Kopfschmerz-Check
Warum Migräne weit mehr als nur Wehwehchen ist
Veröffentlicht:
von Dijana DjordjevicTreffpunkt Österreich zu Mittag
Kopfschmerz-Check: Warum Migräne weit mehr als nur Wehwehchen ist
Videoclip • 05:56 Min
"Migräne ist immer viel mehr als nur Kopfschmerzen", betont Dr. Christian Wöber, Leiter der Kopfschmerzambulanz der MedUni Wien. Wie man Migräne erkennt, warum Frauen häufiger betroffen sind und welche Behandlungsmethoden es gibt - ein Überblick.
Das Wichtigste in Kürze
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die weit mehr als Kopfschmerzen umfasst.
Bei Betroffenen treten häufig zusätzliche Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen auf.
Die Behandlung reicht von Akutmedikamenten bis zu Vorbeugung, etwa durch Lebensstilmaßnahmen, Entspannungstechniken und – bei schweren Fällen – spezielle Therapien.
Rund eine Million Menschen in Österreich leiden Migräne. Viele davon verfügen über keine eindeutige Diagnose. Dabei handelt es sich um eine häufig unterschätzte, komplexe neurologische Erkrankung.
Wie erkennt man Migräne?
Viele Betroffene würden schon vor Einsetzen der Kopfschmerzen merken, dass eine Migräne-Attacke herannaht: Durch Stimmungsänderungen, Müdigkeit, Heißhunger, Gähnen, Licht- und Geräuschüberempfindlichkeit, erklärt Dr. Christian Wöber, Leiter der Kopfschmerzambulanz der MedUni Wien.
Bei manchen würden auch sogenannte "Aura-Symptome" auftreten - das sind "spezielle neurologische Phänomene". Am häufigsten seien hier Sehstörungen, die sich "mit einem kleinen Punkt beginnend zur Peripherie des Gesichtsfeldes hinausbreiten". Manchmal würden auch Gefühlsempfindungsstörungen oder Sprachstörungen auftreten - das betreffe etwa 10 Prozent der Betroffenen.
"Dann setzen die pochenden, pulsierenden Kopfschmerzen ein – meist, aber nicht immer einseitig", betont Wöber. Begleitet würden diese immer von anderen Phänomenen wie Übelkeit, Erbrechen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen.
Selbst wenn die Kopfschmerzen abgeklungen sind, würden sich viele noch nicht fit fühlen. "Weil Nachklingsymptome wie Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit bestehen bleiben und es kann ein, zwei Tage dauern, bis dann die Migräne-Attacke tatsächlich vorbei ist", so Wöber.
Warum sind Frauen häufiger betroffen?
Frauen sind laut der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Das liege laut dem Universitätsprofessor an den weiblichen Geschlechtshormonen.
So würden viele Frauen einen Zusammenhang zwischen Migräne und der Monatsblutung beobachten. "Knapp vor der Blutung, in den ersten Tagen der Blutung ist das Migräne-Risiko erhöht. Unter den Mädchen ist es manchmal so, dass vor Einsetzen der ersten Blutung besonders häufige Attacken auftreten und mit der ersten Blutung geht es dann wieder zurück."
In der Schwangerschaft würden viele Frauen andererseits beobachten, dass die Migräne weniger wird, da hier der Hormonspiegel konstant hoch ist.
"Der Zusammenhang mit der Monatsblutung, das ist das Auf und Ab der Hormone", so der Universitätsprofessor. Es handle sich nicht um eine Hormonstörung.
Wann sollte man zum Arzt?
Viele würden nicht zum Arzt gehen, wenn sie zwei, drei Mal im Jahr starke Kopfschmerzen haben, die mit einer Tablette aus der Apotheke rasch abklingen. Hier bestehe auch "keine wirkliche Notwendigkeit" dafür, sagt Wöger.
"Aber wenn sich Kopfschmerzen häufen, den Alltag beeinträchtigen oder gar Alltagsaktivitäten unmöglich machen, dann ist es unbedingt erforderlich, dass die Betroffenen ärztliche Hilfe suchen."
Hier sollte man das Thema mit seinem:r Hausärzt:in besprechen und sich bei Bedarf an Spezialist:innen wenden. "Die Spezialist:innen für Kopfschmerzen, Migräne, das sind die Fachärzte für Neurologie."
Therapiemethoden: Wie wird Migräne behandelt?
Zum einen gebe es schon seit 35 Jahren sogenannte Triptane - das sind speziell für Migräne entwickelte Akuttherapeutika. Diese seien "nachgewiesenermaßen besser wirksam als gängige Schmerzmittel". "Allerdings haben nicht mehr als sechs Prozent der Menschen in Österreich eine Verschreibung für solche Medikamente erhalten", sagt Wöger.
"Was wir erreichen wollen bei einer akuten Migräneattacke ist das Abklingen innerhalb von zwei Stunden, so dass dann der Alltag wieder unbeeinträchtigt möglich ist."
Der zweite Schritt in der Behandlung der Migräne sei die vorbeugende Behandlung. Immer dann, wenn es häufige Attacken gibt - die Grenze liege etwa bei einem Migränetag pro Woche - dann "brauchen wir auch Behandlungen mit dem Ziel, dass die Attacken weniger werden".
Zu den Möglichkeiten zählen hier:
Lebensstilmaßnahmen wie genug Flüssigkeit trinken, regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend schlafen, Bewegung und Ausdauersport
Entspannungstechniken wie Akupunktur
Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Riboflavin, Vitamin B2
"Und dann, bei schwerer Betroffenen eben spezielle medikamentöse Maßnahmen", so Wöger.
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