Israel-Freundschaftspreis für ÖFB-Chef Pröll "Verpflichtung"
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von AgenturenÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Pröll erhielt Israel Friendship Award
Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH
ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll hat den Israel-Freundschaftspreis 2026 erhalten. Der ehemalige Vizekanzler bezeichnete den Preis bei der Verleihung am Mittwochabend in Wien als Verpflichtung. In seinem gesamten politischen und öffentlichen Leben habe er die Regel eingehalten, keine Auszeichnungen anzunehmen. Diese sei Ausnahme. Er sehe den Preis als "Verpflichtung, an der Seite Israels zu stehen - nicht nur in sonnigen Zeiten, sondern genauso in schwierigen Zeiten".
Die israelische Botschaft in Wien würdigt mit dem 2022 ins Leben gerufenen Israel Friendship Award Persönlichkeiten sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft für ihr besonderes Engagement zur Stärkung und Vertiefung der Beziehungen zwischen Israel und Österreich. Die diesjährigen Preise wurden im Rahmen eines Empfanges für den 78. israelischen Unabhängigkeitstag vergeben.
"Verantwortung ist nicht abstrakt"
Er betrachte die Auszeichnung nicht nur als "persönliche Ehrung", sagte Pröll weiter. Sie sei auch ein Auftrag, dazu beizutragen, dass "die Brücken zwischen Israel und Österreich noch stärker werden". Freundschaft erweise sich, wenn man klar Position beziehe und Werte habe, "nicht weil es populär ist". Bei einem Treffen mit Holocaust-Überlebenden in Tel Aviv sei ihm "in der Seele bewusst" geworden, "was die Generation unserer Großväter zu verantworten hat": als Täter, als Mitläufer, als Wegschauer. "Geschichte ist nicht abstrakt. Verantwortung ist nicht abstrakt. Sie sitzt einem manchmal gegenüber, sie schaut einen an und sie hört einem zu." Verantwortung müsse auch Handeln bedeuten. "Antisemitismus darf niemals verharmlost werden, egal in welcher Form er daherkommt."
Europa- und Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) sagte im Namen der Bundesregierung einen entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus zu. "Es geht darum, die Würde jedes Einzelnen zu wahren und die Werte der Demokratie, des Pluralismus und des Respekts zu verteidigen", erklärte sie in einer Rede. Die Zunahme antisemitischer Vorfälle insbesondere seit den Angriffen der Hamas vom 7. Oktober 2023 zeige: Antisemitismus sei "leider nach wie vor sehr präsent" und "angeheizt durch Hass, Desinformation und die Instrumentalisierung der Geschichte dringt er langsam wieder in die Mainstream-Medien vor". Bauer verwies auch auf das diesjährige Jubiläum von 70 Jahren bilaterale Beziehungen. "Österreich ist ein wahrer Freund Israels."
Weitere Preisträger: Markus Müller und Monika Polzin
Ein weiterer Preisträger des Israel Friendship Awards 2026 ist der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, der mit Israel Forschungskooperationen eingegangen ist. Seine Institution habe "dem jüdischen Erbe viel zu verdanken", sagte Müller in seinen Dankesworten. Vor dem Anschluss 1938 seien drei von vier Nobelpreisen für seine Fakultät an Kollegen gegangen, die jüdisch waren. Weiteren Medizinern und Holocaust-Überlebenden aus Wien, nämlich Nobelpreisträger Eric Kandel und Eugene Braunwald, widmet die MedUni ein Institut bzw. einen Hörsaal. Sie sollen Anfang Oktober eröffnet werden.
Die Universitätsprofessorin Monika Polzin erhielt am Mittwochabend ebenfalls einen Israel-Freundschaftspreis. In ihrer Rede sprach die Vorständin des Instituts für die Internationalisierung des Rechts an der Wirtschaftsuniversität (WU) über ihre Arbeit zum "Missbrauch des Völkerrechts". Als Beispiel nannte sie die Genozid-Klage gegen Israel beim Internationalen Gerichtshof (IGH). Die Völkermordkonvention sei nach dem Holocaust entworfen worden, um das schreckliche Verbrechen des Völkermords zu verhindern und zu bestrafen, also die Absicht, eine bestimmte Gruppe als Ganzes oder einen Teil davon zu vernichten. "Die Völkermordkonvention war niemals als Instrument gedacht, um einen Staat daran zu hindern, sein lebenswichtiges Recht auf Selbstverteidigung auszuüben." Außerdem mache ihr die Instrumentalisierung Angst, ergänzte die Juristin, "weil sie sich hauptsächlich gegen Israel richtet".
Israel sieht sich aufgrund seines Vorgehens in den Kriegen in Gaza und im Iran mit Boykott-Aufrufen und Anfeindungen konfrontiert. Die Zahl schwerer antisemitischer Straftaten ist laut einem Bericht der Tel Aviver Universität im vergangenen Jahr weltweit auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten gestiegen. Juden und Jüdinnen erlebten am 7. Oktober 2023 das schlimmste Massaker seit dem Holocaust: Terroristen der Hamas und anderer palästinensischer Gruppierungen ermordeten in Israel rund 1.200 Personen und verschleppten rund 250 Geiseln in den Gazastreifen. Der Großangriff war Auslöser des Gaza-Kriegs. Dabei wurden in dem Palästinenser-Gebiet rund 70.000 Menschen getötet und weite Teile zerstört. Seit Oktober 2025 herrscht eine brüchige Waffenruhe. Ende Februar startete Israel gemeinsam mit den USA den Krieg gegen den Iran und die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon, die das Land mit Raketen angreifen. Die UNO wirft Israel Kriegsverbrechen und Verstöße gegen das Völkerrecht vor. Mehrere Länder forderten den Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest (ESC) in Wien.
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