Caritas setzt Fokus auf armutsbetroffene Alleinerziehende
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von AgenturenCaritasdirektor Schwertner kritisiert Sparen bei Sozialleistungen
Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH
Den anstehenden Muttertag nimmt die Caritas zum Anlass, um auf die prekäre Situation armutsbetroffener alleinerziehender Mütter aufmerksam zu machen. Bei einem Pressetermin im Haus Immanuel, einem von drei Mutter-Kind-Häusern der Organisation in Wien, berichtete Leiterin Lydia Rössler u.a. von Schwierigkeiten aufgrund der Teuerung. Caritasdirektor Klaus Schwertner forderte, dass der Unterhaltsgarantiefonds der Regierung unbürokratisch gestaltet werden soll.
20 Frauen wohnen mit ihren Kindern aktuell im Haus Immanuel. Wird eine der Übergangswohnungen frei, gibt es in der Regel innerhalb eines Tages eine neue Zuweisung, sagte Rössler. Alleinerziehende, die hier wohnen, kommen meist aus einer Stresssituation, erzählte sie von Trennungen, Gewalterfahrungen, Delogierungen und Frauen, die bereits in einem Frauenhaus untergebracht waren. Die Caritas bittet um Spenden.
Gesicht der Armut "viel zu oft das einer Frau"
Schwierig sei der Auszug aus dem Mutter-Kind-Haus, müssen die Frauen dann doch oft mit wenig Geld zurechtkommen, so Rössler. Über Schwierigkeiten mit gestiegenen Kosten beim Lebensmitteleinkauf, Wohnen und dem Öffi-Ticket berichtete beim Pressetermin auch eine ehemalige Bewohnerin. Frauen unter subsidiärem Schutz bekommen weniger Mindestsicherung, sagte Rössler, hinzu kommen außerdem Probleme mit der Vereinbarkeit von Job und Kindern.
Viele Menschen würden nicht einmal wissen, dass es in Österreich wohnungslose Mütter und Kinder gibt, stellte Schwertner fest. Das Gesicht der Armut sei aber "viel zu oft das Gesicht einer Frau." 600.000 Frauen seien in Österreich aktuell armutsgefährdet, 121.000 erheblich armutsbetroffen. Stark angestiegen sei die Armutsgefährdung von Ein-Eltern-Haushalten von 14 Prozent im Jahr 2014 auf aktuell 41 Prozent. 85 Prozent der Alleinerziehenden seien Frauen.
Er verstehe, dass die öffentliche Hand sparen müsse, sagte Schwertner. Das dürfe aber nicht auf dem Rücken Armutsgefährdeter oder Alleinerziehender geschehen. Sozialleistungen würden bei Alleinerziehenden rund 26 Prozent des Einkommens ausmachen. "Kürzungen gerade im Sozial- oder Familienbereich bedeuten für die Betroffenen existenzielle Sorgen." Familien- und Sozialleistungen will die Regierung erneut nicht valorisieren.
Unbürokratischer Unterhaltsgarantiefonds gefordert
Ein positives Signal ist für den Caritasdirektor hingegen der von der Regierung angekündigte Unterhaltsgarantiefonds, der sich an Alleinerziehende richtet, die u.a. wegen Leistungsunfähigkeit oder Nichtgreifbarkeit des Unterhaltsschuldners keinen Unterhalt bekommen. Das Gesetz befindet sich gerade in Begutachtung. Die Auszahlung müsse unbürokratisch funktionieren, appellierte Schwertner, schließlich brauchen Frauen das Geld oft kurzfristig. Er sprach sich außerdem für ein automatisches Pensionssplitting, flächendeckende, leistbare Kinderbetreuung und eine armutsfeste Sozialhilfe aus.
Prominent unterstützt wird die Caritas bei ihrem Anliegen von der Kabarettistin Caroline Athanasiadis. Sie begründete ihr Engagement mit ihrem Sinn für Gerechtigkeit. Es sei nicht verständlich, dass Alleinerziehende trotz teils mehrerer Jobs schlecht über die Runden kommen und Frauen durch ihre Betreuungspflichten vermehrt von Altersarmut betroffen sind.
(S E R V I C E - Die Caritas bittet um Spenden: Empfängerin: Caritas, Erste Bank, IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, BIC: GIBAATWWXXX, Kennwort: Mutter-Kind-Häuser, oder unter fuereinand.at/muttertagssammlung bzw. wirhelfen.shop)






