EU-Studie bestärkt SPÖ und Attac für Vermögensbesteuerung
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von AgenturenSPÖ-Klubvize Herr will eine Millionärssteuer
Bild: APA/APA/TOBIAS STEINMAURER/TOBIAS STEINMAURER
Eine aktuelle Vermögenssteuer-Studie im Auftrag der EU-Kommission ist Wasser auf die Mühlen von SPÖ, Gewerkschaft und der globalisierungskritischen NGO Attac. Darin angesprochen wird das Potenzial vermögensbezogener Steuern angesichts steigender Ungleichheit in der Union. Attac Österreich sah sich damit in ihrer Forderung nach einer progressiven Vermögensteuer bestätigt. SPÖ-Vizeklubchefin Julia Herr ortete Rückwind für die Forderung nach einer Millionärssteuer.
Das Papier (https://go.apa.at/VlQjPJCO), an dem aus Österreich das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo beteiligt war, kommt zu dem Schluss, dass vermögensbezogene Steuern eine größere Rolle bei der Bekämpfung der hohen und weiter wachsenden Vermögensungleichheit in der EU spielen können, insbesondere am oberen Ende der Vermögensverteilung. "Angesichts des Umfangs und der Konzentration von Privatvermögen und Erbschaften sowie der starken Abhängigkeit von Steuern auf Arbeitseinkommen bestehen gute Gründe, den Beitrag vermögensbezogener Steuern zur Finanzierung europäischer Sozialstaaten zu prüfen und ggf. zu erhöhen", wird darin erklärt.
Produktivere Vermögensnutzung
Zielkonflikte zwischen Gerechtigkeit und Effizienz würden in der öffentlichen Debatte oft stark thematisiert, doch fehlten Nachweise im entsprechenden Ausmaß: "Zwar können solche Steuern prinzipiell Sparanreize, Investitionsbereitschaft oder unternehmerische Initiative dämpfen, doch empirische Belege deuten auf begrenzte Auswirkungen hin. Gut konzipierte Steuern, insbesondere Erbschaftssteuern, können sogar eine produktivere Vermögensnutzung fördern und das Arbeitskräfteangebot erhöhen."
"Die Ergebnisse zeigen: Ein einheitliches Vermögensbesteuerungsmodell für alle EU-Staaten existiert nicht, doch es gibt Spielraum, vermögensbezogene Instrumente besser zu nutzen für mehr Gerechtigkeit und Effizienz in der EU", so das Fazit der Autorinnen und Autoren.
Beitrag der Reichsten
Bei Attac sah man sich durch die Studie bestärkt. "Ein Budget ohne Beitrag der Reichsten ist in Zeiten von Kürzungen und steigender Vermögenskonzentration sozial ungerecht und wirtschaftlich ineffizient", erklärt David Walch von Attac Österreich in einer Aussendung. Herr von der SPÖ verwies darauf, dass laut Studie eine Mindeststeuer von 2 Prozent auf das Nettovermögen von Menschen mit einem Vermögen von mehr als 100 Mio. Euro jährlich rund 1,9 Milliarden Euro einbringen könnte, bei einem Satz von 3 Prozent dann 3,4 Milliarden Euro. Angeführt werde auch, dass rund 70 Prozent aller Menschen in Österreich eine Millionärssteuer befürworteten. "Es gibt eine breite Mehrheit für einen Beitrag der breiten Schultern", so Herr.
"Schon beim letzten Doppelbudget haben wir uns für einen gerechten Beitrag der breiten Schultern für die Budgetsanierung eingesetzt - Stichwort Bankenabgabe, Stiftungssteuern und Energiekonzern-Beiträge", meinte die SPÖ-Mandatarin weiter: "Und auch beim Budget für die nächsten Jahre werden die besonders Vermögenden und jene, die in den letzten Jahren profitiert haben, wieder einen starken Beitrag leisten müssen."
ÖGB kritisiert Schlusslichtposition
Ähnliche Schlüsse zog ÖGB-Ökonom Mattias Muckenhuber in einer Aussendung: "Steuern auf Vermögen machen in Österreich nicht einmal ein Prozent der gesamten Einnahmen aus - damit befinden wir uns im internationalen Vergleich unter den Schlusslichtern. Gleichzeitig ist Vermögen fast nirgendwo so ungleich verteilt wie bei uns: Die reichsten fünf Prozent besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens. 84 Prozent unserer Milliardäre sind vorrangig durch Erbschaft zu ihrem Vermögen gekommen." Angesichts dieser eklatanten Schieflage im österreichischen Steuersystem fordere der ÖGB einen gerechten Steuerbeitrag von hohen Vermögen und Erbschaften.
Die Industriellenvereinigung (IV) warnte hingegen vor negativen Effekten auf Investitionen und Standortattraktivität. Auch wenn die Analyse auf steigende Vermögensungleichheit hinweise, greife die Schlussfolgerung, höhere Vermögenssteuern seien ein geeignetes Instrument zur Gegensteuerung, viel zu kurz, gerade in Hinblick auf Österreich. "Entscheidend ist ein wirtschaftspolitischer Gesamtansatz, der Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit stärkt, keinesfalls eine Einzelmaßnahme", betonte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.
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