Sechs Jugendliche wegen Raubes vor Gericht

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von Agenturen

Die sechs Burschen stehen zum ersten Mal vor Gericht

Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH


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Sechs Jugendliche - fünf davon Schüler - haben am Montag Platz auf der Anklagebank im Wiener Landesgericht genommen. Den Burschen wird vorgeworfen, im Juli 2025 in Neusiedl am See im Burgenland einen mutmaßlichen Drogendealer ausgeraubt zu haben. In einem Fall sei es beim Versuch geblieben, erläuterte der Staatsanwalt. Die Verteidiger zeichneten allerdings ein anderes Bild: Auslöser des Konflikts sei der Drogentod des Cousins des Erstangeklagten gewesen.

Der Verwandte sei an einer Überdosis Suchtgift gestorben, schilderte der 17-Jährige heute. Dessen angeblichen Drogendealer wollte er zur Rede stellen. Zur Verstärkung nahm er fünf Freunde mit ins Burgenland. "Die wollten das klären, es ist leider dann eskaliert", erläuterte sein Verteidiger.

Video zeigt Tritte in Rücken

Auf einem Video, das einer der Angeklagten aufgenommen hat, sind Teile der Geschehnisse zu sehen: Schmerzgekrümmt liegt das Opfer am Boden. Dann tritt ein Angeklagter mehrmals mit seiner Schuhspitze in den Rücken des Jugendlichen und will ihm einen Schuh wegnehmen: "Zieh ihn aus Bruder", sagte er zu seinen Freunden. Zuvor - ebenfalls auf Video zu sehen - werden dem Burschen "eine Tetschn, ein bisserl mehr als eine Tetschn", gegeben, wie ein Verteidiger es ausdrückt. Zuletzt soll ihm noch ein Gürtel, der einen Wert von 400 Euro habe, abgenommen worden sein. Deswegen finden sich die sechs Unbescholtenen heute wegen des Vorwurfs des Raubes und versuchten Raubes im Gerichtssaal wieder, nicht wegen Körperverletzung.

Für Letzteres übernahmen vier der sechs mit Blick auf eine etwaige diversionelle Lösung die Verantwortung: "Das eine hat das andere ergeben, es sind Fäuste geflogen, Körperverletzungen sind passiert", stellte der Verteidiger des 17-jährigen Erstangeklagten fest und fuhr fort: "Ja, er hat ihn geschlagen. Ja, er hat ihn verletzt. Er übernimmt die volle Verantwortung für die Körperverletzungen." Den vorgeworfenen Raub stritten alle Angeklagten ab. Denn man müsse den Vorsatz haben, das Geraubte auch behalten zu wollen. Den Burschen sei es aber um die Demütigung des mutmaßlichen Dealers gegangen, so die Verteidigungslinie.

Zudem habe das mutmaßliche Opfer zuvor ein Messer gezogen und die Uhr und die Kette des 18-Jährigen, der in Folge als erster zugeschlagen hatte, gegen "Gras" tauschen wollen, wie dieser aussagte. Als der Bursche nach der Uhr und der Kette gegriffen und nicht abgelassen habe, habe er ausgeholt. "Ich habe ihm den ersten Schlag gegeben, er ist zu Boden gefallen. Ich war in einer Schockstarre", erklärte er. Es tue ihm "unendlich" leid, hatte zuvor sein Anwalt gesagt. Nach dem Vorfall habe der Bursche dem Blutenden ein neues T-Shirt gegeben, hielt er zugute. "Gewalt ist keine Option, das hat er eingesehen", schloss der Anwalt. Im Laufe des Verhandlungstages werden dann erste Zeugen befragt.

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