Mair mit 63 Prozent grüner Spitzenkandidat bei Tirol-Wahl

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Mair wurde von den Tiroler Grünen zum Spitzenkandidaten gewählt

Bild: APA/APA/EXPA/ JOHANN GRODER/EXPA/ JOHANN GRODER


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Die grüne Basis hat entschieden: Der Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2027 heißt Gebi Mair, der gleichzeitig auch als Landessprecher bestätigt wurde. 63 Prozent von 341 Mitgliedern, die an einer Online-Abstimmung teilgenommen hatten, votierten für den 42-jährigen Klubchef, 37 Prozent für Ex-Nationalrat Hermann Weratschnig. Das Ergebnis wurde bei der Landesversammlung in Schwaz verkündet. Für Mair war es das "beste Ergebnis, das ich je als Spitzenkandidat gehabt habe".

Bei der Wahl zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2022 hatte er im Duo mit der Landtagsabgeordneten Petra Wohlfahrtstätter 56 Prozent der Tiroler Grünen überzeugt. Für den langjährigen Klubobmann zeigte das nunmehrige Ergebnis, dass die Partei in den vergangenen Jahren zusammengeführt worden sei. Er bedankte sich auch bei seinem Kontrahenten Weratschnig, diese Einigung sei nur mit ihm und der Partei möglich gewesen. Auch er selbst sei "persönlich gereift", bekannte der Stubaier vor seinen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern in der Veranstaltungsstätte "SZentrum" in der Silberstadt Schwaz. Nach dem Minus bei der Landtagswahl im Jahr 2022 (9,20 Prozent) und dem Wechsel von der Regierungs- auf die Oppositionsbank hatte es nämlich parteiintern gehörig rumort.

Mair will "kaputtes politisches System" überwinden

Der Langzeitpolitiker, der seit 2008 im Tiroler Landtag sitzt und seit 2013 als Klubchef fungiert, richtete in seiner Rede nach erfolgter Wahl sogleich den Blick nach vorn in Richtung Landtagswahl, die planmäßig im Herbst 2027 stattfinden soll. Mair wollte nach ebendieser eine "neue politische Ära" einläuten und ein "kaputtes politisches System" überwinden. Als Spitzenkandidat wolle er für ein Land kämpfen, in dem "alle Menschen gut und gerne leben", sprach er etwa "Bildung für alle", den Ausbau der Kinderbetreuung sowie den "Wert der Natur" an.

Seinen politischen Mitbewerbern - allen voran den derzeit gemeinsam regierenden Parteien ÖVP und SPÖ - attestierte er indes auch Positives. Die ÖVP habe Tirol aufgebaut und "historische Verdienste" vorzuweisen, die SPÖ sorgte etwa für "soziale Absicherung". Der Regierung fehle jedoch "das grüne Herz", brachte er seine Partei wohl als möglichen Koalitionspartner nach der Wahl ins Spiel. Lediglich für die FPÖ hatte er kein gutes Wort übrig: Die Blauen wollten vielmehr "eine Welt schaffen", in der demokratische Wahlen und Institutionen "angezweifelt" werden. Mair warnte daher vor "schwarz-blauen Abgründen".

Wahlbeteiligung bei Online-Abstimmung bei 73 Prozent

Die Wahlbeteiligung bei der Online-Abstimmung mit rund 460 wahlberechtigten Mitgliedern lag bei 73 Prozent. Von Montag bis heute, Samstag, um 11.00 Uhr hatte es die Möglichkeit zur Abstimmung gegeben. Rund 90 Parteimitglieder fanden bei traumhaftem Wetter persönlich ihren Weg in die Silberstadt. Am Vormittag hatten die Kandidaten in einer kurzen Rede die Möglichkeit gehabt, sich zu präsentieren. Öffentliche Stellungnahmen waren im Vorfeld nämlich ausgeblieben, nur bei internen Veranstaltungen konnten sich die grünen Mitglieder ein Bild von Mair und Weratschnig machen. Klubobmann Mair appellierte unabhängig vom Wahlergebnis an den Zusammenhalt der "grünen Familie". Als Weratschnig seine Kandidatur verkündet hatte, habe er "ein bisschen damit gehadert" und sich gefragt: "Muss das jetzt echt sein." Doch Demokratie soll man "leben und spüren" und Mair bedankte sich bei Weratschnig, dass er "diese Wahl ermöglicht" hat.

