Buch von APA-CEO Pig: Schild gegen die "Welt ohne Wahrheit"

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von Agenturen

APA-CEO Clemens Pig pocht auf ein kooperatives Mediensystem

Bild: APA/APA/MAX SLOVENCIK/MAX SLOVENCIK


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Journalismus und damit zwangsläufig die Demokratie kommen angesichts rasanter technologischer Entwicklungen und einem damit einhergehenden neuen Mediennutzungsverhalten zusehends unter Druck. APA-CEO Clemens Pig bereitet das Kopfzerbrechen. In seinem neuen Buch "Welt ohne Wahrheit. Demokratie verteidigen in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung" analysiert er den besorgniserregenden Status quo und liefert eine mögliche Antwort darauf, wie man der Wahrheit Flügel verleiht.

Schon 2023 fragte sich Pig, ob die "Wa(h)re Nachricht eine Zukunft" hat. Und seitdem haben es Plattformen und Künstliche Intelligenz weiter erschwert, wahr und falsch zu unterscheiden. Mit dem neuen Buch führt der 51-Jährige seine "Democracy Dies in Darkness"-Reihe nun fort. "Wenn wir uns nicht einmal mehr auf Fakten einigen, wird jede Debatte zur Glaubensfrage - und die Demokratie wird leicht manipulierbar", stellt er im Vorwort klar. Auf den folgenden ca. 200 Seiten geht er - aufgelockert durch etliche Infokästen und Interviews mit Kommunikationsexpertinnen und -experten wie Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa oder Journalismusforscher Jeff Jarvis - mehreren Fragen nach. Darunter: Wie kommen verlässliche Informationen wieder zu den Menschen? Und wie können Medien ihre Arbeit aus eigener Kraft finanzieren, statt von Plattformlogiken abhängig zu bleiben?

Mitten in der "Dekade der Desillusionierung"

Bevor er Antworten auf diese Fragen liefert, analysiert Pig aber, wie es soweit kommen konnte, dass man ein Buch über eine "Welt ohne Wahrheit" überhaupt erst schreiben muss. Er zeichnet eine "Dekade der Desillusionierung" nach, beginnend mit der Pandemie und einer ersten großen Desinformationswelle sowie dem Ukrainekrieg, über Generative AI als Zäsur der digitalen Informationsgesellschaft, bis hin zu einer "New Order" - einer neuen Welt- und Kommunikationsordnung im Jahr 2025, in der die USA ihre Unterstützung für Europa direkt von einer Nicht-Regulierung der US-Big-Tech-Plattformen durch die Europäische Union abhängig machten.

Hatten Massenmedien einst Hoheit über Technologie, Inhalte und Markt, kam mit Social Media der User als Produzent von Inhalten hinzu. In der KI-Ära machen mittlerweile auch Maschinen Inhalte, zeichnet Pig nach, wie die klassische Gatekeeper-Funktion von Journalistinnen und Journalisten bzw. herkömmlichen Medienhäusern zusehends zu bröckeln begann. Als Kernfrage der Zukunft definiert er aber nicht, wie die Technologie zu stoppen sei, sondern, wie ein Betriebssystem für diese Technologie geschaffen werden kann, auf dem vertrauensvolle und faktenbasierte Inhalte und Nachrichten auch wirtschaftlich funktionieren. Gegenwärtig saugen Plattformen nicht nur Werbeerlöse, sondern auch Inhalte ab und sorgen mit KI-Überblicken für einbrechende Klickzahlen.

Pig plädiert auf einen Modus Co-Operandi - das Motto: Kooperation statt Konkurrenz. Dabei käme genossenschaftlich organisierten Nachrichtenagenturen eine Schlüsselrolle zu, vermögen sie es doch, selbst die stärksten Konkurrenten friedlich und gewinnbringend an einen Tisch zu bringen und moderne Lösungen für Medien zu realisieren, schreibt der gebürtige Tiroler.

"GPT-Austria" und ein redaktionelles Social Media

Pig tritt für ein "GPT-Austria" als medienübergreifendes Angebot für User von transparenten und rechtssicheren KI-Medien-Chatbots auf Basis faktenbasierter Trainingsdaten und Nachrichten ein. Auch auf geteilte IT-Infrastruktur und -Lösungen wie medienübergreifendes Innovationsmanagement pocht der Medienmanager.

Entscheidend sei zudem die Distribution - "die Verlinkung zur Wahrheit", wie Pig es nennt. Anstatt nur den sozialen Plattformen das Prinzip der Wahrhaftigkeit zu überlassen, könne ein redaktionelles soziales Medium als europäische Alternative an den Journalismus und das Prinzip Wahrheit anknüpfen. Und wie könnte das konkret aussehen? Jedenfalls ohne "sirrende Farben", ohne "hektisches Gezappel", kein algorithmisches "Hier, das wird dich empören", malt sich Pig aus. "Der personalisierte Feed begrüßt mich nicht mit dem Lautesten, sondern mit dem Nächsten."

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Rechte- und Lizenzmanagement als Notwendigkeit

Pig stellt auch Überlegungen zu einer weiteren Einkommenssäule an. Neben dem Leser-, Werbe- und Fördermarkt werde das Rechte- und Lizenzmanagement für Medienhäuser massiv an Relevanz gewinnen, prognostiziert er. Überall, wo Medieninhalte für Anwendungen der KI-Anbieter verwendet werden, müssten zwingend entsprechende Vergütungen durchgesetzt werden.

(S E R V I C E - Clemens Pig: "Welt ohne Wahrheit. Demokratie verteidigen in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung", Brandstätter Verlag, 216 Seiten, 25 Euro )

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