Sturm jubelt über Hierländer-"Märchen" statt Titelhattrick

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Hierländer wurde gefeiert

Bild: APA/APA/ERWIN SCHERIAU/ERWIN SCHERIAU


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Meister, Meister, Vizemeister: Der verpasste Titelhattrick in der Fußball-Bundesliga ist für Sturm am Sonntag zur Nebensache geworden. Denn Stefan Hierländer erlebte nach zehn Jahren bei den Grazern einen Abschied wie aus dem Bilderbuch, mit einem sehenswerten Freistoß ins Kreuzeck in Minute 91 zum viel umjubelten 2:0-Endstand gegen Rapid. Der entthronte Titelverteidiger feierte beim Saisonabschluss damit trotzdem ein Happy End, obwohl dem LASK das Meisterstück gelungen war.

Nach dem Schlusspfiff richteten die Sturm-Verantwortlichen den Linzern sportliche Glückwünsche aus. "Doublesieger heißt, dass der LASK vor allem im Frühjahr grandios gespielt hat. Das war natürlich beeindruckend, wenn man sieht, wo sie im Herbst gestanden sind", betonte Sturm-Präsident Christian Jauk. Fabio Ingolitsch gratulierte den Oberösterreichern zum Doublegewinn, auch wenn der Sturm-Trainer den Meisterteller freilich gerne selbst in die Höhe gestemmt hätte. Es sei schade, sagte Ingolitsch, "dass der LASK seine Hausaufgaben gemacht hat. Aber wenn man realistisch gedacht hat, war das so zu erwarten."

Hierländer wie Beckham

Zuvor hatte sich seine Mannschaft gegen Rapid nach langer Überzahl erst in den Schlussminuten mit zwei Toren belohnt. Hauptprotagonist war Hierländer, der die Grazer nach zehn Jahren und 317 Pflichtspielen verlassen wird. Erst vergab der langjährige Kapitän nach seiner Einwechslung in der 84. Minute eine Großchance, in der Nachspielzeit versenkte der 35-Jährige einen Freistoß unhaltbar zu seinem ersten Saisontor. "Dass er den Freistoß so ins Kreuzeck schießt, ist fast ein kleines Märchen", urteilte Ingolitsch. "Das Ende mit Hierli war eine Kompensation für die Enttäuschung", sagte Otar Kiteishvili.

Der Georgier habe ihn vor dem Freistoß angespornt, erzählte Hierländer. "Du musst ein bisschen wie David Beckham sein, zeig es mal", hatte der Bundesliga-Spieler der Saison gefordert. Gesagt, getan. Hierländer erfüllte den Auftrag und wurde danach von seinen Teamkollegen auf Schultern getragen. Die schwarz-weißen Fans würdigten den bescheidenen Leistungsträger mit minutenlangen Sprechchören, Hierländer selbst verabschiedete sich mit einer Rede über das Stadionmikro.

Zukunft von "Ikone" Hierländer offen

"Das wird mir ewig in Erinnerung bleiben", sagte der dreifache ÖFB-Teamspieler wenig später über den emotionalen Abschied. "Es ist irgendwo auch kitschig und schön." Ob Hierländer woanders weiterspielt oder seine Karriere beendet, ist noch offen. "Der Freistoß hat mich jetzt auch zum Überlegen gebracht, ob nicht doch noch irgendwas da drin ist", sagte er. Eine Tätigkeit im Verein bei Sturm sei jedenfalls naheliegend. "Ich habe ein paar Gespräche geführt. Aber dafür ist es jetzt zu wenig, dass ich in einer anderen Rolle weitermache", ergänzte der Mittelfeldspieler. "Ich muss einmal Abstand gewinnen." Jauk adelte Hierländer unterdessen als "Ikone", die sicher die Möglichkeit gehabt hätte, mehr zu verdienen.

Sturm will sich nächste Saison im Europacup wieder etwas dazuverdienen, los geht es in der 2. Qualifikationsrunde zur Champions League. Ingolitsch zog auch deshalb ein positives Fazit über das Frühjahr. "Ich bin hierhergekommen und war fast fassungslos, was für eine deprimierte Stimmung herrschte", sagte er über seine Ankunft im Jänner. "Da hätte ich nicht gedacht, dass wir am letzten Spieltag um die Meisterschaft spielen."

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Heil soll vor Wechsel zu Sturm stehen

Nun warten spannende Monate auf die Grazer. Im Kader schlummert einiges Talent, mit Jacob Peter Hödl (19) und Luca Weinhandl (17) haben sich Gewächse mit Kernöl-DNA etabliert, und doch wird der Transfersommer ein wichtiger. So soll Hartberg-Urgestein Jürgen Heil laut "Sky" vor einem ablösefreien Wechsel nach Graz stehen. Dass Sturm die Spendierhose am Transfermarkt anhaben wird, ist nicht zu erwarten und doch hat Ingolitsch einige Wünsche bereits deponiert. Die Außenpositionen - in Graz neudeutsch "Wingbacks" genannt - waren dabei ebenso ein Thema wie ein schon länger fehlender Stoßstürmer.

"Im Winter haben wir uns alle einen anderen Stürmertypen gewünscht. Wir haben es aber leider nicht geschafft, das zu realisieren", blickte Ingolitsch zurück. Dieses Transferziel haben die Schwarz-Weißen nicht aus dem Auge verloren. "Mit einem Mammutprogramm im Herbst braucht es hoffentlich die nötige Breite." Das sei auch ein Grund gewesen, warum Sturm letztendlich die entscheidenden Punkte zum Titel gefehlt hätten, resümierte der Sturm-Coach.

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