Feuer bei Söndergaard "brennt noch" - WM-Teilnahme soll her
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von AgenturenSöndergaard soll die ÖFB-Frauen zur WM führen
Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH
Lars Söndergaard soll Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam zur erstmaligen WM-Teilnahme führen. Eine erfolgreiche Qualifikation für die Endrunde 2027 in Brasilien sei das "klar übergeordnete Ziel", betonte ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll am Montag bei der Präsentation des 67-jährigen Dänen als Nachfolger von Alexander Schriebl. Sein Vertrag läuft nur bis Ende des Jahres und verlängert sich im Falle eines erreichten WM-Tickets automatisch bis zum Turnierende.
Söndergaard war zwischen Jänner 2018 und August 2023 Teamchef von Dänemarks Frauenteam und danach als Mentor beim europäischen Fußball-Verband (UEFA) tätig. An eine Rückkehr auf die Trainerbank habe er eigentlich nicht mehr geglaubt. Bis ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel auf ihn zukam. "Die Aufgabe ist sehr reizvoll. Ich war in meiner richtigen Heimat Teamchef. Das jetzt auch in meiner zweiten Heimat sein zu können, ist einfach fantastisch", sagte Söndergaard.
Ferienwohnung in Altenmarkt
Er besitzt in Altenmarkt im Pongau eine Ferienwohnung, verbrachte daher auch abgesehen von seinen Trainer-Engagements im Männerbereich bei Austria Salzburg, Austria Wien, dem GAK und Wacker Innsbruck in der Vergangenheit vor allem auch zum Skifahren und für Skitouren immer wieder Zeit in Österreich. Sein Hauptwohnsitz bleibt nun allerdings in Aalborg in Dänemark. "Viele spielen in Deutschland, ich kann die Hälfte von Wien weg und die andere Hälfte von Dänemark aus machen", erläuterte der ÖFB-Teamchef.
Dieser wurde von Schöttel nach der 0:1-Niederlage in Slowenien in der WM-Quali erstmals kontaktiert, "um sich eine Sicht von außen" zu holen. Daraus wurde schließlich mehr. "Wir sind rasch draufgekommen, dass es passen könnte", sagte Schöttel. Der ließ sich auch vom historischen 0:0 gegen Deutschland in Ried infolge eines 1:5 in Nürnberg nicht blenden und zog die Reißleine. "Die Amtszeit ist nicht so positiv verlaufen. Ich habe am Schluss nicht mehr den Glauben gehabt, dass wir in der Konstellation unser Ziel noch erreichen", gab Schöttel Einblick.
Ergebnisse nicht Hauptgrund für Trennung
Die wenig zufriedenstellenden Ergebnisse - in 14 Partien gab es neun Niederlagen, zwei Remis und drei Siege - seien aber nicht der Hauptgrund für die Trennung gewesen. "Wir haben Themen gehabt, die wir nicht weggebracht haben, da rede ich nicht von Ergebnissen", betonte Schöttel. Es gebe Konstellationen, da könne man Dinge analysieren, bewerten, und es funktioniere trotzdem nicht. Schon unter Schriebl-Vorgängerin Irene Fuhrmann habe man "Themen gehabt, was Zusammenhalt, Atmosphäre betrifft".
Nun versucht sich ein dritter Coach innerhalb von weniger als zwei Jahren. "Es kann sein, dass es vielleicht nicht am Trainer liegt. Es gibt immer wieder enttäuschte Spielerinnen, aber sie müssen das wegstecken und stolz sein, für das Team zu spielen. Wenn das nicht der Fall ist, ist es besser, sich zu trennen. Es ist kein Platz für egoistische Spielerinnen", stellte Söndergaard schon einmal klar. Auf das Teamgefüge zu schauen, sei das Thema Nummer eins. "Am wichtigsten ist, dass wir ein Team sind, zusammenarbeiten und Respekt gegenüber einander und den Gegnern haben", erläuterte der Däne.
Söndergaard kündigte Änderungen an
Änderungen im Vergleich zur 16-monatigen Amtszeit unter Schriebl werde es "sicher" geben. "Wir haben unterschiedliche Philosophien", gab Söndergaard preis. Auf eine bestimmte Spielanlage wollte er sich aber nicht festlegen. "Man muss zuerst schauen, wie man das Beste aus den Spielerinnen herausbringt." Mit Videostudium und "sehr positiven" Gesprächen mit Spielerinnen war er zuletzt schon tätig. Aus seiner Sicht stehe kadertechnisch eine "sehr gute Breite" zur Verfügung. "Von der Menge sehr gut. Was uns vielleicht fehlt, sind die Spielerinnen auf Topniveau", urteilte Söndergaard. Er sehe eine gute Chance, um eine gute Mannschaft zu bauen.
Die solle in Zukunft mit weniger Unsicherheit ausgestattet sein. "Das ist kein gutes Gefühl. Man muss versuchen, den Spielerinnen Mut zu geben, damit sie noch mehr frei spielen als in letzter Zeit." Die WM-Teilnahme sieht er als "gut möglich" an. "Die WM ist klar das Ziel, sonst hätte ich das Amt nicht angetreten", sagte Söndergaard. Eine WM sei ein Erlebnis, das wisse er aus seiner Zeit beim dänischen Team. Da er schon viel erreicht hat, geht er gelassen an die Sache heran. "Für mich ist der Druck nicht so groß, für Österreich und für jeden Einzelnen wäre eine WM-Teilnahme aber eine super Sache."
Zugute könnte ihm kommen, dass in der entscheidenden Play-off-Phase im Herbst aktuell oder zuletzt verletzte Stützen wie Sarah Zadrazil, Lilli Purtscheller, Marie-Therese Höbinger oder Katharina Naschenweng entscheidende Rollen spielen könnten. Die vielen Ausfälle spielten Schriebl alles andere als in die Karten, was auch ein "sehr motivierter" Söndergaard, der zuletzt Opa eines Burschen wurde, anmerkte.
Pröll: "Signal in Richtung Mannschaft"
Neben Schöttel setzt auch Pröll große Hoffnungen in den neuen Teamchef. "Man merkt in Gesprächen mit ihm, dass bei ihm das Feuer noch brennt. Er bringt viel Erfahrung mit und hat mit dem dänischen Team große Erfolge gefeiert. Wir sind sicher, dass dieses international erfahrene Signal Richtung Mannschaft wirken wird." Wie das restliche Trainerteam ausschauen wird, steht noch nicht fest. Das soll in intensiven Gesprächen bis Donnerstag am ÖFB Campus geklärt werden.
"Wir werden da schauen, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen", sagte Schöttel, der mit keinem anderen Trainerkandidaten gesprochen hatte. Viel Zeit bleibt nicht. Bereits am 5. Juni gilt es, sich am Sport-Club-Platz an Slowenien zu revanchieren. Vier Tage später wird die Quali-Gruppenphase in Norwegen beendet.
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