Trumps Forschungspolitik macht Österreich etwas gefragter
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Bild: APA/APA/dpa/Fabian Sommer
Mit Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident und seinen Attacken auf die dortige Forschung und Hochschulen stand der glänzende Ruf als führende Wissenschaftsnation schnell auf dem Spiel. Den USA schien ein Brain Drain zu drohen. Auch wenn die befürchtete "Flüchtlingswelle" bisher ausblieb, registrieren Förderagenturen wie die ÖAW hierzulande, besonders auf Postdoc-Level, ein verstärktes Interesse von Amerikanern. Den Eindruck teilt ASCINA-Präsidentin Alexandra Lieben.
Von einem ausgeprägten Klima der Verunsicherung sprachen schon im Vorjahr viele. "Wir befinden uns in einem fragilen Status quo. Viele der angedrohten Kürzungen von Fördermitteln wurden vom U.S. Kongress letztendlich doch nicht durchgeführt, aber was bleibt, ist ein allgemeines Gefühl der Verunsicherung", so die an der University of California Los Angeles (UCLA) tätige Wissenschafterin.
Lieben: "Wesentlich größeres Interesse an Rückkehr"
Als Leiterin des Vereins ASCINA (Austrian Scientists and Scholars in North America) steht Lieben in direktem Kontakt mit in den USA tätigen Österreichern: Man habe "keine Flüchtlingswelle gesehen, aber ein wesentlich größeres Interesse an einer Rückkehr, vor allem unter Forschenden im Früh- und Mittelstadium ihrer Karrieren". Einige Forschende seien ja auch tatsächlich zurückgekehrt. "Wir beobachten hier auch ein wachsendes Interesse unter Österreichern, akademischer Forschung den Rücken zu kehren und in die Industrie zu wechseln."
Österreich setzte - wie auch andere Länder und die EU - nach ersten drastischen Maßnahmen der US-Administration unter Trump 2025 schnell einzelne Initiativen, um in den USA Forschenden eine Alternative zu bieten. So wurden etwa Möglichkeiten des "Opportunity Hiring" ausgeweitet - um damit Professorinnen und Professoren, eben auch aus den USA, flexibler anwerben zu können. Mit Mitteln aus dem Fonds Zukunft Österreich (FZÖ) setzte die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) das Programm "APART-USA" um, 25 Stipendien für exzellente Postdocs aus den USA wurden vergeben: "Die verfügbaren Stipendien waren in kürzester Zeit besetzt", hieß es seitens der Akademie. Laut einer Analyse der Universitätenkonferenz (uniko) kamen bis Oktober 2025 bereits elf Personen über APART und 15 über Anwerbungsverfahren der Unis aus den USA an heimische Hochschulen.
Life Science-Institute der ÖAW besonders nachgefragt
Ganz allgemein verweist die ÖAW auf ein "verstärktes Interesse von Forschenden", den Wechsel über den Atlantik in die Alpenrepublik anzutreten - und "besonders in bestimmten Fachbereichen, in denen das Land auch international stark ist". An ihre Life-Science-Institute kamen im Vorjahr "40 Prozent der Bewerbungen für Stellen von Junior Gruppenleitungen von Personen aus den USA". Das sei ein Anstieg fast um das Doppelte im Vergleich zu 2024.
Beim neu gegründeten AITHYRA-Institut der ÖAW wechselten drei von vier neuen Gruppenleitungen direkt von renommierten US-Unis ans Institut nach Wien. Bei PhD-Programmen, wie sie etwa vom ÖAW-Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) und vom Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) angeboten werden, "zeigt sich 2025 ein klarer signifikanter Anstieg von Bewerbungen aus den USA - sowohl relativ (Prozentanteile) als auch absolut (steigende Gesamtbewerberzahlen)". Bei den Doktoratsprogrammen der ÖAW könne man hingegen keinen Anstieg von Bewerbern mit Abschluss in den USA feststellen.
