TFA-Nachweis im Trinkwasser für NGO "klares Warnsignal"
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von Agenturen"Ackerbaugeprägte Bundesländer" höher belastet
Bild: APA/APA/THEMENBILD/GEORG HOCHMUTH
55 Leitungswasserproben sind im Auftrag von Global 2000 auf Trifluoracetat (TFA), das letzte Abbauprodukt vieler anderer per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), untersucht worden. 54 Proben enthielten letztendlich TFA, und das sei aus der Vorsorgeperspektive "ein klares Warnsignal", sagte Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker der NGO, auch wenn keiner dieser Werte aktuell eine Gesundheitsgefährdung darstellen würde.
Trotzdem bezeichnete Burtscher-Schaden die Nachweise in einer Online-Pressekonferenz am Dienstag als Warnsignal. Die Gründe dafür erläuterte der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter. Aus seiner Sicht gelte es, die Einträge dieser Stoffe rasch zu reduzieren, denn "TFA wird als reproduktionstoxisch bewertet" und es gebe Hinweise auf hormonelle und immunologische Wirkungen. TFA sei extrem langlebig und mobil. Aufgrund der Wasserlöslichkeit und auf "lange Sicht" habe die Chemikalie das Potenzial, "der Gesundheit definitiv abträglich zu sein", warnte Hutter unter Hinweis auf das Vorsorgeprinzip.
"Ackerbaugeprägte Bundesländer" höher belastet
Die Ergebnisse zeigten österreichweit verschieden starke TFA-Werte auf: "Ackerbaugeprägte Bundesländer haben eine deutlich höhere Belastung", so Burtscher-Schaden zu den Bundesländerergebnissen, bei denen Oberösterreich mit 2,36 Mikrogramm pro Liter vorne lag. Das sei wiederum ein Hinweis auf PFAS-Pestizide, erläuterte der Umweltchemiker und wies darauf hin, dass inzwischen europäische Wasserverbände auf Konsequenzen drängen würden. Der europäische Dachverband EurEau fordere etwa Verbote für PFAS-Pestizide, F-Gase und andere TFA-Vorläufersubstanzen.
Dafür traten auch Burtscher-Schaden und Hutter ein. Zusätzlich brauche es eine rasche Festlegung eines europaweit harmonisierten, vorsorgeorientierten Grenzwerts für TFA im Trinkwasser sowie ein verpflichtendes Monitoring und die transparente Veröffentlichung der Messdaten. Zudem wurde vor einer Abschwächung bestehender Schutzstandards im Bereich Pestizide gewarnt.
Noch ist ein TFA-Grenzwert in der EU jedoch nicht vorhanden, da die Risikobewertung ausständig ist. Burtscher-Schaden wies darauf hin, dass der in den Niederlanden und Belgien/Wallonien geltende "Vorsorgeleitwert" von 2,2 Mikrogramm pro Liter - der derzeit niedrigste Trinkwasserleitwert für TFA - in Österreich in drei Fällen überschritten worden sei, der deutlich höhere deutsche Leitwert von 60 Mikrogramm hingegen nicht.
Auch AGES wies TFA nach - EU-Einstufung noch ausständig
Auch die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) hat aktuelle Daten zu einer von ihr durchgeführten Schwerpunktaktion publiziert, bei der 331 Trinkwasser-Proben aus ganz Österreich untersucht wurden. "TFA wurde in 307 Proben (entspricht 93 Prozent) in Konzentrationen über der Bestimmungsgrenze von 0,1 Mikrogramm/Liter ermittelt. Die höchste gemessene Konzentration lag bei 6,03 Mikrogramm/Liter", fasste die AGES dabei die Ergebnisse im Endbericht zur "Schwerpunktaktion A-751-25" zusammen.
Die AGES wies auf ihrem Online-Portal darauf hin, dass es nicht Ziel war, hier Einzelproben hinsichtlich TFA zu beurteilen, da eben der EU-weit harmonisierte Grenzwert noch ausständig sei. Eine neue Einstufung durch die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA ist demnach im dritten Quartal 2026 zu erwarten. Diese könnte in weiterer Folge zu einem EU-Grenzwert führen, der wiederum dann auch in Österreich festgelegt und überprüft werden müsste. Global 2000 befürchtete gegenüber der APA jedoch aktuell, dass dieser toxikologische EU-Richtwert höher angesetzt sein könnte als jene, die EU-Staaten wie die Niederlande bereits national etabliert haben.
Für ÖVGW Vermeidung mittelfristig erforderlich
Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) hielt in einer Aussendung fest, dass man sich für einen Schutz der Trinkwasserressourcen einsetzen würde, "der darauf abzielt, Einträge unerwünschter Stoffe möglichst an der Quelle zu vermeiden und Eintragspfade systematisch zu reduzieren", so ÖVGW-Vizepräsident Nikolaus Sauer. Hinweise auf Stoffe TFA leisteten dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis dieser Eintragspfade und zur Ableitung geeigneter Maßnahmen. Obwohl derzeit weder "auf nationaler noch auf europäischer Ebene verbindliche Parameterwerte für TFA" existieren, erscheine es mittelfristig erforderlich, solche Einträge in die Umwelt weiter zu vermeiden.
(S E R V I C E - TFA-Ergebnisse Global 2000 unter: https://go.apa.at/sgh6clGX,
AGES zu TFA unter: https://go.apa.at/H4fV0Vrf)
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