Land Salzburg will Wölfe präventiv abschießen
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von AgenturenAuch ohne Nutztierrisse: Wölfe sollen vorbeugend getötet werden können
Bild: APA/APA/THEMENBILD/HANS KLAUS TECHT
Das Land Salzburg geht als erstes Bundesland mit präventiven Abschüssen gegen Wölfe vor. Um die Alm- und Weidewirtschaft zu schützen, soll eine bestimmte Zahl von Wölfen schon getötet werden können, bevor sie Nutztiere reißen. Die zuständige Landeshauptfraustellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ) zeigte sich am Freitag überzeugt, dass das geplante Abschusskontingent artenschutzkonform ist. Naturschützer sehen das völlig anders und sprechen von einem "Dammbruch".
"Der Almsommer steht vor der Türe. Es kann davon ausgegangen werden, dass wir es auch heuer wieder mit einzelnen Wölfen zu tun haben werden, die in der Lage sind, immensen Schaden anzurichten. Darum greifen wir vorbeugend ein", betonte Svazek, die in der Landesregierung für Jagd, aber auch Natur- und Umweltschutz zuständig ist. Die neue Verordnung soll nächste Woche in Begutachtung gehen und mit Anfang Mai Rechtskraft erlangen. Der Entwurf sieht vor, dass während der Weideperiode zwischen 1. Mai und 15. November maximal zwei Wölfe pro Jahr getötet werden können.
Die Zahl orientiert sich an jenen acht bis zehn Wölfen, die jedes Jahr durch das Bundesland ziehen, und dem diesen Tieren zugeschriebenen Populationswachstum von 30 Prozent. Räumlich soll die neue Verordnung in Gebieten gelten, die in den vergangenen Jahren häufig von Wolfsrissen betroffen waren. Diese liegen nördlich der Salzach zwischen Krimml (Pinzgau) und Werfen (Pongau) und entsprechen einer Fläche von gut 1.220 Quadratkilometern.
Auswirkungen auf Wolfspopulation sollen überwacht werden
"Muss man immer so lange warten, bis etwas passiert?", fragte am Freitag der Wolfsbeauftragte des Landes Salzburg, Hannes Üblagger. "Bevor letztes Jahr der erste Riss stattgefunden hat, hatten wir über eine Wildkamera schon einen Wolfsnachweis. Drei Tage später wurden die ersten Schafe getötet." Die neue Maßnahme ist vorerst bis Ende 2027 befristet. Ein Monitoring soll prüfen, wie sie sich auf die Wolfspopulation im Bundesland auswirkt. "Prognosen sind aber schwierig. Wir hatten 2024 wesentlich höhere Risszahlen als 2025. Wir gehen aber davon aus, dass die neue Verordnung zu Verbesserungen führt."
Ist das Kontingent erschöpft, werden wie bisher Abschuss-Verordnungen für individuelle Tiere erlassen, die Schaden angerichtet haben. Parallel fördert das Land mit rund 350.000 Euro jährlich weiter Herdenschutzmaßnahmen für Landwirte und Almbauern. "Es ist in Salzburg aber nicht möglich, jede Alm mit Herdenschutz abzusichern und zu schützen", betonte Svazek. Darum sei sie froh, eine rechtskonforme Lösung gefunden zu haben. Die Landeshauptfraustellvertreterin, sie ist selbst leidenschaftliche Jägerin, ging am Freitag davon aus, dass andere Bundesländer mit ähnlichen Verordnungen nachziehen werden.
Klärung von Bund und EU gefordert, wie viel Wölfe Österreich verträgt
Zugleich forderte Svazek von Bund und EU eine Klärung, was man unter dem von der EU geforderten günstigen Haltungszustand für die Raubtiere verstehe. "Wie viele Wölfe verträgt ein Bundesland, wie viele die Republik, wie viele Europa? Die Wissenschaft sagt, dass wir in Europa und in den Grenzregionen zu Österreich schon eine Population haben, die eine Bejagung zulässt", erklärte Svazek. "Eine ganz normal festgelegte Schuss- und Schonzeit für Wölfe wird früher oder später kommen müssen."
Die EU-Kommission hat im Vorjahr den Schutzstatus von Wölfen von "streng geschützt" auf "geschützt" gesenkt, was jagdliche Eingriffe erleichtert. In Salzburg wurde auf Basis von Verordnungen in den vergangenen drei Sommern jeweils ein Wolf getötet. 2025 wurden im Bundesland 37 Nutztiere gerissen. Einen residenten Wolf oder gar ein Rudel gibt es in Salzburg derzeit nicht.
Heftige Kritik von Naturschützern
Die Naturschutzorganisation WWF kritisierte die geplanten anlasslosen Tötungen von Wölfen am Freitag als völlig überschießend und sprach von einem "absoluten Dammbruch". Die Maßnahme sei "eindeutig rechtswidrig", betonte WWF-Experte Christian Pichler. "Das Land Salzburg ignoriert unter anderem die europarechtlich verpflichtende Einzelfallprüfung. Das läuft de facto auf eine Tötung auf Verdacht hinaus und ist rechtlich wie fachlich nicht haltbar."
Generell gebe es in Österreich bei Wölfen keinen günstigen Erhaltungszustand, der laut Europäischem Gerichtshof (EuGH) Voraussetzung für weitere Maßnahmen wäre. "Der EuGH hat bereits mehrmals klar entschieden, dass Entnahmen bei nicht günstigem Erhaltungszustand nur in engen Ausnahmen erfolgen dürfen. Präventive Abschüsse sind damit nicht vereinbar", sagte Pichler. Zudem erfülle der Wolf eine wichtige Rolle im Ökosystem: "Als großer Beutegreifer hilft er, übermäßig hohe Wildbestände zu regulieren und die Artenvielfalt und die Waldverjüngung zu fördern."
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