FWF und ISTA: Mehr internationales Interesse an Postdoc-Förderung
Die in den USA weiterhin fragile Situation bewirkt wohl auch, dass sich international bei der Wahl von künftigen Forschungsstandorten Prioritäten verschieben: Der Wissenschaftsfonds FWF, in Österreich der schwergewichtigste Förderer von Grundlagenforschung, strich gegenüber der APA heraus: "Aus den FWF-Förderstatistiken lässt sich bis dato kein klarer Trend für Forschende mit amerikanischer Staatsbürgerschaft ablesen. Was wir aber schon jetzt sehen, ist dass sich deutlich mehr internationale Forschende aus anderen Ländern statt für die USA jetzt für eine Antragstellung bzw. Forschungstätigkeit in Österreich entschieden haben." Speziell im Postdoc-Bereich im ESPRIT-Programm seien die Antragszahlen sprunghaft angestiegen.
"Wir haben früh erwartet, dass die Förderanträge für das Postdoc-Programm ESPRIT stark steigen werden - nicht nur aus den USA, sondern aus vielen Ländern, wo Nachwuchswissenschafter:innen jetzt ihre Karrierepläne ändern", sagte FWF-Präsident Christof Gattringer zur APA. Dank zusätzlicher Mittel des FZÖ könne man das gesteigerte Interesse bisher gut bewältigen. Die wachsende Zahl an internationalen Forschenden stärke Österreichs Wissenschaft, "bringt aber auch finanzielle Herausforderungen für das künftige FWF-Budget mit sich".
Im Bereich des Erwin-Schrödinger-Mobilitätsprogramms, welches heimischen Forschenden Aufenthalte an international renommierten Forschungsstätten ermöglicht, ist die Zahl jener, die einen Forschungsaufenthalt in den USA absolvieren, im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr "geringfügig gesunken": 22 Prozent aller antragstellenden Personen planten einen Forschungsaufenthalt in den USA, so der FWF. Ob das ein Trend werde, könne man erst in den nächsten Jahren sagen.
Auch das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg verzeichnete "unter all den Postdocs, die 2025 zu uns gekommen sind, einen leichten Anstieg des Anteils derer, die von einer US-amerikanischen Einrichtung zum ISTA gekommen sind, auf derzeit etwa 20 Prozent". Auch beim "Virtual Open Student Day", einer Online-Veranstaltung für jene, die sich für ein Doktorat am ISTA interessieren, "war 2025 ein leichter Anstieg der Teilnehmenden aus den USA zu verzeichnen", sagte Barbara Abraham, Deputy Managing Director des ISTA und Leiterin der Academic Affairs.
Die Nachfrage nach Plätzen im interdisziplinären PhD-Programm am ISTA zeige: "Einen PhD im Herzen Europas zu machen scheint also für Amerikaner:innen attraktiver geworden zu sein, noch deutlicher zeichnet sich aber ab, dass wohl mehr Europäer:innen anstreben, auf ihrem Heimatkontinent zu bleiben", hier spiele vielleicht die Situation in den USA mit eine Rolle.
"Wissenschaftsstandort USA nicht ersetzbar"
Der Wechsel von KI-Forscher Wali Malik, der im Vorjahr die USA für eine Position als neuer Leiter des Robotics Labs von AITHYRA verließ, erregte auch bereits in seiner einstigen Heimat Interesse. Er sei, so schrieb die "New York Times" jüngst, zugleich ein Beispiel dafür, was zu einem besorgniserregenden Trend werden könnte: die Abwanderung talentierter Wissenschafter aus Amerika ins Ausland. Vor allem auch, weil die US-Regierung ihre Attacken auf die Wissenschaft fortsetze.
Der Haushaltsentwurf für 2027 würde die Bundesmittel in den Vereinigten Staaten für wissenschaftliche Veröffentlichungen kürzen und die Finanzmittel für viele US-Einrichtungen reduzieren, hieß es auch jüngst in einem Artikel in "Nature" (https://www.nature.com/articles/d41586-026-01105-7). Ob es so kommt, bleibt freilich abzuwarten.
