Schubertiade Vorarlberg erinnert an Start vor 50 Jahren

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von Agenturen

Renommiertes Musikfestival hält Schubert seit 50 Jahren fest im Blick

Bild: APA/APA/HERWIG HÖLLER/HERWIG HÖLLER


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Bekannte Werke von Franz Schubert darzubieten, um Publikum zu gewinnen, ist nicht mehr nötig - die internationale Strahl- und Anziehungskraft der Schubertiade Vorarlberg ist längst gegeben. Das zeigte sich auch am Mittwochabend im voll besetzten Markus-Sittikus-Saal in Hohenems, wo die Schubertiade 2026 in Erinnerung an den Anfang vor 50 Jahren exakt mit der Programmfolge des Liederabends am 8. Mai 1976 - der Geburtsstunde des Festivals - gestartet wurde.

Der Raum war damals ein anderer. Zentrale Austragungsorte in den ersten Jahren waren der Rittersaal und der Hof des Gräflichen Palastes in Hohenems. Schon während der zeitweiligen Abwanderung nach Feldkirch gewann der Schubertiade-Initiator und Geschäftsführer Gerd Nachbauer den Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg (Bregenzerwald) für sein Programm hinzu. Später ließ er die ehemalige Turnhalle in Hohenems so renovieren, dass sie seit 2005 als Markus-Sittikus-Saal genutzt werden kann. Der Name erinnert an den aus dem Hohenemser Grafengeschlecht stammenden Erzbischof von Salzburg. Dass die Qualität der Akustik dieses Saales international geschätzt wird, bestätigte sich auch am Mittwochabend.

Der deutsche Bariton Konstantin Krimmel eröffnete mit dem aus Israel stammenden Pianisten Ammiel Bushakevitz den diesjährigen Auftrittsreigen renommierter Interpreten souverän und übernahm die enorme Aufgabe, an die hehre Absicht zu erinnern, die mit der Programmierung der allerersten Schubertiade im Mai 1976 verfolgt wurde.

Alles, was romantische Literatur ausdrückt

Der damals nicht nur in der Klassikszene bekannte Bariton Hermann Prey, bis 1980 künstlerischer Leiter der Schubertiade, pickte sich zur Erhöhung der Aufmerksamkeit auf das Festivalvorhaben zum Auftakt die bekanntesten Werke aus dem reichhaltigen Liedschaffen von Franz Schubert. Nicht nur das, das Gefühlsspektrum der Vertonungen umspannt alles, was romantische Literatur zum Ausdruck bringt. "Ein Leben in Liedern" zu vermitteln, wie das Programm damals beschrieben wurde, umfasst somit die Konfrontation mit dem unterschiedlich Hellen bis hin zum Hinabtauchen ins vollkommen Dunkle.

Die Lieder nach Texten von Schiller und Goethe wie "Der Pilgrim", "Ganymed", das besonders unter die Haut gehende "An die Entfernte" und "Erster Verlust" sowie "Schwanengesang" nach Senn und "Nachtstück" nach Mayrhofer weisen Konstantin Krimmel als Sänger aus, der eine enorme Palette an Klangfarben zu vermitteln vermag und sich diesbezüglich mit Ammiel Bushakevitz eins ist. Er hat das für das Liedfach heute so wertvolle lebendige Erzählen derart verinnerlicht, dass Humor, Resignation und Traurigkeit jeweils zart und dennoch tief empfunden mitschwingen.

Sich mit Ansprachen an das Publikum zu wenden, ist selten bei der Schubertiade. Krimmel ergriff die Möglichkeit, sich beim für alle Belange verantwortlichen Geschäftsführer Gerd Nachbauer zu bedanken, in dessen "Tempel der Kammermusik und des Liedgesangs" man als Künstler zurückkehren dürfe wenn man sich "nicht zu dumm" anstelle und bot ihm wie dem Publikum das Lied "Glückwunsch" von Korngold dar.

Schubertiade-Saal als Ort von CD-Produktionen

Sie waren fast alle da in Vorarlberg, die Künstlerinnen und Künstler, die sich international im Liedfach, in der Kammermusik bzw. als Interpretinnen und Interpreten der Werke von Franz Schubert (1797-1828) etablieren konnten. Zu jenen, die oft zurückgekehrt sind, zählt auch die österreichische Mezzosopranistin Sophie Rennert. Sie bestreitet nicht nur den zweiten Liederabend am Donnerstag, sondern hat im Markus-Sittikus-Saal auch ihre neue CD "Irrlichter" mit Liedern von Schubert produziert, deren emotionale Tiefe sie bei aller Schlichtheit zu Gehör bringt. Der Titel verweist auf das Lied "Des Fischers Liebesglück" und die grundsätzliche Stimmung ihrer Auswahl. Im Saal mit "traumhafter Akustik" (Rennert) wollte zuletzt auch das Jerusalem Quartet unbedingt eine CD aufnehmen.

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Schubertiade-Chef plant für 2028

Weitere Interpreten der Rekonstruktion der ersten Schubertiade Vorarlberg sind etwa der Kammerchor Feldkirch, der das einstige Programm der Regensburger Domspatzen übernimmt, sowie das Pavel Haas Quartett und Andrè Schuen, der mit der "Winterreise" das zweite Liederabend-Konzept von Hermann Prey vermittelt, dessen Vorhaben, Schuberts Werk in Hohenems dann chronologisch aufzuführen, sich bekanntermaßen als nicht tragbar erwies.

Heuer fünf weitere Konzertzyklen

Fünf weitere Konzertzyklen sind heuer noch in Hohenems und in Schwarzenberg vorgesehen. Gerd Nachbauer plant längst das Jahr 2028, in dem man sich in der Klassikszene aus Anlass des 200. Todestages besonders auf Schubert konzentriert. Das pragmatische Denken des Experten und Leiters des einzigartigen Festivals dringt im Gespräch von Gerd Nachbauer mit der APA durch: "Es wird bei mir kein Spezialprogramm geben, aber ich habe für 2028 den Vorteil, dass sich enorm viele Künstlerinnen und Künstler mit dem Werk von Schubert beschäftigen."

(Von Christa Dietrich/APA)

(S E R V I C E - Die Rekonstruktion der ersten Schubertiade im Jahr 1976 läuft noch bis 3. Mai in Hohenems. Weitere Konzerte und Liederabende von 29. bis 31. Mai sowie 16. bis 19. Juli und 1. bis 4. Oktober im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems; 19. bis 24. Juni sowie 21. bis 26. August im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg. www.schubertiade.at)

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