Van der Bellen: "Robert Schuman wäre begeistert"

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Europatag-Veranstaltung vor dem Stephansdom in Wien

Bild: APA/APA/TOBIAS STEINMAURER/TOBIAS STEINMAURER


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Blaue Baseball-Kappen, Fahnen und Luftballons, dazu Rauchmaschinen und Rockmusik: Am Wiener Stephansplatz feiern am Samstagnachmittag hunderte Menschen den Europatag. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigt sich überzeugt, dass Europa-Pionier Robert Schuman von der Veranstaltung "begeistert" wäre. Für viele der Besucherinnen und Besucher steht Europa für Gemeinschaft und Offenheit - andere fordern mehr Einsatz für Menschen außerhalb Europas.

Rave-Stimmung vor dem Stephansdom

Auf der Bühne steht Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Zwischen Nebelschwaden und Musikboxen wippt er den Kopf im Takt der Musik. "Er ist wie ein König", scherzt eine Zuseherin. "Sascha!", ruft eine andere. Dann tritt der Bundespräsident ans Mikrofon. "Die europäischen Staaten sind klein, aber gemeinsam, gemeinsam sind wir riesig", sagt Van der Bellen. "Behalten wir die große europäische Idee von Robert Schuman im Kopf: Zusammenarbeit statt Zerstörung." Und weiter: "Robert Schuman wäre begeistert, wenn er am Stephansplatz so viele europabegeisterte, europapatriotisch gesinnte Leute sehen könnte ... Er wüsste wahrscheinlich nur nicht, was ein Rave ist", scherzt er.

Auch andere Politikerinnen und Politiker werben an diesem Nachmittag für ein starkes Europa. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner betont die Bedeutung von Zusammenhalt innerhalb der Europäischen Union. "Auf der gesamten Welt wird Europa als die Region gesehen, in der Stabilität, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie selbstverständlich sind. Manche in Europa, ja auch in Österreich, wollen genau diese Stärke als Schwäche darstellen - das dürfen wir nicht zulassen." Europa starte trotz aktueller Krisen "nicht von null", sondern könne Herausforderungen gemeinsam bewältigen. "Wenn wir in Europa zusammenhalten, werden wir auch zukünftige Herausforderungen meistern."

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bezeichnet Europa als ihr "politisches Herzensthema". Eine starke EU bringe Österreich "mehr Wohlstand, mehr Sicherheit, mehr Freiheit". Gerade jetzt brauche es "mehr Europa: für eine Union, die stärker, schneller und handlungsfähiger ist." Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hebt die Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit hervor. "Unser gemeinsames Europa ist einer der historisch größten Erfolge überhaupt", sagt er.

Europa als Gemeinschaftsgefühl

Für viele Besucherinnen und Besucher steht Europa vor allem für Gemeinschaft und Offenheit. "Europa ist ein Sammelsurium an Ländern, die zufällig nah aneinander liegen, aber viel gemeinsam haben. Europa ist für mich ein Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt", erklärt Lena (30). Für Oliver (31) ist die EU "eine Erfolgsgeschichte", zugleich aber auch "ein Projekt, das noch nicht abgeschlossen ist".

Für andere Teilnehmer bedeutet Europa vor allem Reisefreiheit und offene Grenzen. "Man kann viel reisen untereinander", sagt Ebu (21). Jacqueline (40) verbindet mit Europa "einen Fall der Grenzen - auch einen innerlichen Fall der Grenzen. Die EU bringt Menschen zusammen", betont sie. Ein weiterer Besucher ist vor drei Jahren mit seiner Familie aus dem Iran nach Österreich gekommen. "Europa bedeutet für uns Heimat", pflichtet er bei.

Kritische Stimmen zur Europa-Feier

Doch nicht alle Stimmen am Stephansplatz sind euphorisch. Eine Teilnehmerin wünscht sich mehr Engagement "für Menschen in Ländern außerhalb Europas, denen es nicht so gut wie uns geht". Europa bedeute für sie auch Schuldgefühle. "Uns in Europa geht es sehr gut. Ich tu' mir manchmal schwer, das zu genießen, weil man über die sozialen Medien die ganzen Missstände auf der Welt mitbekommt."

Zuvor waren Ansprachen von Meinl-Reisinger und Ludwig von Demonstrantinnen und Demonstranten gestört worden. Sie riefen "Free Palestine" und übertönten die Reden der Politikerinnen und Politiker mit Trillerpfeifen und einem Megafon. Die Protestaktion wandte sich gegen die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest in Wien und machte auf Missstände im Gazastreifen aufmerksam. Auch das gehöre für sie zu Europa, ergänzt die Teilnehmerin: sich für jene stark zu machen, denen es schlechter gehe.

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Geschichte des Europatags

Der Europatag geht auf den 9. Mai 1950 zurück. Damals präsentierte der französische Außenminister Robert Schuman seinen Plan zur Zusammenlegung der europäischen Kohle- und Stahlindustrie. Die Idee dahinter: Eine enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen Frankreich und Deutschland sollte Krieg nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich machen. Aus der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) entstand später die heutige Europäische Union.

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