Weratschnig wiederum versuchte, die grünen Mitglieder mit "Bodenständigkeit" von sich zu überzeugen. "Wir müssen im Alltag der Menschen vorhanden sein" und "in der Mitte der Gesellschaft stärker" sein. Dieses "Gespür" müsse bei der Landtagswahl weitergegeben werden, man dürfe die Menschen auch nicht "überfordern" und sollte "ohne Überheblichkeit" über den "Tellerrand hinausschauen". Der ehemalige Nationalratsabgeordnete und frühere Landtagsvizepräsident wollte die Grünen als "wählbare Alternative für schwarz/blau" positionieren. "Es geht nicht darum zu dämonisieren, sondern sich selbst zu positionieren", meinte er in seiner Heimatstadt Schwaz.

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Kandidatur Weratschnigs als Überraschung

Eigentlich war Mair bis vor Kurzem nicht davon ausgegangen, bei der Landesversammlung Konkurrenz zu erhalten. Der 50-jährige Schwazer Gemeinderat Weratschnig gab schließlich erst zum Ende der Bewerbungsfrist bekannt, sich der Wahl zu stellen. Damit traten zwei grüne Langzeit-Politiker gegeneinander an. Mair erreichte bei der letzten Landessprecher-Wahl - damals wurde kein Spitzenkandidat gewählt - lediglich 67,6 Prozent.

Zadić: Tiroler Landtagswahl "extrem wichtig"

Die stellvertretende Bundessprecherin und Ex-Justizministerin Alma Zadić war indes als Vertreterin der Bundespartei angereist. Die Landtagswahlen in Tirol und Oberösterreich im Jahr 2027 bezeichnete sie - nach einer relativ langen, wahlfreien Zeit - als "extrem wichtig für Österreich und uns Grüne". Als Grund nannte sie das Erstarken von rechten Parteien, FPÖ-Chef Herbert Kickl sitze schließlich "siegessicher im Parlament". Die Grünen seien "die einzigen, die sich gegen die FPÖ stellen."

In der aktuellen ÖVP/SPÖ/NEOS-Bundesregierung spüre man zudem, "dass die Grünen fehlen". "Man zwingt uns wieder zurück in die fossile Abhängigkeit", meinte sie. Man habe außerdem das Gefühl, dass die ÖVP in einer "Alleinregierung" sei, von SPÖ und NEOS spüre man wenig: "Bei den Ärmsten und in der Mitte wird gekürzt".

Mair auch weiter Landessprecher

Erstmals kam bei der Landesversammlung eine im Vorjahr beschlossene Statutenänderung zur Anwendung: Der Spitzenkandidat wird gleichzeitig Landessprecher sein, womit Mairs Ära an der Parteispitze prolongiert wurde. Die nächste Landessprecherwahl findet dann planmäßig in drei Jahren statt, wobei nicht zwingend erneut ein Spitzenkandidat gewählt werden muss. Keine Neuerung für die Tiroler Grünen ist indes die Online-Wahl. Bereits bei der Spitzenkandidatenwahl für die Landtagswahl 2022 sowie bei der Listenerstellung für die Nationalratswahl 2024 setzte die Partei auf diese Art der Stimmabgabe. Damit soll eine höhere Wahlbeteiligung erreicht werden.

Bei der Wahl zur Spitzenkandidatur im Jahr 2022 war noch ein Duo gewählt worden. Mair trat damals mit Wohlfahrtstätter gegen die damalige Soziallandesrätin Gabriele Fischer und den Landtagsabgeordneten Georg Kaltschmid an. Bei der Landtagswahl selbst verlor man schließlich 1,47 Prozentpunkte und fuhr ein Ergebnis von 9,20 Prozent ein. Dies bedeutete gleichzeitig den Wechsel von der Regierungs- auf die Oppositionsbank. Zuvor hatten die Grünen neun Jahre lang mit der ÖVP regiert.

Vom Innsbrucker Gemeinderat zum Klubobmann im Landtag

Gebi Mair wurde am 15. Jänner 1984 in Fulpmes im Stubaital geboren. Er besuchte das Bischöfliche Gymnasium Paulinum in Schwaz. 2010 schloss der mit einem Mann verheiratete Politiker das Studium der Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck ab. Von 2006 bis 2008 war er Innsbrucker Gemeinderat der Grünen. 2008 eroberte er erstmals ein Landtagsmandat, seit 2013 fungiert er als Klubobmann.

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