Salzburger Festspiele trauern um Ex-Präsident Wiesmüller

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Heinrich Wiesmüller mit Helga Rabl-Stadler 1995

Bild: APA/APA (Archiv)/FRANZ NEUMAYR


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Die Salzburger Festspiele trauern um Heinrich Wiesmüller, der mit dem Festival über Jahrzehnte eng verbunden war, darunter fünf Jahre auch als Präsident. Er ist am Mittwoch nach kurzer Krankheit im 90. Lebensjahr verstorben, wie das Bankhaus Spängler mitteilte, wo er ebenfalls über Jahrzehnte führend tätig war. Wiesmüller habe "leise, klug und mit einer Selbstverständlichkeit, die heute selten geworden ist", gewirkt, so das Direktorium der Festspiele in einer Aussendung.

Wiesmüller gehörte dem Direktorium der Festspiele von 1976 bis 1985 an, von 1986 bis 1989 war er Konsulent, von 1991 bis 1995 Präsident und von 2001 bis 2007 Mitglied des Kuratoriums. Er begleitete damit die Festspiele von der Ära Herbert von Karajan über die tiefgreifende Erneuerung unter Gerard Mortier bis hin zu den Jahren von Peter Ruzicka und Jürgen Flimm.

"Stillstand war keine Option"

"Nach dem Tod Karajans 1989 war er maßgeblich daran beteiligt, die Festspiele neu aufzustellen und zukunftsfähig zu machen. Er unterstützte Reformen, auch wenn sie unbequem waren, weil er erkannte, dass Stillstand keine Option war. Gleichzeitig bewahrte er das Bewusstsein für Tradition - nicht als starres Konzept, sondern als lebendige Grundlage", heißt es im Nachruf des Festspiel-Direktoriums.

"Heinz Wiesmüller war es ein Anliegen, die Salzburger Festspiele vom zweifelhaften Ruf einer Enklave der Reichen und der Schönen zu befreien. Er setzte sich dafür ein, dass auch aus Festspielgeldern das Entstehen einer umtriebigen Szene der Jugend gefördert wurde", betonte Wiesmüllers Nachfolgerin als Präsidentin, Helga Rabl-Stadler. Er sei mitten im Salzburger Establishment für Festspielmut zu Experimenten eingetreten. Einer seiner Leitsprüche habe gelautet: "Wenn du willst, dass alles so bleibt wie es ist, musst du alles ändern." Und "Wiesmüller wollte, dass die Salzburger Festspiele mitten im internationalen Festival-Wildwuchs die besten der Welt blieben."

"Wichtige Weichenstellungen nach Karajan"

Auch die Vorsitzende des Festspiel-Kuratoriums, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, hob Wiesmüllers "wichtige Weichenstellungen" nach der Ära Karajan hervor, er habe die Festspiele "tiefgreifend erneuert". "Von seinem Mut, vom Altgewohnten abzugehen und neue Wege etwa beim Schauspiel zu beschreiten, zehren die Salzburger Festspiele noch heute. Sein Wirken hat den Festspielen Tradition und Moderne ermöglicht und ist Auftrag, sie mit einem anspruchsvollen Programm in die nächsten hundert Jahre zu führen", so Edtstadler.

Der Verstorbene widmete sich aber auch abseits der Festspiele dem Kulturleben Salzburgs: Er war Vorstandsmitglied des Salzburger Kunstvereins, mehr als 35 Jahre Mitglied des Kuratoriums der Internationalen Stiftung Mozarteum und Gründungsmitglied der Internationalen Salzburg Association sowie der Johann-Michael-Haydn-Gesellschaft.

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Leitende Funktionen im Bankhaus Spängler

Über fünf Jahrzehnte - von 1965 bis 2015 - hat Wiesmüller auch die Entwicklung des Bankhaus Spängler mitgeprägt: zunächst als geschäftsführender Gesellschafter, ab 1994 als Sprecher des Vorstandes, ab 1998 als Vorsitzender des Aufsichtsrates und von 2010 bis 2015 als dessen Ehrenvorsitzender.

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