Enge im Supermarktgang durch Wareninseln kann abschrecken

Veröffentlicht:

von Agenturen

Gerade bei Einkaufswagenschiebenden waren die Effekte groß

Bild: APA/APA/THEMENBILD/GEORG HOCHMUTH


- Anzeige -
- Anzeige -

Was eigentlich zum Ankurbeln des Verkaufs in einem Geschäft dienen soll, kann auch eine gegenteilige Wirkung entfalten: Sogenannte "Wareninseln" oder "Zweitplatzierungen" - also etwa Körbe mit bestimmten Produkten in Supermarktgängen - erwiesen sich in Untersuchungen eines Tiroler Forschers als unter Umständen nachteilig für den Absatz. Als Grund dafür identifiziert der Experte im Fachmagazin "Plos One" die Enge, die die Zusatzkörbe mit sich bringen können.

Mathias Streicher vom Institut für Management und Marketing der Universität Innsbruck hat sich dem Thema im Rahmen von mehreren Untersuchungen angenommen. Eine davon war ein Feldversuch, der über viele Wochen hinweg in einem realen Supermarkt lief. Zuerst wurde über einige Wochen dokumentiert, wie sich in einem bestimmten Gang positionierte Produkte über die Zeit hinweg verkauften. In diesem Gang waren zu Beginn fünf solche Wareninseln aufgestellt.

Mehr Platz, weniger Produkte und doch mehr Absatz

Diese wurden in der Folge entfernt und erneut dokumentiert, wie sich Haushaltsartikel oder Babyprodukte aus demselben Gang in der Zeit danach verkauften. Tatsächlich gingen die Umsätze um rund 11,5 Prozent in der zweiten Zeitperiode hinauf - und das, obwohl dort insgesamt weniger Produkte feilgeboten wurden.

Die weiteren Beobachtungen zeigten auch, dass vor allem Einkäuferinnen und Einkäufer, die mit Einkaufswägen unterwegs waren, in der Zusatzstehkorb-freien Zeit im Schnitt deutlich mehr Produkte berührten. Nehmen Menschen Produkte in die Hand, gilt das laut Studien als recht verlässliches Anzeichen für eine erhöhte Kaufwahrscheinlichkeit. "Mit Einkaufswagen reagieren Kundinnen und Kunden sensibler auf Enge, dies verstärkt die negativen Effekte von Wareninseln im Gang zusätzlich", wird Streicher in einer Aussendung der Uni Innsbruck zitiert. Insgesamt nahm "sowohl die Stopprate als auch die Produktinteraktionen" deutlich zu, so der Forscher. Alles in allem "vervielfältigte sich die Anzahl der Produktkontakte" in den Messungen.

Experte: "Weniger ist mehr"

Der Experte folgert aus der Studie, dass die seit Jahrzehnten in den Geschäften eingesetzten Wareninseln den Absatz trotzdem beflügeln können - allerdings nur, wenn sie zielgerichtet eingesetzt werden. Problematisch werde es hingegen, wenn sich durch ihren Einsatz Enge in den Verkaufshallen einstellt. Das zeigte man in einer weiteren Untersuchung im Rahmen eines Laborexperiments, wo Hinweise darauf gefunden wurden, dass die wahrgenommene Beengtheit auch das Gefühl der wahrgenommenen Kontrolle reduziert, was wiederum das Kaufverhalten beeinflusst. "Wir konnten mit der aktuellen Studie zeigen, dass weniger manchmal mehr ist", so Streicher.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.1371/journal.pone.0346492 )

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken