Neuer Rettungsversuch mit Luftkissen für gestrandeten Wal
Veröffentlicht:
von AgenturenDer Buckelwal liegt vor der Insel Poel
Bild: APA/APA/dpa/Philip Dulian
Der bei Wismar gestrandete Buckelwal hat eine weitere Nacht überlebt. Er atme relativ regelmäßig alle zwei bis fünf Minuten, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Donnerstag. "Der Wal ist ein schwer kranker Patient", so der Minister im Livestream des Senders News5 live. Laut Backhaus ist geplant, im Laufe des Tages Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll Schlick unter ihm weggespült werden.
Der Wal solle dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und transportiert werden. Die Rettungsaktion begann gegen Mittag. Sechs Helfer begaben sich im hüfttiefen Wasser zu dem Buckelwal. Unter anderem spritzten sie zunächst Wasser auf das Tier.
Minimalinvasives Konzept
Backhaus verteidigte den Versuch. Entscheidend sei, dass erstmals ein ernst zu nehmendes Konzept vorliege, das minimalinvasiv vorgehe. Der Wal dürfe nicht verletzt werden. "Solange das eingehalten wird, sehe ich keinen Grund, dass die Chance nicht genutzt wird", sagte er auf der Insel Poel (Kreis Nordwestmecklenburg). Alle Beteiligten wüssten, dass der Wal sich in einem schwierigen Zustand befinde. "Aus meiner Sicht hat der Wal aber auch eine Chance." Er zeige nach wie vor Aktivitäten. Ab und zu bewege er die Flossen. Er hebe den Kopf aus dem Wasser und atme regelmäßig und kommuniziere durch Rufe.
Bei allem Wohlwollen finde er, dass auch die Wissenschaft sich mitunter irren könne, sagte er mit Blick auf kritische Stimmen zu dem Rettungsversuch, der von zwei Unternehmen initiiert wird. Die Verantwortung für den Gesamtprozess liege bei diesen Organisatoren. Es sei der 17. Tag, an dem der Wal sich dort befinde. Umgesetzt werden soll das Konzept von einer privaten Initiative, die laut Umweltministerium die Verantwortung trägt. Ohne die Aktion werde der Wal in jedem Fall sterben, hatte Mediamarkt-Gründer Walter Gunz der Deutschen Presse-Agentur dpa gesagt.
"Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie"
Hinter dem Konzept stehen neben Gunz die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. "Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie", sagte die Unternehmerin. Sie wüssten, dass der Rettungsversuch letal ausgehen könne. "Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Dann sei das die Natur. "Aber dieser Zustand jetzt ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen."
Die Situation des Wals hatte zuletzt für starke Emotionen gesorgt. Von Anfeindungen und sogar Morddrohungen gegen Beteiligte war die Rede. Menschen protestierten vor Ort und drangen in einen Sperrbereich ein.
Mehr entdecken

Papst: "Welt wird von Handvoll Tyrannen zerstört"

EU-Studie bestärkt SPÖ und Attac für Vermögensbesteuerung

Prozess gegen ehemaligen Bundesheerarzt vertagt

Brandursache bei Tiroler Hotel nach Ermittlung unklar

Preisgeld der French Open auf 61,7 Millionen Euro gestiegen

Verdacht auf Mord und Suizid im Bezirk Tulln
