Mutig gegen Mobbing: "Wolf" im Theater der Jugend

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Kulturschock im Waldlager

Bild: APA/APA/TdJ/Klaus Engelmayer


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Mit seinem Jugendroman "Wolf" hat der deutsch-bosnische Autor Saša Stanišić ("Herkunft") 2024 den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen. Im Wiener Theater der Jugend steht nun die Dramatisierung des Stoffs rund um Mobbing, Angst und Mut auf dem Spielplan. Die höchst gelungene Bühnenfassung von Claudia Waldherr wurde bei der Premiere am Dienstagabend heftig akklamiert, was auch den trotz des schweren Themas locker-humorvollen Darstellungen des Ensembles geschuldet war.

Der 13-jährige Kemi ist genervt. Seine nunmehr alleinerziehende Mutter schickt ihn in den Ferien mit seinen Klassenkameraden auf ein Waldlager. Blöd nur: Kemi hasst die Natur. Und von seinen Schulkollegen könnte er auch mal eine Pause vertragen. Da die Alternative jedoch die öde Ferienbetreuung im Schulgebäude wäre, fügt sich der Bursch. Daniel Sommergruber hat im Theater im Zentrum mithilfe von echten Baumstämmen und geschickten Schattenspielen jenen Wald geschaffen, in dem Kemi in Sneakers und T-Shirt recht verloren gegen die Gelsen kämpft. Als er sich dann ausgerechnet eine Hütte (hier: zwei zwischen den Baumstämmen aufgespannte Hängematten) mit dem verschrobenen Naturfreak Jörg teilen muss, ist er der Verzweiflung nah.

Kulturschock zwischen Hängematten und Gelsenplage

Mino Dreier als hipper Stadtbursch Kemi und Jonas Graber als sich an seinen Wanderrucksack klammernder Underdog geben ein herrliches Paar ab, das sich einander im Laufe des 110-minütigen Abends (eine Pause inklusive) langsam aber stetig annähern wird. Doch der Kultur- oder besser Natur-Schock ist mit dieser Schlafplatzeinteilung noch nicht zu Ende. Valentin Späth gibt mit blonder Langhaarperücke einen hyperaktiven Lagerleiter, der zwanghaft mit vermeintlichen Jugendwörtern um sich wirft und die Pflanzen mithilfe einer App zu bestimmen versucht.

Ihm zur Seite steht mit Sascia Ronzoni eine singende und trommelnde Hippie-Braut, die die Jugendlichen mehr abschreckt als anlockt. Und ob man das, was der ungepflegte, mürrische Koch (Frank Engelhardt) da über dem Feuer zubereitet, essen möchte, ist auch fraglich. Kurzum: Kemi will sofort wieder nach Hause, zumal der Rüpel Marko (ebenfalls Valentin Späth) sich einen Spaß daraus macht, Jörg ununterbrochen zu schikanieren - während Kemi vor Angst erstarrt tatenlos zuschaut.

Leuchtende Wolfsaugen und gefährliche Seilschaft

Doch des nächtens beginnt es in dem jungen Mann zu arbeiten. In seinen Träumen begegnet ihm ein unheimlicher Wolf mit glühenden Augen (Puppenbau: Soffi Povo), der sich auf den schlafenden Jörg stürzt. Und als tagsüber ausgerechnet der fiese Marko eingeteilt wird, um Jörg beim Klettern zu sichern, wird aus dem Mobbing plötzlich eine reale Gefahr. Doch mittlerweile hat Kemi mit dem Koch einen Verbündeten gefunden, der ihm das nötige Selbstvertrauen gibt, um für den gemobbten Jörg einzustehen und Marko entschieden entgegenzutreten. Das wiederum beeindruckt auch die angebetete Schulkollegin Benisha (Ronzoni). Und so gerät das Ferienlager zu einem veritablen Ermächtigungscamp.

Während Mino Dreier und Jonas Graber ihre Figuren im Laufe des Abends solide entwickeln, beeindrucken Valentin Späth, Sascia Ronzoni und Frank Engelhardt nicht zuletzt dank der prägnanten Kostüme von Nina Holzapfel mit dem rasanten Wechsel zwischen ihren Dreifachrollen (plus Führung der Wolf-Puppe). Der dem Stoff eingeschriebene Humor kommt trotz des ernsten Themas nicht zu kurz. Und so gibt es nicht nur Szenen zum Fürchten, sondern auch welche zum Lachen. Ein gelungener Abend als vorletzte Premiere in der Direktion von Thomas Birkmeir, dem im Herbst Aslı Kışlal folgt, die ihre Pläne im Oktober vorstellen wird.

(Von Sonja Harter/APA)

(S E R V I C E - "Wolf" von Saša Stanišić im Theater im Zentrum/Theater der Jugend. Bühnenfassung und Regie: Claudia Waldherr, Bühne: Daniel Sommergruber, Kostüme: Nina Holzapfel. Mit Mino Dreier, Jonas Grabe, Valentin Späth, Sascia Ronzoni und Frank Engelhardt. Ab 11 Jahren. Kommende Termine: 22., 25. bis 28. und 30. April. www.tdj.at )

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