Liebeskummer und Leichtigkeit: Josh. ist wieder "fröhlicher"

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von Agenturen

Josh. fällt das Lachen wieder leichter

Bild: APA/APA/Roland Schlager/ROLAND SCHLAGER


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Mit "Cordula Grün", "Expresso & Tschianti" oder "Vielleicht" hat sich Josh. in die obere heimische Popliga gesungen. 2023 thematisierte er auf dem Longplayer "Repariert" sein Burn-out und seine Depressionen. Mit dem Nachfolger "Wer singt dann Lieder für dich", das am Freitag erscheint, hat der Wiener die Unbeschwertheit ein Stück weit wiedergefunden. "Es ist fröhlicher geworden", sagt Josh. Kein Wunder, denn: Ihm geht es inzwischen "deutlich besser".

Bekannt geworden ist der Musiker, der eigentlich Johannes Sumpich heißt, vor allem für seine oft humorvollen Alltagsgeschichten, die er in pfiffige Dreiminüter verpackt. Ein paar Amadeus-Awards und Goldene Schallplatten, zig ausverkaufte Gigs inklusive Wiener Stadthalle und ein Headlinerkonzert am Donauinselfest 2025 vor 100.000 Menschen sind einige der Highlights dieser recht steilen Karriere, die 2018 mit dem Sommerhit "Cordula Grün" so richtig gezündet und auch in Deutschland schnell Fahrt aufgenommen hat.

Die Leere hinter der Bühne

Mit diesen Erfolgen im Rücken wundert man sich, wenn man den 39-Jährigen gleich im Titelstück "Wer singt dann Lieder für dich" - zugleich der Opener des inzwischen vierten Studioalbums - über das Aufhören singen hört. Ist das Koketterie oder hat er tatsächlich ernsthaft darüber nachgedacht? "Ja. Vor allem in der Zeit, wo's schwer war. Es hätte eh nicht funktioniert, aufzuhören, weil ich's so gern mache. Aber wenn's einem zu viel wird, denkt man sich, eigentlich zwingt einen ja niemand", meint Josh. im APA-Interview. Den Song, der von Leere und Einsamkeit hinter der Bühne erzählt, habe er direkt nach seinem ersten Stadthallen-Konzert geschrieben. "Denn plötzlich wird die Fallhöhe so hoch, die Sachen werden so hochstilisiert. Es gibt diese extreme Erwartungshaltung an mich - von anderen, aber auch von mir selbst."

Mit dem Gefühl sei er ja nicht allein in der Branche. "Ich habe den Song einem sehr, sehr erfolgreichen Kollegen vorab geschickt, der gemeint hat: 'Da sprichst Du uns allen aus der Seele'." Inzwischen weiß der Sänger, wie er damit umgehen muss: akzeptieren, dass es ihm nach einem Megagig zwei Tage lang "oasch" geht, entsprechende Pausen im Tourkalender einplanen, und nicht zu viel Alkohol trinken.

"Besser bluten als frieren"

Nach der schwierigen Zeit rund um "Repariert" geht es Josh. derzeit gut: "Ich habe schon länger keine Unten-Phase gehabt." Dank der positiveren Grundstimmung blitzt auch der Witz, das Augenzwinkern und die Lust, "ein bisschen in den Nonsense zu gehen", in einigen neuen Songs wieder durch. "Ich finde es schön, dass ich das wiedergefunden habe", freut er sich. Im nach 80er-Deutschpop klingenden Stück "Vertikal" porträtiert er einen älteren Typen Marke "Vorsitzender des örtlichen Solariumvereins", der sich im Club kurzerhand an die Frau ranschmeißt, die der Erzähler gerade für sich auserkoren hat. Selbstironie und Melancholie halten sich im Stück "Was hat uns bloß so müde gemacht?" die Waage, wenn der Fast-Vierziger den Zeiten von Unvernunft, spätnächtlichen Hotdogs und der Frage "Geh ma noch zu mir?" nachtrauert. Und in "Ich tanze meinen Namen" - tatsächlich so tanzbar wie der Titel suggeriert - macht sich der Wiener charmant über (seine eigenen) Erfahrungen in der Waldorfschule lustig.

