Männer, Mythen, Medien: Albertina zeigt Richard Prince

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Kurator Walter Moser vor den "Girlfriends" von Richard Prince

Bild: APA/APA/Wolfgang Huber-Lang/Wolfgang Huber-Lang


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Keine kleine Fotoausstellung, sondern eine vielschichtige, umfassende Retrospektive zu "einer ikonischen Künstlerfigur vor allem der 80er und 90er", für die man "die größten Hallen, die wir zu Verfügung haben" (Generaldirektor Ralph Gleis), bespielt - das ist die Ausstellung zum Schaffen des US-Künstlers Richard Prince, die am Donnerstagabend in der Basteihalle der Albertina eröffnet wird. Kurator Walter Moser hat dafür in vierjähriger Arbeit rund 150 Werke zusammengetragen.

"Die Ausstellung ist ein Glücksfall für die Albertina", freute sich Gleis, der damit zum 250. Geburtstag des Museums vorführen kann, wie aktuell die Fragestellungen sind, die man hier behandelt. Der 76-jährige Künstler, der sich bei der Presseführung am Donnerstag krankheitshalber entschuldigen ließ, wird als Fotograf, Maler, Bildhauer und letztlich wohl auch als Konzeptkünstler gewürdigt, denn die Appropriation Art, zu deren exponiertesten Vertretern Prince zählt, setzt auf Aneignung, Weiterverarbeitung und neue Kontextualisierung und stellt den Begriff des Originals radikal in Frage.

"Reflexion über Mythen, Männlichkeit und Medien"

Die berühmten Cowboy-Fotos für die Marlboro-Werbung stammen nicht von Prince, sondern von einem Schweizer Fotografen. Prince hat sie "refotografiert" und bearbeitet - und erzielen auf dem Kunstmarkt Höchstpreise. Auch die "Girlfriends", die sich zumeist barbusig in aufreizenden Posen auf schweren Motorrädern räkeln, wurden ursprünglich nicht von Prince fotografiert, sondern von Amateurfotografen, die Fotos ihrer sich auf den Maschinen inszenierenden Freundinnen an Biker-Magazine geschickt hatten.

Die Ausstellung lade zur "kritischen Reflexion über Mythen, Männlichkeit und Medien" ein, hieß es. "Viele Bilder sind verstörend und subtil. Man muss zweimal hinschauen und fragt sich unweigerlich: Ist es Kritik oder Affirmation?", erklärte Moser, der darauf hinwies, dass sich Prince einerseits mit den visuellen Codes und den Mythen der US-amerikanischen Alltagskultur auseinandersetze, andererseits die alte Frage der Autorenschaft diskutiere - gelegentlich auch vor Gericht. Manche seiner Aneignungen wurden urheberrechtlich beeinsprucht. Wie sind diese Verfahren ausgegangen? "Mal so, mal so", meinte Moser.

Insta-Postings wurden zu Kunstwerken

Auch auf Instagram sorgte sein künstlerisches Verfahren für Diskussionen, und Moser zeigt im letzten Raum der Ausstellung auch eine Serie, in der Richard Prince Screenshots von fremden Insta-Postings vergrößert und Likes sowie eigene Kommentare hinzufügt. Manche Account-Besitzer reagierten auf derlei mit Empörung, andere zeigten sich geschmeichelt, dass ihre Posts in Kunst verwandelt wurden, hieß es. Prince ginge es weniger um rechtliche, als um ethische Fragen, erläuterte Moser.

"Prince' gesamtes Oeuvre ist in allen Teilen durch den fotografischen Blick geprägt", hob Ralph Gleis hervor, und auch Moser zeigte sich beeindruckt: Nach der Erfahrung vieler Ausstellungen könne er sagen, dass nur noch VALIE EXPORT sich so intensiv und grundlegend mit dem Medium der Fotografie beschäftigt habe. Das Spektrum reicht dabei von einem während einer 1968/69 unternommenen Europareise entstandenem Foto des Mozartdenkmals im Wiener Burggarten über zwei inszenierte Porträts von Cindy Sherman, mit der Prince zwei Jahre zusammen war, bis zu dem irritierenden Kontrast von Aufnahmen aus dem ländlichen Upstate New York und komplexen Collagen und Weiterverarbeitungen glitzernder Werbesujets. Moser: "Das Werk von Richard Prince kommuniziert immer." In der Albertina tut es das bis 16. August.

(S E R V I C E - "Richard Prince" in der Albertina, 17. April bis 16. August, tgl. 10-18 Uhr, Mi, Fr 10-21 Uhr, Katalog im Hirmer Verlag, 256 Seiten, 39,90 Euro, ISBN 978-3-7774-4733-9, www.albertina.at )

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