Gutachten: Naturwälder in Österreich nicht genug geschützt
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von AgenturenDie Wälder brauchen mehr Schutz
Bild: APA/APA/THEMENBILD/HARALD SCHNEIDER
Die Ur- und Naturwälder werden hierzulande unzureichend erfasst und geschützt, erklärte die Juristin Cornelia Ziehm Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz der Umweltschutzorganisation Global 2000. In solchen Hainen verbietet laut ihrem Gutachten EU-Recht alle forstwirtschaftlichen Eingriffe. Hierzulande wird aber sogar in ausgewiesenen Schutzgebieten wie dem Kamp- und Kremstal, der Wachau und dem Yspertal im Strudengau-Nibelungengau (NÖ und OÖ) abgeholzt, berichtete sie.
Urwälder (in EU-Dokumenten "Primärwälder" genannt) sind Gebiete, wo sich Bäume und andere Pflanzen seit jeher ohne wesentliche menschliche Eingriffe entwickelten. Bei Naturwäldern (Altwäldern) gilt dasselbe für wenigstens ein paar Jahrzehnte. Beide beherbergen eine große Artenvielfalt und speichern erhebliche Mengen des Treibhausgases CO2, so die Umweltschützer. Die Europäische Union stellt solche Wälder mit der Wiederherstellungsverordnung, Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzrichtlinie dreigleisig unter strikten Schutz, heißt es in dem Gutachten. Diesen sicherzustellen wäre "rechtlich verpflichtend für die Mitgliedstaaten".
Schutz auch außerhalb von Schutzgebieten verpflichtend
Außerdem gibt es eine gewisse "EU-Waldstrategie für 2030", die ebenfalls strengen Schutz für Primär- und Altwälder vorschreibt. Dort stehe auch explizit, dass die natürlichen Prozesse dort ungestört bleiben müssen, also nicht durch forstwirtschaftliche Eingriffe beeinflusst werden dürfen. "Das gilt unabhängig davon, ob sie derzeit in einem Schutzgebiet sind oder noch nicht", so Dominik Linhard von Global 2000.
Sowohl beim Kartieren als auch beim Schützen wären die Regierungen im Bund sowie den Ländern säumig und riskieren deshalb hohe Strafzahlungen an die EU auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, so die Umweltschützer in einer Aussendung. Sie haben nun ihrerseits den Experten Matthias Schickhofer beauftragt, eine Karte mit "Naturwald-Verdachtsflächen" zu erstellen. Diese wird derzeit von der Technischen Universität Wien überprüft und soll im Sommer veröffentlicht werden. "Wir wissen aber schon jetzt genau, wo die Naturwälder zu finden sind", sagte Schickhofer: "Die meisten befinden sich in steilen Gebirgslagen und nur ein kleiner Teil steht rechtlich unter striktem Schutz". Insgesamt wären circa fünf Prozent der heimischen Wälder als Naturwälder einzustufen.
(S E R V I C E: Link zum Rechtsgutachten - https://go.apa.at/7MFgVTzl)
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