Bildungsressort startet Vorarbeit für Sonderpädagogik-Reform

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von Agenturen

Die Regierung will die versprochenen Reformen bei Inklusion angehen

Bild: APA/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER


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Im Regierungsprogramm hat die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS sich eine Stärkung der Inklusions- und Sonderpädagogik vorgenommen, nach Ostern sollen nun die Vorarbeiten starten. Bei einem Treffen mit Stakeholdern soll es u.a. um einen Rechtsanspruch von Jugendlichen mit Behinderung auf zusätzliche Schuljahre, Anpassungen bei der Lehrerausbildung, ein neues Konzept für den umstrittenen "Sonderpädagogischen Förderbedarf" und mehr Durchlässigkeit im Schulsystem gehen.

Mit der Ausarbeitung der Reformpläne soll noch im ersten Quartal begonnen werden, im Schuljahr 2027/28 sollen die Änderungen dann laut einem Ministerratsbeschluss von Ende März in Kraft treten. Für eine der Maßnahmen - einen Rechtsanspruch Jugendlicher mit Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten auf ein 11. und 12. Schuljahr - wurden schon im Regierungsprogramm 25 Mio. Euro an Offensivmitteln vorgesehen.

Derzeit können Jugendliche, denen wegen einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung ein "Sonderpädagogischer Förderbedarf" (SPF) attestiert wird, nach dem 10. Schuljahr nur mit Zustimmung des Schulerhalters und Bewilligung der Behörde freiwillig zwei zusätzliche Schuljahre anhängen. Initiativen betroffener Familien fordern ebenso wie die NEOS seit Jahren einen Rechtsanspruch, immerhin würden gerade Kinder mit Entwicklungsverzögerung mehr Zeit für Bildung benötigen und nicht weniger.

"Stärkung der Durchlässigkeit"

Auch darüber hinaus wird die "Stärkung der Durchlässigkeit und Aufstiegsmöglichkeit quer durch alle Schulen" als Ziel ausgegeben. Mit der Ratifizierung der UN-Menschenrechtskonvention hat Österreich sich 2008 eigentlich zum gemeinsamen Unterrichten von Schülern mit und ohne Behinderungen verpflichtet, aktuell ist die Sonderschule als eigene Schulform für behinderte oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche in einigen Bundesländern aber tendenziell sogar wieder auf dem Vormarsch.

Angekündigt ist auch eine "Neukonzipierung des sonderpädagogischen Förderbedarfs". Schüler mit SPF können Förderung durch spezielles Lehrmaterial oder Lehrer bekommen oder in einem oder mehreren Fächern nach dem Lehrplan einer niedrigeren Schulstufe oder anderen Schulart unterrichtet werden. Wegen schwammiger Kriterien gibt es bei der Zuteilung aber große Unterschiede zwischen den Bundesländern, eine Studie im Auftrag des Bildungsministeriums vermisste einheitliche Begutachtungskriterien und Qualitätsstandards.

Änderungen bei Lehrerausbildung

Änderungen sind außerdem bei der Ausbildung des sonderpädagogischen Lehrpersonals angedacht. Seit 2015 gibt es in Österreich keine eigene Ausbildung für Sonderschullehrerinnen und -lehrer mehr, stattdessen können alle angehenden Lehrer einen Schwerpunkt bzw. eine Spezialisierung in Inklusion wählen. In der Praxis entscheiden sich dafür aber nur wenige, im Volksschulbereich waren es zuletzt (2022/23) beim Bachelorstudium 17 Prozent und beim Masterstudium knapp sechs Prozent der Absolventinnen und Absolventen, in der Sekundarstufe (Mittelschule, AHS, Berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) knapp fünf bzw. zwei Prozent. Kritiker fordern wegen des Personalmangels in dem Bereich schon länger wieder eine eigenständige Lehramtsausbildung Sonderpädagogik.

Im Ministerratsprotokoll wird - passend zum Regierungsprogramm - ein verpflichtendes Modul der inklusiven Pädagogik im Rahmen des regulären Lehramtsstudiums als Ziel genannt. Auch eine "eigenständige Lehramtsausbildung für Inklusion und Sonderpädagogik" ist als Thema gesetzt. Ob diese auch kommt oder man doch bei einer Spezialisierung bleibt, war zuletzt in der Koalition noch in Diskussion.

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