Kunst am Wiener Graben als Öko-Warnung

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Märzendorfers Skulptur "A Chicken Can't Lay a Duck Egg"

Bild: APA/APA/KÖR Wien/Claudia Märzendorfer/Claudia Märzendorfer


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Ein Kunstwerk von Claudia Märzendorfer macht bis Ende Oktober am Wiener Graben auf das Ökosystem belastende Plastiküberreste aufmerksam. Für das skulpturale Stillleben "A Chicken Can't Lay a Duck Egg" nutzt die 56-Jährige zum Teil flüchtiges Material, "sodass der Faktor Zeit und das Thema der Vergänglichkeit bereits im Material eingeschrieben sind", wie es in einer Aussendung vom Mittwoch hieß.

Seit 2010 lädt Kunst im öffentlichen Raum Wien (KÖR Wien) jährlich Kunstschaffende ein, einen der zentralsten Orte der City zu bespielen. Heuer arrangierte die Wiener Bildhauerin auf einem eisblockartigen Sockel ein Stillleben aus Abgüssen von Flaschen, Kanistern und Säcken, die 450 Jahre brauchen, um zu immer noch umweltbelastendem Mikroplastik zu zerfallen. Die hellen Oberflächen der Objekte lassen an Knochen oder Stein denken. Der Faltenwurf der Säcke soll an marmorne Barockskulpturen erinnern, der reflektierende Glanz des Sockels an die Stuckmarmortechnik des Stucco lustro, beschreibt KÖR Wien das Objekt.

Plastikmüll und Vanitas

In Manier der Vanitas-Darstellungen des 17. Jahrhunderts fügte Märzendorfer ihrer weißen Landschaft aus Plastikmüll weitere Gegenstände irdischer Existenz - in der Barockmalerei waren dies oft Geld, Bücher oder Musikinstrumente - hinzu: Aus schwarzer Tinte hat sie u.a. Goldbarren, Schellackplatten, Nüsse, Muscheln und Oktopusse gefroren, die sie am Eröffnungstag im Stillleben platziert, erläutert Kuratorin Olga Wukounig auf der Internetseite der Künstlerin. "Das Vergängliche" zerfloss buchstäblich vor den Augen des Publikums und hinterließ eine schwarze Zeichnung, die über die Monate verblassen und verschwinden wird.

Zurück bleibt die Skulpturengruppe aus "langlebigen" Flaschen, Kanistern und Säcken, "eingefroren im Moment, der trägen Natur ihrer Formgeber aus Plastik gemahnend". Die Dramaturgie der Installation zeichnet "ein Bild der Gegenwart - dem Zeitalter des so genannten Kapitalozäns - und fordert eine Ökonomie jenseits des Wachstums ein. Es braucht mehr solidarisches Handeln", wurde Märzendorfer in der Aussendung zitiert. Der Titel ihrer Arbeit bezieht sich auf das gleichnamige Buch von Graeme Maxton und Bernice Maxton-Lee, das für einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel plädiert (Buchtitel der deutschen Ausgabe: "F**k the System").

Märzendorfer arbeitet seit den 1990er-Jahren mit gefrorenem Wasser und erweitert mit ihren vergänglichen Plastiken das Medium der Bildhauerei um eine zeitliche Dimension. So wird jede ihrer Präsentationen auch zur Performance.

(S E R V I C E - http://claudiamaerzendorfer.com )

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