Gratis-Impfungen für Erwachsene sind vielen nicht bekannt

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von Agenturen

Verband der Impfstoffhersteller fordert mehrere Maßnahmen

Bild: APA/APA/THEMENBILD/BARBARA GINDL


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Vielen Österreicherinnen und Österreichern ist nicht bekannt, welche Impfungen für Erwachsene kostenlos erhältlich sind. 70 Prozent wussten dies in einer Umfrage im Auftrag des Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH) immerhin für die Covid-19-Impfung, 56 Prozent für Influenza und 38 Prozent für Masern. Die neu gewählte ÖVIH-Präsidentin Sigrid Haslinger forderte daher am Mittwoch in einer Online-Pressekonferenz vermehrte Informationskampagnen und einfacheren Impf-Zugang.

Die im Vorjahr für Über-60-Jährige eingeführten Gratis-Impfungen gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) mit 37 Prozent und Pneumokokken (bakterielle Lungenentzündung) mit 33 Prozent sind über alle Altersgruppen hinweg noch wenig bekannt. Bei den Senioren, die dafür infrage kommen, ist das Wissen über die kostenlose Verfügbarkeit jedoch höher, freute sich ÖVIH-Vizepräsident Olivier Jankowitsch. Trotz Corona-Pandemie wissen aber drei von zehn aller Befragten nicht über das seit Beginn der Einführung der Covid-19-Impfung immer noch gratis angebotene Vakzin Bescheid, merkte er an.

Positive Einstellung zu Impfungen

Die Umfrage wurde vom Institut Integral im Februar und März unter 2.000 Personen repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren online durchgeführt. 79 Prozent haben demnach eine positive oder sehr positive Einstellung gegenüber Impfungen. "In der Realität sehen wir aber sehr niedrige Durchimpfungsraten", sagte Haslinger. Bevorzugte Informationsquelle zu Impfungen sind für 76 Prozent Ärztinnen und Ärzte. Mit deutlichem Abstand folgen mit je 27 Prozent offizielle Gesundheitsportale wie gesundheit.gv.at sowie Familie und Freunde.

Geimpft werden möchten die Österreicher am liebsten beim Hausarzt (79 Prozent), gefolgt vom Facharzt und für Kinder in der Schule. 24 Prozent würden sich aber auch in Apotheken impfen lassen, "obwohl diese Möglichkeit in Österreich noch nicht gegeben ist", erläuterte Jankowitsch. Haslinger empfahl eine Erweiterung des niederschwelligen Zugangs zu Impfungen, zum Beispiel im niedergelassenen Bereich, in Betrieben und Schulen, eben in Apotheken sowie in Spitälern etwa mit einem Impfpass-Check bei der Aufnahme im Krankenhaus.

Erfolg und Impfdilemma

Auch der Ausbau des kostenlosen Erwachsenen-Impfprogramms um weitere Indikationen wie RSV und Keuchhusten (Pertussis) wurde vom ÖVIH gefordert. Zudem brauche es eine Ausweitung des E-Impfpasses inklusive der Definition von Impfzielen sowie verbesserter Datenerhebung und -analyse.

"Impfungen sind eine globale Erfolgsgeschichte", die weltweit jährlich dreieinhalb bis fünf Millionen Leben rettet, betonte ÖVIH-Generalsekretärin Renée Gallo-Daniel. "Mit Ausnahme von sauberem Trinkwasser hat keine Gesundheitsmaßnahme derart positive Auswirkung auf Bevölkerungswachstum und den Rückgang von Mortalität gehabt wie Impfungen." Der Erfolg von Impfprogrammen könne aber auch zu einem sogenannten Impfdilemma führen. Wenn eine Krankheit durch die Immunisierung zurückgedrängt und nicht mehr stark im Blick ist, kann die Impfrate sinken und die Erkrankung wieder vermehrt ausbrechen. Dem gilt es entgegenzusteuern.

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