Schulbuchverlage fürchten wegen Reform-Stakkato um Qualität
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von AgenturenDie Schulbuchverlage wünschen sich mehr Vorlauf
Bild: APA/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will bei den Lehrplänen umrühren. Für die Oberstufen soll es schon 2027 mehr KI- und Medienbildung geben, ab 2029 sollen neue Fächer die gerade erst eingeführten Lehrpläne der Mittelschulen und AHS-Unterstufe ergänzen und laut seinem "Plan Zukunft" die Lehrpläne überhaupt "laufend" weiterentwickelt werden. Die Allianz Bildungsmedien hat am Dienstag mehr Planbarkeit und eine Reform des langen Approbationsverfahrens gefordert.
Für die angekündigten neuen Fächer bzw. Änderungen in der Oberstufe (neues Fach "Medien und Demokratie", Erweiterung der Informatik um eine Stunde und das Thema KI, bis zu zwei Stunden weniger in Latein bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache) gibt es etwa noch nicht einmal einen Gesetzesbeschluss und auch keine Lehrpläne, die Sonderfrist für die Einreichung von Schulbüchern beim Bildungsministerium läuft aber schon Mitte Mai ab. Die Verlage hätten es zwar bisher immer noch geschafft, trotz knapper Fristen die nötigen Bildungsmedien zur Verfügung zu stellen, wurde bei einem Pressegespräch der Allianz Bildungsmedien - einem Zusammenschluss von klassischen Schulbuchverlagen und Anbietern digitaler Bildungsmedien - in Wien betont.
Mit dem aktuellen aufwendigen Qualitätssicherungssystem, über das Bildungsmedien in die Schulbuchaktion aufgenommen und dann von den Schulen kostenlos bestellt werden können, ist das diesmal laut Allianz-Präsident Markus Spielmann allerdings "ausgeschlossen". Dabei seien die Schulbücher als "heimlicher Lehrplan" ein wesentlicher Hebel bei der Umsetzung von Neuerungen, bedauerte Allianz-Generalsekretär Alfred Schierer.
Zweifel an Dauererneuerung
Auch in den Unterstufen ist für Spielmann "nicht klar, wie wir das umsetzen sollen", immerhin sei dort gerade erst ein neuer Lehrplan eingeführt worden und im Herbst bekommen die vierten Klassen zum ersten Mal die daran angepassten neuen Schulbücher. Wenn die Verlage in der Lage sein sollen, qualitätsvolle Unterrichtsmaterialien rechtzeitig zu anzubieten, müssten die Rahmenbedingungen "frühzeitig, verbindlich und planungssicher" festgelegt werden, so die Forderung - "außer, man ist im Ministerium der Meinung, man braucht zu bestimmten Inhalten keine Lehrmittel, die über öffentliche Finanzierung angeboten werden".
Als "schöne Idee", aber in der Praxis schwer umsetzbar, ordnete er deshalb auch Wiederkehrs Vision aus dem "Plan Zukunft" ein, dass Lehrpläne über ein Feedbacksystem von Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern laufend angepasst werden sollen. Derzeit würden Schulbücher zwar auch jedes Jahr aktualisiert, das aufwendige Approbationsverfahren stehe allerdings nur alle zehn Jahre an. Soll das System umgestellt werden, müsse man auch die Finanzierung neu aufstellen, hieß es mit Blick auf die geltenden Preisobergrenzen pro Schüler.
Forderung nach Tempo bei "Schulbuchaktion 2.0"
Jedenfalls mehr Tempo braucht es aus Sicht der Bildungsmedien-Anbieter bei der Reform der in den 1970ern gestarteten Schulbuchaktion hin zu einer im Regierungsprogramm angekündigten "Schulbuchaktion 2.0". Aktuell gibt es zwei Arten von Genehmigungs- und Finanzierungsverfahren. Beim neu geschaffenen "Marktplatz Lernapps", wo Schulen kostenlos Zusatzmaterialien für den Unterricht abrufen können, braucht die Qualitätsprüfung vier Wochen. Für gedruckte Bildungsmedien dauert sie hingegen bis zu zwei Jahre und ist aus Sicht der Schulbuchverlage kompliziert und aufwendig.
Schierer berichtete von der Einreichung eines kleinen Hefts für die Volksschule, dessen Gutachten umfangreicher war als das Lehrmittel selbst. Die Ergebnisse seien auch nicht immer nachvollziehbar, die Bandbreite bei der Qualität sehr unterschiedlich. Gleichzeitig habe in den vergangenen Jahren trotz dieses umfangreichen Verfahrens die Kritik an den Lehrmitteln zugenommen, und das - wie historisch immer schon - vor allem aus ideologischen Motiven. Als Beispiel nannte Schierer Interventionen etwa wegen der Benennung des Meers zwischen Japan und Korea. Die Politik müsse sicherstellen, dass die Verlage nicht "zur Spielwiese ideologischer Grabenkämpfe" werden, forderte er.
Spielmann plädierte einmal mehr für eine "komplette Neuausrichtung" der Approbation, bei der für gedruckte und digitale Bildungsmedien dieselben Rahmenbedingungen gelten. Die Allianz schlägt dafür ein System der Selbstverpflichtung vor, in dem Anbieter gewisse vom Ministerium vorgegebene Kriterien einhalten müssen, samt klarer Sanktionsmechanismen. In Schweden und einigen deutschen Bundesländern gebe es dieses System schon seit Jahrzehnten, so Schierer. Die Verlage hätten schließlich selbst ein Interesse an hoher Qualität, um auf dem Markt zu bestehen.
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