Fatima Hellberg: "Im mumok beginnt heute etwas Neues"
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von AgenturenFatima Hellberg öffnet das mumok innen und außen
Bild: APA/APA/MAX SLOVENCIK/MAX SLOVENCIK
Das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok) ist geschlossen und Generaldirektorin Fatima Hellberg spricht über eine radikale Öffnung des Hauses. Wie passt das zusammen? Für die neue Chefin sehr gut. Am Tag nach der Schließung der letzten von ihrer Vorgängerin Karola Kraus programmierten Ausstellungen skizzierte sie am Montag im Gespräch mit Journalisten den von ihr eingeschlagenen Kurs, der drei Kernpunkte umfasst: "Wir öffnen den Prozess, den Zugang und das Haus."
"Im mumok beginnt heute etwas Neues!", betonte Hellberg. Nicht nur der Ausstellungsbesuch soll für die aus Bonn nach Wien gewechselte Schwedin "ein Prozess" sein, das Publikum soll auch das, was man in einer Ausstellung zu sehen bekommt, als Teil bzw. Endpunkt eines Prozesses wahrnehmen. Ab Freitag (22. Mai) lädt daher die georgische Künstlerin Tolia Astakhishvili zum "Tolia Curriculum", bei dem man bis 18. Juni bei Workshops, Vorträgen, Filmvorführungen, Lesungen und partizipativen Formaten für Erwachsene, Familien und Kinder bei den theoretischen und praktischen Vorarbeiten zu ihrer am 20. Juni eröffnenden und sich über zwei Ebenen erstreckenden Ausstellung "Figure of the Child" dabei sein und mitwirken kann. Für Hellberg ist das ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte des Hauses - und die Architekturgeschichte des Hauses steht auch im Mittelpunkt des Auftakts.
Fensteröffnung auch ein "symbolischer Akt"
Architekt Laurids Ortner spricht am Freitag, vier Tage vor seinem 85. Geburtstag, unter dem Titel "Herzkammer" über "die Strukturen, die sichtbar werden, wenn sich ein Haus verwandelt". Zurückverwandelt hat sich das Gebäude bereits, denn Hellberg hat vergangene Woche die lange zugemauerten Fenster in den Ausstellungsräumen des mumok wieder öffnen lassen. "Für uns ist das auch ein symbolischer Akt", sagte Hellberg. Künftig werde, so notwendig, eben mit dunklen Folien gearbeitet, und Fotografie nicht in Fensternähe gehängt, sah sie die Konsequenzen für künftige Ausstellungsdisplays gelassen.
Die 1974 geborene und in Tiflis und Berlin lebende Künstlerin selbst leitet Tai-Chi- und Qi Gong-Stunden im Museum und lädt etwa am Samstag in einem Open Studio dazu ein, Zeichnungen weiterzuführen, die sie begonnen hat. Weil Kinder für Astakhishvili ein besonderes Symbol für Neugierde, Kreativität und Verletzlichkeit sind, gilt ihnen ihre besondere Aufmerksamkeit. Daher eröffnen am Sonntag Harun Farockis Einschlafgeschichten ein poetisches Format für Familien und Kinder, in dessen weiterer Folge auch mit Gipsformen experimentiert werden kann. Dass diese Angebote "nicht für tausende Menschen, sondern für intime Gruppen" konzipiert sind, nimmt Hellberg bewusst in Kauf: "Die Besucherzahl ist nicht der einzige Indikator für Erfolg."
Prolog bei freiem Eintritt
Die meisten dieser Angebote sind gratis oder kostengünstig - und frei ist der Eintritt auch beim "Prolog" der ebenfalls am 20. Juni eröffnenden ersten Großausstellung "Terminal Piece". Die von Fatima Hellberg und ihrem neuen Chefkurator Lukas Flygare kuratierte Ausstellung soll eine fünfaktige "Gesamterfahrung über fünf Etagen" sein, für die die deutsche Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock auf der Eingangsebene auf 700 Quadratmetern 188 mit den Kuratorinnen und Kuratoren des Hauses ausgesuchte Werke der insgesamt 12.500 Objekte umfassenden Sammlung in Szene setzt. Die Hängung ist der Präsentation in den privaten Wohnräumen der Sammler Peter und Irene Ludwig und Wolfgang Hahn nachempfunden, die Szenografie lässt aber auch an Kirchen- und Kellerräume denken. Gezeigt werden Arbeiten u.a. von Joseph Beuys, Bruno Gironcoli, Hans Haacke, Friederike Mayröcker, Rudolf Schwarzkogler, Rosemarie Trockel und Franz West.
Mithilfe von mumok Board und privaten Förderern ist es gelungen, vorerst zumindest bis 30. September den Besuch der Eingangsebene dieser bis 7. Februar 2027 laufenden Ausstellung bei freiem Eintritt zu ermöglichen - für Hellberg ein Projekt mit Signalcharakter in Zeiten des Spardrucks. "Meine Hoffnung ist, dass wir mit dieser Pilotphase zeigen können, was möglich ist", sagte die mumok-Generaldirektorin, die ihr Amt im Oktober 2025 angetreten hat und wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den anderen Bundesmuseen noch nicht über die Höhe der in den kommenden Jahren zur Verfügung stehenden Bundesmittel Bescheid weiß. "Es ist ein Moment von großer Unsicherheit bei allen", sagte sie und hofft auf einen beginnenden Diskussionsprozess, dass wirtschaftliche Krisen nicht zu höheren Zugangsbarrieren führen dürfen.
"Mehr Miteinander statt Nebeneinander"
Auch nach innen strebt Hellberg eine größere Öffnung an. Sie will bei den Strukturen des Hauses Bürokratismen abbauen, Hierarchien verflachen und Mitverantwortung stärken. "Mehr Miteinander statt Nebeneinander", laute die Devise. Dabei werde teilweise auch auf externe Unterstützung zurückgegriffen werden, sagte sie - und vermied einen Begriff, der zuletzt im KHM immer wieder in Diskussion geriet: "Change Prozess". Hellberg: "Ein Museum, das Neugier, Offenheit und Begegnung verkörpert, muss genau das auch in seiner eigenen Arbeitsweise leben. Darauf will ich in den kommenden Monaten verstärkt Aufmerksamkeit lenken."
Aufmerksam weiterverfolgen wird Fatima Hellberg die weitere Karriere von Florentina Holzinger. Die mumok-Generaldirektorin war in der Auswahljury für den diesjährigen österreichischen Biennale-Beitrag und sieht sich durch die starken Reaktionen der ersten Tage bestätigt. Die verstärkte Hinwendung der Choreografin und Regisseurin zu Performancekunst und Installation sei nun ein Drehpunkt in Holzingers Karriere. "Ich bin gespannt, wie es weitergeht." Sollte Holzinger, die seit neuestem von der Galerie Thaddaeus Ropac vertreten wird, dereinst auch eine Museumsausstellung ins Auge fassen, Hellberg würde wohl nicht Nein sagen.
(S E R V I C E - https://www.mumok.at/ www.mumok.at/curriculum )
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