Sehr oft geht es in den 13 neuen Liedern allerdings über zerbrochene Beziehungen oder das Nachtrauern einer Liebe. Wie autobiografisch darf das gelesen werden? "Es ist schon immer irgendwas von mir drin", meint Josh. "Gerade als Depressionspatient waren und sind solche Gefühle sehr stark." Die Arbeit an solchen Texten mache ihm - auch wenn das vielleicht komisch klinge - Freude: "Wenn man es schafft, die Wörter so zu setzen, dass Menschen was empfinden können, dann mag ich das. Natürlich tut es auch weh, so etwas zu schreiben. Aber ich sage: Besser bluten als frieren."

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Liebeskummer und Oasis

Eine dieser Kummernummern heißt "Tickets für Oasis". Mit selbigen in der Tasche, fleht der Sänger die verflossene Liebe an, doch wieder zu ihm zurückzukommen. Sind die seit kurzem wieder vereinten Britpopgiganten Heroes für den Popstar aus Österreich? "Ja klar. Ich war auf der Schulparty der Typ mit der Gitarre, der die 'Wonderwall'-Chords gespielt hat." Einmal den Einheizer für Oasis geben, wäre das ein Traum von Josh.? "Ja voll", seufzt er.

Soundmäßig bleibt sich der Hitparadenstammgast auch auf Album Nummer 4 treu. Eingängiger Pop, mal tanzbarer, mal balladiger - diesmal vielleicht mit ein bisschen mehr Synthieeinsprengseln für die dieser Tage fast schon obligatorische Eighties-Reminiszenz oder ein kurzer Ausritt in die Countrygefilde ("Sieben Mal im Kreis"). Anders als bisher hat Josh. viele Instrumente diesmal selbst aufgenommen. "Was ich nicht kann, ist Schlagzeug spielen. Das groovt einfach nicht." Aber: "Alles, was Saiten hat, ist zu 80 Prozent von mir eingespielt", auch alle Backgroundstimmen hat er allein eingesungen. Wer das nicht heraushört, dem muss nicht gleich die Schamesröte ins Gesicht steigen. "Bisher waren schon 95 Prozent der Gitarrenlinien von mir auskomponiert. Wenn man bei mir in der Band spielt, hat man wenig Freiheiten", lacht der Musiker.

Textlich hat Josh. "keine Panik" vor der Wiederholung, musikalisch "hat man natürlich eine Liebe für gewisse Melodien", weshalb er sich Inspiration von Co-Autorinnen und -Autoren holt. Und Lust, einmal ganz andere Sachen auszuprobieren, hat er allemal - auch wenn noch nichts spruchreif ist. Ausschließen will er nichts: "Es kann sein, dass ich mal ein Album mit einer Gypsy-Truppe aufnehme."

Wie geht es dem studierten Jazzer im Formatradio?

In naher Zukunft, konkret ab 13. April, bringt Josh. das neue Material einmal live unter die Leute. Die mehr als ein Dutzend Österreichauftritte bis Anfang Mai sind restlos ausverkauft, dann geht es weiter mit Shows in Deutschland und der Schweiz. Mit Austropop-Shootingstar Rian folgt im Sommer eine Reihe von gemeinsamen Open-Air-Konzerten.

Fühlt sich der studierte Jazzer eigentlich zuweilen unterschätzt, wenn sein Schaffen vorrangig im heimischen Formatradio und den Bundesländersendern läuft? "Zu Zeiten von 'Cordula Grün' schon. Ö3 ist natürlich ein Sender, der als Mainstreammedium gilt. Aber ich hab zu Mainstream eine andere Meinung als viele: Wenn jemand Erfolg hat, dann wird das schnell gleichgesetzt mit 'nicht gut' oder 'nimmer so gut, wie's früher war'. Man wird halt gleich verdächtigt, alles dafür zu tun, damit sich die Dinge verkaufen. Das tue ich nicht", versichert Josh. - und wähnt sich im Massenradio eigentlich eh in guter Gesellschaft mit den Beatles oder Sting: "Wo ich gespielt werde, da laufen auch meine Helden."

(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)

(S E R V I C E - https://joshsmusik.at/ )

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