MAK zeigt Plakate aus 75 Jahren Wiener Festwochen

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Die Anfänge: Die ersten Festwochen-Plakate ab 1951

Bild: APA/Wolfgang Huber-Lang


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Nicht nur der Eurovision Song Contest, auch die Wiener Festwochen nähern sich mit Riesenschritten. Die erste einer "ganzen Kaskade von Eröffnungen" (Intendant Milo Rau) bereits im Vorfeld gab es am Dienstagabend im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK). Eröffnet wurde die Ausstellung "Hype und Hochkultur. 75 Jahre Wiener Festwochen in Plakaten", die weit über die Wiener Festwochen (15. Mai bis 21. Juni) hinaus zu sehen ist - nämlich bis 20. September.

Die kleine Schau in zwei Gängen des Untergeschosses des Museums ist überschaubar, aber nicht übersehbar - dazu sind die rund 80 Plakate zu prägnant und evozieren nicht nur Schau-, sondern auch Wiedererkennungseffekte. Denn man kann Rau nur beipflichten, der bei der Eröffnung von seinen ersten Wien-Besuchen als Festwochen-Regisseur berichtete: "Mir ist sofort die extreme Präsenz der Plakate aufgefallen."

Zeitimmanent oder "aus der Zeit gefallen"

Der Schweizer Intendant, der als möglichen Alternativ-Titel für die Ausstellung "Schönheit und Skandal" vorschlug, fasste gleich den ersten Eindruck seines Rundgangs durch den kleinen grafischen Rückblick zusammen: "Man erkennt in den Plakaten immer die Zeit - aber manchmal irrt man sich total." Die diesbezüglich am wenigsten zuordenbaren Jahre seien die 80er-Jahre gewesen.

Zeitlich erstaunlich weit zurück griff 1951 - als Wien noch unter den Alliierten aufgeteilt war - der renommierte Plakatkünstler Victor Slama für das allererste Festwochen-Plakat. "Ein geflügelter Barock-Putto, der ein rotes Schild vor der Stadtsilhouette hält, scheint völlig aus der Zeit gefallen", schreiben die Kuratoren Franz J. Gangelmayer und Manuela Leutgeb von der Wienbibliothek in ihrem Beitrag für den Band 5 der "wiener hefte", der aus Anlass der Ausstellung erschienen ist. Das konventionelle Motiv sollte wohl dem programmatischen Anspruch des Festwochen-Mottos "Unsterbliches Wien" entsprechen. "Nach den ideologischen Verwerfungen der NS-Zeit sollte Wien nicht als Avantgarde auftreten, sondern als traditionsbewusste, verlässliche Kulturstadt erscheinen."

Wienbibliothek hat Festwochenarchiv übernommen

Die Auswahl stammt aus über tausend Festwochen-Plakaten aus der Sammlung der Wienbibliothek im Rathaus. Diese habe "eine der größten Plakatsammlungen der Welt" und habe jüngst das Archiv der Festwochen übernommen, sagte Wienbibliotheks-Leiterin Anita Eichinger. Zum 100er der Festwochen werde man möglicherweise die Aufarbeitung des Archivs abgeschlossen haben, scherzte sie.

In der Ausstellung und der Begleitpublikation kann man sich darüber informieren, dass es Otto Liewehr war, der 1954 das markante rot-weiße "Festwochen-W" entwickelte, dass die Arena-Besetzung im Jahr 1976 ebenso wie das Falco-Eröffnungskonzert aus dem Jahr 1985 ihre visuellen Spuren hinterlassen haben, oder dass die Agentur Demner, Merlicek & Bergmann unter der Intendanz von Luc Bondy auf den Plakaten angriffiger agierte und auf Provokation setzte. Und man begegnet auch Wolfgang Amadeus Mozart und Sigmund Freud wieder, die auf den Plakaten des Jahres 2006 demonstrativ ihre Augen verdrehten - Plakate, die heute selbst bereits Kult sind.

(S E R V I C E - Ausstellung "Hype und Hochkultur. 75 Jahre Wiener Festwochen in Plakaten" im MAK, Wien 1, Stubenring 5, 22.4.-20.9, Di 10-21 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr)

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