Autor Viktor Jerofejew: "Wir steuern auf die Barbarei zu."
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von AgenturenAutor Viktor Jerofejew
Bild: APA/APA/dpa/Friedemann Kohler
Der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew ("Die Moskauer Schönheit", "Der gute Stalin") befürchtet, dass der Autoritarismus in seiner Heimat auch andere Länder erfassen könnte. Sein neuer Roman heißt deshalb "Die neue Barbarei". Der 78-jährige Autor stellte ihn auf einer Buchmesse russischer Exilverlage in Berlin vor.
Die Russen widersetzten sich in der Mehrheit nicht den Grausamkeiten, die der russische Staat anrichte, sagte Jerofejew - etwa beim Angriffskrieg in der Ukraine. Im Roman verkörpert deshalb eine schöne Frau die "russische Schuld". Trotz des Kulturpessimismus ist das Buch ein typischer Jerofejew: satirisch, grotesk, voller Sex und literarischer Anspielungen. Kremlchef Wladimir Putin kommt als "Pontschik" (Donut) vor - "sehr süß, aber alle haben sich daran übergessen", sagte Jerofejew. Klassische russische Schriftsteller wie Puschkin, Tolstoi oder Tschechow treten auf.
Der dpa gab Jerofejew ein kurzes Interview:
"Russische Schuld" und "russischer Stolz"
Frage: Warum gilt Ihre Warnung vor einer neuen Barbarei nicht nur Russland?
Antwort: "Das betrifft alle. Der Liberalismus ist schön, ästhetisch, großartig, aber er erfüllt grundlegende Bedürfnisse der Menschheit nicht. Wir steuern auf die Barbarei zu, einen Ausweg gibt es nicht. Liebe zur Macht, Liebe zum großen Geld, Liebe zu Gewalt, zu Sadismus, Erniedrigung. Das ist in Russland so, in Amerika. In Europa gibt es viele rechte Parteien. Es gibt China und Nordkorea, das als erstes in dieser neuen Barbarei gelandet ist."
Frage: Hauptfigur im Roman ist eine wunderschöne Frau, die "russische Schuld". Was verstehen Sie darunter?
Antwort: "Die russische Schuld ist eine leere Fläche, die man mit vielem füllen kann. Und 15 Prozent der Bevölkerung, die europäisch denken, erkennen sie sofort und sagen: Das ist die russische Schuld. Doch für sehr viele bleibt die Fläche leer. Für sie verwandelt sich russische Schuld sogar in russischen Stolz."
Frage: Sie sind vor vier Jahren mit Beginn des Ukraine-Kriegs aus Russland ausgereist. Wie halten Sie im Exil Kontakt zu Ihrem Publikum?
Antwort: "Ich schreibe für viele Länder, darunter für Russland. Dort gibt es meine Bücher nicht mehr im Laden zu kaufen. Aber man kann sie mit der Post schicken, und sie kommen an. Meine Bücher gehen in viele Länder. Ich bin Deutschland dankbar, dass es mich aufgenommen und mir eine Zukunft gegeben hat."
(S E R V I C E - Viktor Jerofejew: "Die neue Barbarei", Deutsch von Beate Rausch, Matthes & Seitz Berlin, 448 Seiten, 26,70 Euro)
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