", hielt Stadler fest. 447 Teilnehmer waren dabei, darunter das Rote Kreuz, Feuerwehren aus dem Burgenland und Niederösterreich, der Arbeitersamariterbund, die Rettungshundebrigade und 27 Schülerinnen und Schüler aus Niederösterreich. Mehrere Teilnehmer hätten sich nach der behördlichen Schließung des Steinbruchs bei Greenpeace gemeldet.
Spätestens seit 2011 müsse eine Asbestbelastung im Steinbruch amtsbekannt sein, meinte Stadler. Trotzdem seien die Bergungen teilweise direkt am Förderband unter dem Steinbrecher geübt worden, wo normalerweise das Gestein zermahlen werde. Auch die Kleidung der Einsatzkräfte sei auf den Fotos von der Übung stark kontaminiert, wodurch Asbeststaub in Innenräume oder Fahrzeuge verschleppt worden sein könnte, argumentierte Greenpeace. Eine Atemschutzmaske habe offenbar niemand getragen.
Asbestfasern können laut der Umweltschutzorganisation als Staub besonders leicht eingeatmet werden. Wenn sie in die Lunge gelangen, können sie sich dort festsetzen und schwere Erkrankungen wie Asbestose und verschiedene Krebsarten verursachen.






