Terror-Prozess gegen vier Jugendliche, die zum IS wollten

Veröffentlicht:

von Agenturen

Die männlichen IS-Anhänger waren vor einem Schöffensenat geständig

Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH


- Anzeige -
- Anzeige -

Gegen zwei 17-jährige Burschen und zwei Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren ist am Donnerstag am Wiener Landesgericht wegen der Verbrechen der terroristischen Vereinigung, der Reise für terroristische Zwecke und der kriminellen Organisation verhandelt worden. Die Anklage legte den vier Jugendlichen vor allem zur Last, sie wären Ende Mai 2025 zu einer Reise aufgebrochen, um sich in Syrien der radikalislamischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) anzuschließen.

Die Burschen waren jeweils nach islamischem Recht mit den weiblichen IS-Anhängerinnen verheiratet. Beim Hauptangeklagten handelte es sich um einen gebürtigen Syrer, der 2015 mit seinen Eltern als Siebenjähriger aus seiner Heimat nach Österreich geflüchtet war, "damit ich eine Zukunft aufbauen kann und wegen dem Krieg dort", wie er einem Schöffensenat darlegte. Eine "falsche Umgebung und falsche Freunde" hätten ihm das Gedankengut des IS nahegebracht.

In kürzester Zeit radikalisierte sich der Syrer. Ab Mai 2024 verbreitete er über seinen TikTok-Account insgesamt 481 Videos und Textbeiträge mit den IS glorifizierenden Inhalten. Über WhatsApp forderte er einen Bekannten auf, einen Schiiten mit einem Messer zu töten, da dieser "ungläubig" sei. Der 17-Jährige erstellte auch ein Dokument mit dem Titel "Verteidigungsschrift für den IS" und versuchte, diese PDF-Datei auf ChatGPT hochzuladen, um daraus einen Treueschwur auf den IS formulieren zu lassen, was die KI allerdings ablehnte. Der Syrer befindet sich seit Ende Oktober 2025 wegen Tatbegehungsgefahr in U-Haft.

Angeklagter im Zusammenhang mit Wiener Bandenkrieg verurteilt

Der zweite 17-Jährige weist bereits zwei Vorstrafen auf. Zum einen wurde er im vergangenen Oktober als IS-Propagandist zu sechs Monaten bedingt verurteilt. Zum anderen fasste er Anfang Jänner 2026 am Wiener Landesgericht wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung und schwerer gemeinschaftlicher Gewalt ebenfalls sechs Monate auf Bewährung aus: der Tschetschene war an dem "Bandenkrieg" zwischen Tschetschenen und arabischstämmigen jungen Männern beteiligt, der am 7. Juli 2024 am Bahnhof Meidling eskalierte, als in verabredeter Weise mehrere Afghanen von einer Horde Bewaffneter angegriffen und teilweise schwer verletzt wurden. Der von Verteidiger Lukas Hruby vertretene Lehrling befindet sich auf freiem Fuß.

Über den IS hatten der Syrer und der Tschetschene zueinander gefunden und sich angefreundet. Im Hyblerpark in Wien-Simmering entrollten sie am helllichten Tag eine große IS-Fahne, ließen sich dabei fotografieren und verbreiteten das Bildmaterial für Propagandazwecke über ihre Social Media-Kanäle. Laut Anklage fassten sie schließlich den Entschluss, sich gemeinsam mit ihren Partnerinnen nach Syrien zu begeben, um sich dort dem IS anzuschließen.

In Deutschland von Polizei aufgegriffen

Am 27. Mai 2025 fuhren die vier mit einem vom Syrer gelenkten Auto - der 17-Jährige besaß zu diesem Zeitpunkt gar keinen Führerschein - nach Deutschland und wollten der Anklage zufolge dann weiter nach Syrien. Sie wurden jedoch von der Polizei aufgegriffen, da eines der Mädchen von den Eltern als abgängig gemeldet worden war und nach der Vermissten gefahndet wurde. Das Quartett wurde bei einer Polizeikontrolle angehalten und in weiterer Folge nach Österreich abgeschoben.

Die zwei 17-Jährigen waren vor Gericht weitgehend geständig und gaben an, sie hätten sich inzwischen vom IS losgesagt. Auch die 15-Jährige stellte die gegen sie gerichteten Vorwürfe nicht in Abrede. Lediglich die 16-Jährige bekannte sich "nicht schuldig" und behauptete, sie habe lediglich ihre Mutter in Deutschland besuchen und Urlaub machen wollen. Von den Absichten der Burschen habe sie nichts gewusst.

Die Jüngste erklärte in ihrer Beschuldigteneinvernahme, sie habe den 17-jährigen Syrer "über Insta" kennengelernt: "Sein Aussehen und er selber hat mir gefallen." Die fast noch kindlich wirkende IS-Anhängerin - sie hatte einen Telegram-Kanal mit Inhalten des rechtskräftig verurteilten Hass-Predigers Mirsad O. alias Ebu Tejma abonniert - berichtete, sie habe sich vom 17-Jährigen überreden lassen, ihn "auf einer Reise" zu begleiten.

- Anzeige -
- Anzeige -

15-Jährige träumte von Garten und Pool in Syrien

Erst auf der Autobahn habe sie erfahren, dass es über Deutschland nach Syrien gehen sollte. Der 17-Jährige habe ihr erklärt, seine Familie habe dort "zwei oder drei Villen. Ich hab' mir gedacht, ich werde dort leben können. Mit Garten." Sie habe sich ausgemalt, sie werde "Tiere kaufen", und "in einem Pool schwimmen".

Während der Fahrt hätte sie mitbekommen, dass die Burschen "gegen Jesiden und andere, die gegen den Islam ist, kämpfen wollen", sagte die 15-Jährige, die beim AMS als Arbeit suchend gemeldet ist. Von "70 Frauen", die sie im Jenseits erwarten würden, "wenn sie im Kampf sterben", sei die Rede gewesen. In Augsburg - dort sollte es dann per Zug weitergehen - habe sie "zurück gehen wollen" und ihre Entscheidung bereut, die Reise angetreten zu haben: "Aber ich dachte, es gibt kein Zurück mehr." Sie habe gedacht, "ich blamiere mich, wenn ich gesagt hätte, ich mach' es nicht".

Während der Autofahrt seien auch radikalislamische Nasheeds abgespielt worden, darunter der berüchtigte Sprechgesang "Auf zum Schlachten" von Denis Cuspert alias Abu Talha Al-Almani, schilderte die 15-Jährige. Auf die Frage, weshalb sie an Ebu Tejma Gefallen gefunden hätte, erwiderte das Mädchen mit tschetschenischen Wurzeln: "Er hat über den Islam geredet. Ich hab' sein Deutsch am besten verstanden."

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken