"Constructing Textiles": Anni Albers im Unteren Belvedere
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von AgenturenTeppich von Anni Albers im Unteren Belvedere
Bild: APA/Wolfgang Huber-Lang
Was für ein glücklicher Zufall! Parallel zu der von der Keramik kommenden, aber in alle Richtungen weiterdenkenden Künstlerin Vally Wieselthier (1895-1945), die ab Mittwoch im MAK zu sehen ist, zeigt das Untere Belvedere die nur vier Jahre jüngere Textilkünstlerin Anni Albers, die ebenfalls großen Einfluss auf das Design des 20. Jahrhunderts, aber ein halbes Jahrhundert mehr Lebenszeit hatte. Die eine wurde in Wien, die andere in Berlin geboren. Beide starben in den USA.
Anni Albers wanderte mit ihrem Mann Josef Albers nach Amerika aus, nachdem das Bauhaus, an dem die beiden studiert und gearbeitet hatten, von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Ihre Diplomarbeit am Bauhaus machte sie über einen Wandverkleidungsstoff aus einem lichtreflektierenden Material, das sie in einem Hutinneren entdeckt hatte, erzählte Kuratorin Fabienne Eggelhöfer bei der Presseführung am Dienstag und fügte hinzu: "Ich bin überzeugt, sie wäre fasziniert von den vielen neuen Materialien, die heute im Textilbereich eingesetzt werden."
Material als Mittel der Kommunikation
Der Rundgang durch die rund 180 Textilobjekte und einige Papierarbeiten umfassenden Schau konfrontiert mit Geweben, die aus Wolle und Baumwolle, Leinen und Metallfäden, Jute und Nylon, Lurex und Rayon, Zellophan und Zellulosefasern, Stroh und Chenille und weiteren Materialien hergestellt wurden. "Was ich vermitteln möchte, ist, dass Material ein Mittel der Kommunikation ist", sagte sie 1982 in ihrem letzten Vortrag, und auch der Titel der bis 16. August laufenden Schau bezieht sich auf einen 1946 von ihr geschriebenen Aufsatz: "Constructing Textiles". Darin führte sie aus, dass Textilien wie Gebäude konstruiert seien. Die Überwindung der durch den herkömmlichen Webstuhl vorgegebenen strengen Rasterstruktur war ihr ein wesentliches Anliegen.
Die Ausstellung sei zwischen Kunst, Design und Theorie angesiedelt und behandle zentrale Themen, die Anni Albers beschäftigten, sagte Co-Kuratorin Brenda Danilowitz. "Anni Albers war eine bemerkenswerte Denkerin und war überzeugt, dass Kunst die Konfusion und das Chaos der modernen Welt widerspiegeln kann", sagte sie. "Heute, wo die Kluft zwischen Kunst und Handwerk immer geringer wird, ist ihr Einfluss noch größer." Danilowitz arbeitet für die Josef and Anni Albers Foundation in Bethany, Eggelhöfer für das Zentrum Paul Klee in Bern, wo die Ausstellung zuvor in ganz anderem Ambiente zu sehen war. Mit beiden Institutionen hat das Belvedere für die Ausstellung, die Albers Werk erstmals umfassend in Österreich präsentiert, eng zusammengearbeitet.
Die Sprache der Fäden
Die Ausstellung zeigt nicht nur Albers' großes Interesse an neuen Materialien und ihr Studium alter Webtraditionen der Andenregion ("das gelobte Land der Abstraktion"), sondern auch ihre Beschäftigung mit der universellen Bedeutung von Fäden und Knoten. So hatten die Inka komplexe Knoten- und Schnursysteme und gemusterte Webstoffe als Informationsträger im Einsatz. "Ich lernte den Fäden zuzuhören und ihre Sprache zu sprechen", lautet ein anderes prägnantes Albers-Zitat, das in der Ausstellung zu lesen ist.
Zu sehen sind Teppiche und Vorhänge, textile Bilder und Raumteiler, Materialstudien, Muster und Entwürfe sowie einige Stücke aus ihrer Sammlung präkolumbischer Objekte. Besonders eindrucksvoll sind aber Beispiele ihrer Zusammenarbeiten mit Architekten, die sie in ihre Gestaltungsüberlegungen gleichrangig mit einbezogen - etwa beim Bau der Synagoge Emanu-El in Dallas, Texas, dessen riesiger Innenraum von Anni Albers mit acht verschiebbaren Stoffpaneelen gegliedert wurde. Diese wurden aus goldenen, grünen, blauen und silbernen Lurexfäden gewebt, mit denen sie auf die Buntglasfenster von György Kepes reagierte. Zu sehen sind Materialproben, Webmuster, aber auch ein Foto des fertigen Raumes. Phänomenal monumental!
(S E R V I C E - Ausstellung "Anni Albers. Constructing Textiles" im Unteren Belvedere, Wien 3, Rennweg 6, 30.4. bis 16.8., tgl. 10-18 Uhr, Katalog, erschienen im Verlag Hatje Cantz, 248 Seiten, 50 Euro, ISBN 978-3-7757-6036-2, www.belvedere.at )
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