Caritas und Lebenshilfe warnen vor Kürzungen bei Behinderten
Veröffentlicht:
von Agenturen++ ARCHIVBILD ++ Für Caritas und Lebenshilfe ist das Budget "nicht barrierefrei"
Bild: APA/APA/dpa/Hendrik Schmidt
Caritas und Lebenshilfe haben anlässlich der anlaufenden Budgetverhandlungen der Bundesregierung vor Einsparungen im Sozialbereich und bei Menschen mit Behinderung gewarnt. Besondere Sorge bereiten den Sozialorganisationen die geplanten Kürzungen beim sogenannten Ausgleichstaxfonds (ATF), der Mittel zur beruflichen Inklusion bereitstellt. "Die Folgen sind fatal", zeigte sich Klaus Schwertner, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, alarmiert.
Der ATF habe sich als "wirksames Instrument" etabliert, so Schwertner. Mit 210 finanzierten Projekten in ganz Österreich hätten im vergangenen Jahr 110.000 Menschen unterstützt werden können. Mit "vergleichsweise geringen Mitteln" sei sehr viel möglich, betonte er. Die Bundesregierung habe zwar kurzfristig zusätzliche Mittel in Aussicht gestellt, laut dem aktuellen Budgetpfad sollen diese aber "drastisch" abnehmen - und zwar von 65 Mio. in diesem Jahr auf 15 Mio. Euro im Jahr 2029. Die Folgen wären ökonomisch und sozial verheerend.
Scharf fiel auch die Kritik vom Generalsekretär der Lebenshilfe, Philippe Narval, aus: "Selbstbestimmung ist kein Luxus." Die Kürzungen beim ATF würden dazu führen, dass jahrelang aufgebaute Strukturen verloren gehen. Narval sieht genügend andere Sparmöglichkeiten: "Dieses Land leistet sich neun unterschiedliche Gesetzgebungen für Menschen mit Behinderung." Nicht nur, dass dies eine "Geburtslotterie" sei, bedeute es doch auch einen riesigen Verwaltungsaufwand. Mit der Schaffung eines einheitlichen Gesetzes könnten Millionen eingespart werden, argumentierte Narval: "Oder auch mit der Abschaffung der Sonderschulen, die ein teures Parallelsystem darstellen."
Problemfeld Sozialhilfe
Ähnlich verheerend gestaltet sich die Situation bei der Sozialhilfe. Über 20 Prozent der Bezieher lebten mit einer Behinderung, so Schwertner. Kürzungen in diesem Bereich würden diese Menschen besonders hart treffen. "In einem ersten Schritt werden Projekte zusammengestrichen. Wenn Menschen dann dadurch mangels Alternativen auf die Sozialhilfe angewiesen sind, erleben wir einen diffamierenden Diskurs", kritisierte Schwertner. Die Sozialhilfe sei längst "ein Fleckerlteppich". Durch einen "Wettlauf der Bundesländer" sei eine "Nivellierung nach unten" entstanden. Teilweise hätten Menschen mit Behinderung bis zu 3.000 Euro weniger im Jahr zur Verfügung. Schwertner appellierte an die Bundesregierung, mit "mehr politischem Augenmaß" zu agieren.
Freilich habe man Verständnis, dass das Budget saniert werden müsse. Dies solle aber nicht auf dem Rücken von Menschen mit Behinderung erfolgen. Das Anliegen einer einheitlichen Gesetzgebung stoße bei der Politik derzeit nicht auf offene Türen. "Derzeit sehen wir wenig Bereitschaft, diesen Fleckerlteppich zu beenden", so Narval. Die Reformpartnerschaft befasse sich nicht mit dem Thema. "Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch, diese Hoffnung habe ich aber aufgegeben." Eindringlich appellierte Narval, dass nicht bei den ATF-Mitteln gespart werden dürfe. "Ein Kind mit Behinderung kann in jeder Familie geboren werden. Auch kann eine erworbene Behinderung jeden treffen." Daher sollte die Gesellschaft auch dieses "solidarische System" erhalten.
Mehr entdecken

Sabotage bei Pipeline: Ermittlungen laufen auf Hochtouren

US-Popstar Britney Spears begibt sich in Entzugsklinik

Symphonieorchester Vorarlberg 2026/27 mit "neuen Ideen"

Mann trat in München gegen S-Bahn und wurde mitgeschleift

ÖGB lässt Vergleich mit Spittaler Bürgermeister platzen

Empfohlene Jahresration Fleisch in Österreich schon gegessen
