Elegante Seelenqual bei "Castor et Pollux" in Graz
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von AgenturenTänzerische Elemente und Lichteffekte in grün-blauer Meereswelt
Bild: APA/APA/Oper Graz/Werner Kmetitsch/Werner Kmetitsch
Die Barockoper "Castor et Pollux" von Jean-Philippe Rameau hat bei der Premiere am Samstag in der ästhetisch-tänzerischen Umsetzung von Nanine Linning das Publikum in der Grazer Oper begeistert. Die Geschichte der beiden Zwillingsbrüder, die als Sterne am Himmel enden, wurde in einer Meereswelt angesiedelt und bestach vor allem durch schöne Bilder. Musikalisch schlugen sich die Sängerinnen und Sänger tapfer, das Orchester unter Bernhard Forck bestach durch Präzision und Elan.
Das Werk, das nun nicht gerade zu den meistgespielten Opern auf den Spielplänen zählt, ist eine interessante Entdeckung, die eine Aufführung lohnt. Zunächst werden die Liebeswirren zwischen Castor, Pollux, Télaïre und Phébé thematisiert. Dann wird es martialisch, die Musik schlägt von sanften Klagen und Wehmut ob der nicht erwiderten oder nicht möglichen Liebe zu stampfenden, harten Tönen um. Castor stirbt, und die restliche Oper lang versucht sein Bruder, ihn aus der Unterwelt zurückzuholen, bevor beide als Zwillingssterne am Himmel doch wieder vereint sind. Die Frauen gehen übrigens leer aus.
Abwechslungsreiche Musik und tänzerische Elemente
Die Musik von Rameau ist abwechslungsreich und plastisch, die Schrecken der Unterwelt werden ebenso deutlich wie die Liebe der Brüder zueinander in einem wunderschönen Duett. Dazwischen und drumherum gibt es geschmackvolle Details und viele kleine Momente, die eine Entdeckung lohnen.
Regisseurin Nanine Linning bietet keine realistische Deutung oder Psychologisierung an, sie setzt auf kunstvoll-künstliche Bewegungsszenarien in einer Meereswelt mit einigen Felsen (Bühne: Van Veen & Mus), die das Ganze wie sanfte Wellen dahingleiten lässt. Tänzerische Elemente sowohl bei den Solisten als auch im Chor dominieren das Geschehen, dazu gibt es Videos. Die Kostüme (Irina Shaposhnikova) sind schlichte Seidenkleider in blau-grün mit einer zarten Andeutung von Fischgräten und dünne Schleier, die etwas Luftiges einbringen.
Grazer Philharmoniker glänzten mit Barockmusik
Musikalisch gelang der Abend ebenfalls: Die Grazer Philharmoniker bewiesen ihre Kompetenz in Bezug auf Barockmusik, und das Ensemble bot durchwegs gute Leistungen. Nikita Ivasechko gab einen stimmstarken Pollux, Sébastian Monti durfte als Castor zwar weniger, aber dafür innigere Passagen ausdrucksvoll singen. Gleichermaßen überzeugend als unglücklich Liebende wie Furie war Sofia Vinnik (Phébé), die Partie der sanfteren Télaïre war bei Sieglinde Feldhofer gut aufgehoben. Daeho Kim gab einen profunden Jupiter, Franz Gürtelschmied einen hilfreichen Merkur. Will Frost, Marlin Miller, Ekaterina Solunya und Jianwei Liu steuerten kleine, feine Momente bei. Ein Opernabend, der abseits des Gewohnten durch Ästhetik und Geschlossenheit überzeugt.
(Von Karin Zehetleitner/APA)
(S E R V I C E - "Castor et Pollux" von Jean-Philippe Rameau in der Grazer Oper. Musikalische Leitung: Bernhard Forck, Inszenierung: Nanine Linning, Bühne: Van Veen & Mus, Kostüme: Irina Shaposhnikova. Besetzung: Castor: Sébastian Monti, Pollux: Nikita Ivasechko, Télaïre: Sieglinde Feldhofer, Phébé: Sofia Vinnik, Jupiter/Une voix: Daeho Kim, Mercure/Athlète/Une autre voix: Franz Gürtelschmied, Grand Prêtre: Will Frost, Un Spartiate: Marlin Miller, Une Suivante d'Hébé: Ekaterina Solunya, Une Ombre heureuse: Jianwei Liu. Weitere Vorstellungen: 16., 19., 22., 25. April, 29. Mai, 7. und 25. Juni 2026; https://oper-graz.buehnen-graz.com )
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