Wiener Donauturm lädt zum Höhenangst-Seminar

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Empfohlen wird direkte Konfrontation mit der Höhe

Bild: APA/GERALD MACKINGER


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Wer in größeren Höhen nicht die Aussicht genießt, sondern in Panik gerät, kann nun ausgerechnet im höchsten Bauwerk des Landes auf Abhilfe hoffen. Der Wiener Donauturm bietet spezielle Höhenangst-Seminare an. Praxisnah werden dort Übungen gezeigt, mit denen Betroffene an Sicherheit gewinnen sollen. Dass es hier Bedarf gibt, lässt sich auch aus einer aktuellen Studie schließen. Laut dieser sind Höhenangst-Symptome weit verbreitet.

Das betrifft sogar den Chef höchstpersönlich. "Ich habe Höhenangst", gestand Roman Bauer, der Geschäftsführer des Wiener Wahrzeichens, bei einem Medientermin am Dienstag. Die Arbeit im Turm sei zwar kein Problem, aber die neue Turm-Rutsche habe er nicht sofort ausprobiert, berichtete er. Auch bei den Gästen erlebe er immer wieder, dass sich einige oben nicht ganz wohl fühlen.

Höhenangst stark verbreitet

Die Intensität der Angstzustände kann unterschiedlich sein. Wie eine Studie, die im Auftrag des Donauturms erstellt wurde, ergeben hat, sind 66 Prozent der Bevölkerung in irgendeiner Form betroffen. 22 Prozent fühlen sich in der entsprechenden Situation stark unwohl. 44 Prozent berichteten von mittlerem Unwohlsein. 55 Prozent der Befragten haben mindestens einmal bewusst auf eine Aktivität verzichtet, weil sie mit Höhe verbunden war.

Als besonders herausfordernd wurden Glasplattformen, Skywalks, Leitern oder offene Aussichtsplattformen genannt - wobei 14 Prozent sogar in geschlossenen Aussichts-Bereichen Angst haben. Die Betroffenen berichteten von einer ganzen Reihe von typischen Reaktionen, also etwa von Unsicherheit beim Gehen, weichen Knien, Herzklopfen, erhöhtem Puls oder schweißnassen Händen.

"Höhenangst ist etwas Normales", beruhigte Johannes Lanzinger vom Psychologischen Zentrum "Phobius", mit dem die Workshops entwickelt wurden. Höhe werde als potenziell gefährlich angesehen. Das löse Stress und körperliche Empfindungen aus. Die Panik könne jedoch auch dazu führen, dass die Angst größer werde, etwa weil man befürchtet, ohnmächtig zu werden, erläuterte er.

Konfrontation statt Vermeidung

In den Kursen werden Wege aus der Angstspirale vorgezeigt. Wobei zahlreiche Menschen auch ohne Training Strategien anwenden, um sich zu beruhigen. Tipps wie Festhalten oder in die Ferne schauen sind weit verbreitet. Dieses Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten könne aber das Gegenteil auslösen und die Angst verstärken, warnte Lanzinger. Mehr Sinn macht laut dem Psychologen eine direkte Konfrontation mit der Situation.

Zum Geländer zu gehen und nach unten zu blicken gehört dabei genauso dazu wie das Anlehnen an Glaswände. Wichtig ist dabei laut Lanzinger, ruhig zu atmen, die Muskeln zu entspannen und sich zu sagen, dass keine Gefahr bestehe. Dies alles wird bei den insgesamt dreistündigen Events gezeigt. Die Übungen finden auf der Außenterrasse und in den Turm-Lokalen - also in bis zu 160 Metern Höhe - statt. Es besteht auch die Möglichkeit, als "Mutprobe" die Außenrutsche auszuprobieren.

Bis zum Jahresende gibt es neun Workshop-Termine. Maximal 14 Personen können daran teilnehmen. Die Kosten belaufen sich auf 199 Euro pro Person. Zielgruppe sind Menschen mit moderater Höhenangst, wie betont wurde. Wer an einer besonders starken Höhenphobie leidet, dem wird die Auffahrt auf den Turm nicht empfohlen. Für sie gibt es eigene Therapien, die nicht in luftiger Höhe, sondern in Praxisräumlichkeiten durchgeführt werden.

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