Papst sieht zunehmende Gefahr durch Rohstoffspekulation

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von Agenturen

Papst Leo XIV. befindet sich auf einer elftägigen Afrika-Reise

Bild: APA/APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI


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Papst Leo XIV. hat sich besorgt über eine Ausweitung von internationalen Konflikten durch die zunehmende Ausbeutung von Rohstoffen mit neuen Technologien geäußert. Zum Auftakt eines Besuchs im westafrikanischen Staat Äquatorialguinea sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche: "Der rasante technologische Wandel, den wir derzeit erleben, beschleunigt die Spekulation mit Rohstoffen noch weiter." Umso wichtiger sei es, bestehende internationale Abkommen auch einzuhalten.

Äquatorialguinea ist für den Papst die letzte Station einer elftägigen Afrika-Reise. In dem Zwei-Millionen-Einwohner-Staat ist Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo seit 1979 im Amt - länger als jedes andere Staatsoberhaupt. Mit seiner Familie kontrolliert der 82-Jährige Politik und Einnahmen des ölreichen Landes. Auch auf früheren Stationen wie Kamerun und Angola hatte Leo vor einer Ausbeutung des Kontinents durch ausländische Mächte und internationale Konzerne gewarnt.

Leo verlangt "Kurswechsel" angesichts neuer Technologien

Das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken beklagte in einer Rede, durch die technologisch einfachere Nutzung von Öl- und Mineralvorkommen würden bewaffnete Konflikte noch mehr vorangetrieben, "wobei internationales Recht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker missachtet werden". Auch der Schutz der Schöpfung und die Rechte lokaler Gemeinschaften würden offensichtlich weiter in den Hintergrund gedrängt.

Dieselben Technologien kämen auch zu kriegerischen Zwecken zum Einsatz. "Gott will das nicht", sagte der Papst. "Das Schicksal der Menschheit läuft Gefahr, tragisch beeinträchtigt zu werden, wenn es nicht zu einem Kurswechsel in der Übernahme politischer Verantwortung und zur Achtung von Institutionen und internationalen Abkommen kommt."

Bei der Ankunft in Malabo, der bisherigen Hauptstadt von Äquatorialguinea, wurde Leo von Zehntausenden am Straßenrand gefeiert. Anfang des Jahres wurde der Ort Ciudad de la Paz - Stadt des Friedens - auf dem Festland zur Hauptstadt gemacht. Damit löst er die auf der Insel Bioko gelegene Stadt Malabo als politisches Zentrum ab. Nach wie vor befinden sich aber übergangsweise noch viele Regierungseinrichtungen in Malabo.

Bevölkerung profitiert von Ölreichtum Äquatorialguineas nicht

Durch die Entdeckung von Öl entwickelte sich Äquatorialguinea vor drei Jahrzehnten zu einem Land mit höherem mittlerem Einkommen, schreibt die Weltbank laut Kathpress. Auch zähle es mit täglich 9,4 US-Dollar (7,99 Euro) zu den zehn Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch in Subsahara-Afrika. Im afrikanischen Vergleich ist die Alphabetisierungsrate ebenfalls hoch und liegt bei etwa 90 Prozent.

Doch davon profitiert die Bevölkerung nicht: Die Hälfte lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze; laut Weltbank könnten zwei Drittel der Einwohner in naher Zukunft in Armut abrutschen. Den Nutzen zieht eine kleine Gruppe, die seit Jahrzehnten an der Macht ist. Im Mittelpunkt steht der diktatorisch regierende Präsident Obiang, der 1979 nach einem Putsch Staatsoberhaupt wurde - nachdem er seinen Onkel gestürzt hatte. Grundfreiheiten im Land sind laut Nichtregierungsorganisationen stark eingeschränkt.

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Drei Viertel sind Katholiken

Nach verschiedenen Schätzungen sind rund zwei Drittel bis drei Viertel der 1,9 Millionen Einwohner Äquatorialguineas Katholiken. Die Rolle der Kirche ist auch bei Bildung und Gesundheitssystem groß. Die nunmehrige Reise von Leo XIV. fällt zusammen mit dem 170-Jahr-Jubiläum der Ankunft der ersten christlichen Missionare im Land.

In allen fünf Diözesen des Landes haben sich die Gläubigen mit Gebeten und Glaubensunterweisungen auf die Ankunft Leos XIV. vorbereitet. Der Papst werde "Bote des Friedens" und als Schöpfer "größerer Einheit in der Kirche und in der Gesellschaft" erwartet, sagte der Bischof von Mongomo, Juan Domingo Beka Esono Ayang, im Vorfeld des Besuchs.

Dichtes Programm bis Donnerstag

Neben Malabo macht Papst Leo XIV. in den kommenden Tagen auch Halt in den Städten Mongomo und Bata. Am Mittwoch fliegt er zunächst in die ganz im Osten des Landes an der Grenze zu Gabun gelegene Stadt Mongomo. Dort feiert er einen Gottesdienst mit den Gläubigen und besucht eine technische Schule, die den Namen seines Vorgängers Franziskus trägt.

In Bata, der größten Stadt des Landes, besucht Leo XIV. am selben Tag Gefängnisinsassen. Ebenso gedenkt er der Opfer einer großen Explosionsserie im Jahr 2021, bei der über 100 Menschen starben und viele ihr Zuhause verloren.

Am Donnerstag wird eine Stadionmesse in der alten Hauptstadt Malabo der vorerst letzte Akt von Papst Leo auf dem afrikanischen Kontinent sein. Zu Mittag tritt er den Rückflug nach Rom an. Seit 13. April hat der Papst Rahmen seiner Afrikareise bereits Algerien, Kamerun und Angola besucht. Die nächste Auslandsreise wird ihn im Juni nach Spanien führen.

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