"Der Plan sieht wieder drastische Kürzungen bei US-Forschungsbehörden vor: Die Budgets der National Science Foundation und der Environmental Protection Agency, zum Beispiel, sollen über 50 Prozent sinken, das der National Institutes of Health um 13 Prozent", so ASCINA-Präsidentin Alexandra Lieben: "Absurderweise sollen der National Science Foundation sämtliche Mittel für Forschung in den Sozialwissenschaften und der Ökonomie gestrichen werden. Dafür soll das Verteidigungsbudget von 1 Billion auf 1,5 Billionen US-Dollar anwachsen! Die Prioritäten sind klar."
"Europa reibt sich aktuell nicht erwartungsfroh die Hände in Erwartung eines Brain Gains aus den USA", so Barbara Abraham vom ISTA. Vielmehr versuche Europa hier einzuspringen, wo die Wissenschaft geschwächt wird. Aber: "Wir können den Wissenschaftsstandort USA nicht ersetzen, wir brauchen ihn auch weiter als wichtigen Kooperationspartner. Moderne Wissenschaft ist eine globale Angelegenheit."
An Unis und OeAD keine signifikanten Veränderungen
Die Universität Graz wie auch die Universität Innsbruck berichteten, man habe bisher nicht wirklich große Verschiebungen wahrnehmen können. Es gebe schon leichte Veränderungen, "aber sie sind nicht signifikant genug, um sie zu 100 Prozent den politischen Verhältnissen in den USA zuzuschreiben", so die Uni Graz. Man sehe einen leichten Rückgang beim Interesse heimischer Studierender für Austauschsemester in den USA. Es gebe zudem weiterhin stabile Zahlen von US-Studierenden, "die bei uns aktuell ein Austauschsemester machen".
Auf Seite der Forschenden gebe es "einen ganz leichten Anstieg" von Personen, "die von US-Unis zu uns gewechselt sind", so die Uni Graz: "Was generell auffällt: Wir haben sowohl von Forschenden als auch Studierenden aus den USA deutlich mehr Anfragen, bezüglich eines Aufenthalts an der Uni Graz (egal welcher Art)."
"Es gibt die allgemeine Wahrnehmung, dass die Situation in den USA (zumindest in gewissen Fachbereichen) dramatisch ist und dass das auch Auswirkungen auf die Wahl des Forschungsstandortes hat. In Zahlen oder konkreten Beispielen lässt sich das bei uns aber nicht wirklich zeigen", teilte die Uni Innsbruck der APA mit.
Bei der Agentur für Bildung und Internationalisierung (OeAD) gibt es bei den Antragszahlen in den vom OeAD betreuten Programmen in Bezug auf die USA, darunter das Marietta-Blau-Stipendium für "Outgoings" und das Ernst-Mach-Weltweit-Stipendium für "Incomings", ebenfalls "keine Veränderung gegenüber den Vorjahren". "Auch die Zahl konkreter Anfragen zu Studium, Praktika oder Forschungsaufenthalten aus den USA ist beim OeAD nicht gestiegen", hieß es. Das Interesse an der "EURAXESS-Focus-USA"-Website (https://www.euraxess.at/research-in-austria ) sei nach einem anfänglichen Anstieg im ersten Halbjahr 2025 wieder zurückgegangen.
"Verunsicherung ist zermürbend"
Es bleibt also noch etwas abzuwarten, welche Trends sich dann letztlich mittel- bis langfristig klar abzeichnen. Die Unsicherheit sei jedenfalls auf Dauer zermürbend, so Alexandra Lieben: "Wir befinden uns mittlerweile im 15. Monat der zweiten Trump-Administration - ich muss sagen, es fühlt sich wesentlich länger an."
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