Patti Smith-Abend mit politischen Tönen und Toten-Tribut
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von Agenturen79-Jährige spielte im intimen Rahmen des Theater Akzent
Bild: APA/APA/Wiener Festwochen/Tom Dumont
Die Wiener Festwochen widmen der 79-jährigen Rock-Ikone Patti Smith heuer einen Schwerpunkt. Neben einem Konzert in der Arena am Donnerstag und einem Auftritt bei der Eröffnung am Heldenplatz tags darauf gab man ihr mit "An Evening with Patti Smith" am Dienstag im Theater Akzent eine "Carte Blanche". "Ob Lesung, Gespräch oder DiaShow - eines ist sicher: So nah kommt man der Frau nur selten", so die Ankündigung. Geworden ist es am Ende ein Konzert - eben im kleinen Rahmen.
Wie facettenreich man einen intimen Abend gestalten kann, hatte im Vorjahr Laurie Anderson bewiesen, die im Radiokulturhaus alles andere als die angekündigte Eröffnungsrede hielt, sondern eine charmante Performance zwischen Kunst, Musik, Aktivismus und Tai Chi hinlegte. Hätte also auch gut sein können, dass Patti Smith die "Carte Blanche" annimmt, um ihr Publikum zu überraschen. Doch weit gefehlt: Das 80-minütige Set, das sie in derselben Besetzung wie das kommende Arena-Konzert mit Tony Shanahan (Klavier und Bass), ihrem Sohn Jackson Smith (Gitarre) und Seb Rochford (Schlagzeug) spielte, glich über weite Strecken jenem ihrer aktuellen Tournee. Dem durchwegs jungen Publikum gefiel's, zumal das Konzert in der Arena restlos ausverkauft ist.
Politische Töne und eine Party mit Mozart und Hendrix
"Das Festival verwendet das Wort Gott, also kann es nicht allzu schlecht sein", begrüßte Smith das Publikum in Anlehnung an das diesjährige Festwochen-Motto "Republic of Gods". Praktisch, dass Gott auch eine Rolle im (auch bei anderen Konzerten üblichen) Opener "Dancing Barefoot" spielt. Weiter ging es mit "Ghost Dance", ihrem Tribut an die Geschichte der Native Americans. "Die aktuelle Regierung kümmert sich nicht um deren Bedürfnisse", kritisierte Smith die Politik Donald Trumps. Politisch positionierte sich Smith auch, als sie ihren 2003 geschriebenen Song "Peaceable Kingdom" den Palästinensern widmete, "und überhaupt allen von Krieg betroffenen Menschen, sei es im Iran, im Kongo oder im Sudan".
Eine kleine Geschichtsstunde gab es schließlich vor dem Bob Dylan-Cover "Man in the Long Black Coat": Patti Smith erinnerte sich an ihr erstes Wien-Konzert, das sie vor 50 Jahren im Wiener Konzerthaus spielte. "Normalerweise wurde zu dieser Zeit in diesem Saal Mozart gespielt, also spielte ich ein Tribute für Jimi Hendrix und Mozart. Die Frauen trugen Abendgarderobe und Handschuhe. Also bin ich zu ihnen runter gegangen und habe mit ihnen Party gemacht", lachte die Musikerin, die sodann ein Cover von "Work" der kanadischen Singer-Songwriterin Charlotte Day Wilson ("Das habe ich auf YouTube gesehen") folgen ließ, das sie der Arbeitergewerkschaft widmete, was in dem von der Arbeiterkammer gegründeten Theater Akzent für Extra-Applaus sorgte.
Tribute an die Toten
Emotional wurde es im Saal, als sie "Seven Ways of Going" ihrem 1994 verstorbenen Mann Fred widmete. Nicht minder für Gänsehaut sorgte auch das jazzige Doors-Cover "Crystal Ship" und der darauf folgende, Jim Morrison gewidmete Song "Break it up" aus dem Jahr 1975. "Ich hatte damals einen Traum, in dem ich vor einer Marmor-Statue von Prometheus stand, aus der schließlich Jim Morrison ausbrach, seine Flügel ausstreckte und davon flog", lieferte Smith den Hintergrund zum Song, bevor sie die Bühne verließ und ihre Band den George Harrison-Song "Isn't It a Pity" intonieren ließ, wobei Tony Shanahan sein Gesangstalent unter Beweis stellen konnte.
Zurück auf der Bühne begann Smith mit ihren Musikern zu flüstern, woraufhin sie zum Publikum scherzte: "Sorry, wir planen unser Abendessen!" Dieses stand dann wohl auch bald auf dem Plan, denn nach zwei weiteren Songs und dem finalen Hit "Because the Night", bei dem es das Publikum schließlich von den Sitzen riss, war nach 80 Minuten Schluss. "See you in the Arena!", rief Smith noch ins Mikro - und war dahin.
(Von Sonja Harter/APA)
(S E R V I C E - www.festwochen.at )
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