"Wiedersehen" in Klagenfurt: Kammerspiel am Sterbebett
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von Agenturen"Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung" als Kammerspiel in der Intensivstation
Bild: APA/APA/Stadttheater Klagenfurt/Arnold Pöschl/Arnold Pöschl
Mit "Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung" widmet sich David Bösch, Schauspieldirektor am Landestheater Linz, einem schmerzhaften Thema: Wie umgehen mit dem Sterben eines Kindes? Als Regisseur seines eigenen Stückes zeigte Bösch bei der Premiere am Donnerstag im Stadttheater Klagenfurt, was er kann. Als Autor überzeugt er allerdings nicht. Was das ratlose Publikum mit höflichem Applaus quittierte.
Ein lange getrenntes Elternpaar trifft in dieser Koproduktion des Stadttheaters mit dem Landestheater Linz in der Intensivstation eines Krankenhauses aufeinander. Der Sohn liegt nach einem Unfall im Koma, zwischen Akzeptanz und Aufbegehren ringen die beiden um Fassung. "Nicht aufgeben, lautet die Devise", heißt es einmal, doch die Zeit "vertropft" und aus Stunden werden Monate. Während die Mutter oft stumm und fahrig Dinge hin- und herräumt und genervt die Krankenhausbibel im Nachttisch verstaut, findet der Vater Halt am Snack-Automaten im Wartebereich.
Mit atmosphärischen Videoprojektionen und Bühnennebel (Design und Maskenbau Patrick Bannwart) eröffnet sich eine märchenhafte zweite Erzählebene, wobei die Kinder Jonah und Hannah, beide an der Schwelle zwischen Leben und Tod, einen spielerisch-neugierigen Dialog führen. Die Darsteller der Eltern verwandeln sich dabei mit einer Puppe und einer Fuchsmaske in zwei zarte Fabelwesen. Die berührendsten Momente gelingen hier Nanette Waidmann als Füchsin. Dezent choreografiert und stark im Ausdruck verwandelt sie sich in einer Umdrehung von der gramgebeugten Mutter in das fantasievolle Mädchen in Fuchsgestalt. Helmuth Häusler, sonst der hilflos-polternde Vater, gibt als dezenter Puppenspieler dem sterbenden Jonah seine Stimme.
Hölzerne Dialoge und Zitate aus der Popkultur
So poetisch Regisseur David Bösch diese Szenen aus dem Zwischenreich gelingen, so hölzern wirken die Dialoge aus der realen Welt der Eltern. Nicht Emotion wird vermittelt, sondern Banales ins Scheinwerferlicht geholt. Von "Doktor Brinkmann" aus der Schwarzwaldklinik über Kim Kardashian bis zu Patrick Swayze im Film "Ghost" reichen die Zitate aus der Popkultur. Nick Cave darf nicht fehlen, und auch mit einem Hörbuch von Harry Potter, "erfunden von der transfeindlichen Frau" Joanne Rowling, versuchen die Eltern ihren Sohn zurückzuholen. Zwischendurch leuchten zwar einzelne Sätze auf ("Gespräche, die ein Schweigen sind"), doch mit der unauthentischen Sprache ("Chill mal! Das ist so depri!") und einem überfrachteten, langen Schlussmonolog der Mutter gelingt es Autor Bösch kaum, den Schmerz der Eltern sichtbar zu machen.
Textliche Straffung hätte dem etwas über zwei Stunden langen Stück, in dem nur wenig erzählt wird, gut getan. Die rhythmischen Geräusche der Beatmungsmaschine und das Piepsen der Herztöne sind der Countdown zu Jonahs Lebensende - ein Ende, das das Premieren-Publikum kaum noch erschütterte.
(Von Karin Waldner-Petutschnig/APA)
(S E R V I C E - "Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung" von David Bösch im Stadttheater Klagenfurt, Koproduktion mit dem Landestheater Linz, Regie: David Bösch. Bühne/Kostüme/Sound- und Videodesign/Puppen- und Maskenbau: Patrick Bannwart. Sie + Hannah: Nanette Waidmann. Er + Jonah: Helmuth Häusler. Weitere Aufführungen: 11., 18., 21., 23., 29. April, 8., 13., 2.. Mai 2026, jeweils 19.30 Uhr. Karten: 0463/54 0 64, www.stadttheater-klagenfurt.at )
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