"Prada"-Regisseur Frankel: "Möchte kein Unheilsprophet sei"
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von AgenturenDavid Frankel hofft auf die Zustimmung der Fans
Bild: APA/APA/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/MIKE COPPOLA
Seit Wochen stöckeln Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Co. in Haute-Couture-Roben über die roten Teppiche und machen Werbung für "Der Teufel trägt Prada 2". Am 30. April läuft das Sequel in den Kinos an. Die großen Stars des Films, der 2006 327 Millionen US-Dollar (280 Millionen Euro) einspielte, sind ebenso wieder dabei wie das Team.
US-Regisseur David Frankel berichtet im virtuellen Roundtable-Gespräch mit Medien von neuen Wendungen der Figuren, übt Kritik am Einfluss der Techmilliardäre und verrät, warum Meryl Streep als Magazin-Vamp dieses Mal bei den Dreharbeiten zwischen New York und Comer See freundlicher zu allen war.
"Fans nicht enttäuschen"
Frage: Wie war die Stimmung am ersten Drehtag? Wie haben Sie sich gefühlt, nach 20 Jahren mit demselben Team ans Set zurückzukehren?
David Frankel: Die Erwartungen sind nach wie vor sehr hoch, ich spüre einen großen Druck. Wir wollen die Fans nicht enttäuschen. Der erste Drehtag hatte etwas Wundersames an sich. Denn in dem Moment, als Meryl Streep ihre weiße Perücke und die großartigen Kleider anlegte, wurde sie wieder zu Miranda. Diesmal war sie viel freundlicher zu allen am Set, denn im ersten Film hat Streep bewusst Distanz gehalten. Sie wollte vor allem Anne Hathaway in ihrer Rolle der Andy ein Gefühl von Unwohlsein vermitteln.
Frage: Wie hat sich gerade die Figur der Verlegerin mit tyrannischer Führung vom ersten Teil zum Sequel weiterentwickelt?
Frankel: Es gab eine große Diskussion über ihr Privatleben: Ist sie verheiratet? Ist sie glücklich verheiratet? Ihr Privatleben und der Bruch ihrer Ehe waren ein wichtiger Teil des ersten Films. Und jetzt gibt es eine Überraschung: Wir sehen, dass sie sich mit ihrem Mann Stewart wohlfühlt. Das verändert alles an ihrer Figur. Zu Hause ist sie nun entspannter, aber bei der Arbeit ist sie verletzlicher. Dazu kommt, dass die Budgets und Auflagen sinken und der Druck von oben größer ist. Sie ist unsicherer als im ersten Film und hofft auf eine Beförderung, die nicht kommt. Und doch handelt sie weiter stets klug und listig.
Frage: Andy Sachs, verkörpert von Hathaway, ist mittlerweile zur ernsthaften Journalistin aufgestiegen, und kehrt unter Miranda Priestly wieder zu "Runway" zurück. Auffällig ist, dass viel weniger gezickt wird, sondern die beiden Frauen verstärkt solidarisch zusammenarbeiten. Ist das Ihre Antwort auf die vielen Krisen der Gegenwart?
Frankel: Die beiden müssen zusammenarbeiten, auch wenn das keine von beiden zunächst wirklich will. Der Film erzählt vom Überleben und den Opfern, die man dafür bringt. Beide Frauenfiguren sind bereit, ihren Preis dafür zu bezahlen. Andy, um weiterhin Journalistin zu bleiben, Miranda, um das Magazin zu erhalten. Ihre Zweckpartnerschaft erweist sich als ziemlich glückliche, obwohl der Hauch von Überheblichkeit überlebt hat. "Wir sind kein Team, wir sind keine Partner, ich bin immer noch Ihre Chefin!" sagt Miranda einmal zu Andy.
Frage: Mode unterliegt Trends. Zwischen dem Originalfilm und der Fortsetzung liegen 20 Jahre: Hatten Sie jemals Angst, dass das Setting, der Humor und die Mode von damals nicht mehr zeitgemäß sind?
Frankel: Ich habe noch immer Angst! (lacht) Wir werden sehen, ob das Publikum kommt. Aber ich habe großes Vertrauen in dieses Filmteam und großartiges Vertrauen in das Drehbuch von Aline Brosh McKenna. Der erste Film wird noch 20 Jahre später zitiert.
Frage: Der Originalfilm ist eine Satire auf die Welt der Mode, in der Fortsetzung thematisieren Sie andere mächtige Figuren der Tech- und Medienwelt. Wie sind Sie vorgegangen?
Frankel: Es war mir wichtig, eine Geschichte über eine Geschäftswelt hinaus zu erzählen. Wir wollten zeigen, was in der Medienwelt passiert - nämlich der Rückgang des Journalismus und die Verlagerung ins Digitale. Etwas, das alles erneut durcheinanderwirbelt. Es hat sich angefühlt, als würden wir etwas Zeitgemäßes produzieren.
Frage: Sie erzählen von der Bedrohung der Printmedien und dem Niedergang von Magazinen. Haben Sie noch Hoffnung für den Printjournalismus?
Frankel: Ich möchte kein Unheilsprophet sein, aber es fühlt sich an, als würde die Digitalisierung alles überrollen. Und das zu einem Zeitpunkt, bevor wir wirklich von der Künstlichen Intelligenz (KI) getroffen werden. Ich hoffe, dass eine jüngere Generation Liveerlebnisse etwas mehr zu schätzen weiß. Sie gehen wieder ins Kino, kaufen Vinyl, wollen mehr persönlichen Kontakt mit anderen. Aber ehrlich gesagt bin ich nicht sehr zuversichtlich.
Frage: Neben der Figur der Miranda, die auf der realen früheren "Vogue"-Chefredakteurin Anna Wintour basieren soll, tritt nun die Figur von Benji Barnes auf - gespielt von Justin Theroux. Er erinnert mitsamt seiner Ex-Gattin und seiner neuen Partnerin an einen realen Tech-Milliardär. Was wollen Sie uns damit erzählen?
Frankel: Unsere Kultur ist so verrückt geworden, Milliardäre sind in jeden Lebensbereich eingedrungen. Sollten sie die Kontrolle über unser Leben haben? Nein! Als Filmemacher ist es spannend zu erkunden, wer sie sind und wie sie handeln.
(Die Fragen stellte unter anderen Julia Schafferhofer/APA)
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