Leopold Museum zeigt Kunstsammlung der Nationalbank

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Neue Sachlichkeit: Bilder von Maximilian Reinitz, Greta Freist und Viktor Planckh

Bild: APA/Wolfgang Huber-Lang


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Und wieder eine Jubiläumsausstellung: Anlässlich des 25. Geburtstages des 2001 eröffneten Leopold Museums hat man dort die unterste Etage frei gemacht, um "einen Dank an einen der Geburtshelfer dieses Museums" abzustatten, wie es Direktor Hans-Peter Wipplinger bei der Presseführung am Donnerstag nannte. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hatte nämlich rund ein Drittel der Ankaufssumme der Sammlung Leopold aufgebracht - und zeigt nun eine Auswahl ihrer Kunstsammlung.

"Premiere!" nennt sich die Schau, die bis 11. Oktober zu sehen ist, und tatsächlich ist es laut OeNB-Kuratorin Chiara Galbusera das erste Mal, dass außerhalb der Büros, Gänge, Stiegenhäuser und Besprechungsräume der Nationalbank ein derartiger Überblick über die seit den späten 1980er-Jahren kontinuierlich aufgebaute Sammlung geboten wird. Galbusera hat gemeinsam mit Wipplinger 114 Werke von 79 Künstlerinnen und Künstlern der rund 2.300 Objekte umfassenden Kunstsammlung ausgesucht, mit der die zu 100 Prozent im Eigentum der Republik stehende Nationalbank der Gesellschaft "etwas zurückgeben" möchte, wie Galbusera erläuterte. Die Bestände, die als Firmensammlung nicht dem Restitutionsgesetz unterliegen, werden - von einem Fachgremium beraten - kontinuierlich erweitert, zum Budget dürfe sie keine Auskunft geben, so die Kuratorin auf Nachfrage.

Neue Sachlichkeit und magischer Realismus

Der Schwerpunkt liegt auf österreichischer Malerei und Skulptur aus der Zeit von 1918 bis heute. Insofern könne man mit der gezeigten Auswahl gut an die eigene Dauerausstellung anschließen, meinte Wipplinger. Die Zwischenkriegszeit ist vor allem mit bekannten Namen wie Alfons Walde, Anton Faistauer oder Albin Egger-Lienz sowie Vertreterinnen und Vertretern der Neuen Sachlichkeit gut dokumentiert. Interessant etwa zwei Gemälde, die Greta Freist 1938 in Paris malte, wo sie seit 1936 lebte: Ein Selbstporträt zeigt sie als selbstbewusste nackte Tänzerin, ein Familienbild als Hausfrau in ärmlichen Verhältnissen an der Seite ihres malenden Mannes - ein Frauenbild, das die folgenden Jahre im zur Ostmark gewordenen Österreich dominieren sollte.

Um 1941 malte Max Oppenheimer ein sich kubistisch in alle Richtungen auflösendes Streichquartett - und schafft damit einen Anknüpfungspunkt zum zweiten Sammlungsschwerpunkt der Nationalbank: Seit 1989 werden historische Streichinstrumente gesammelt und talentierten Musikerinnen und Musikern zur Bespielung überlassen. Mittlerweile besteht diese Sammlung aus 45 Instrumenten, darunter neun Geigen von Antonio Stradivari und zwei von Giuseppe Guarneri del Gesù. Einige eindrucksvolle Gemälde von Franz Sedlacek beeindrucken als Beispiele für den magischen Realismus, der in den 1930ern das Bedrohliche der Zeit in mystisch-düstere Bilder verwandelt, ehe man durch einen engen Gang Richtung Gegenwart aufbricht und von einem "Rheinkreuz" Arnulf Rainers empfangen wird.

Derzeit in Hamburg: "Mit einem Tiger schlafen"

Die zeitgenössische Kunst nach 1945 ist hier mit einigen Skulpturen, vor allem aber mit Malerei vertreten. Große Namen wie Herbert Brandl, Otto Zitko, Martha Jungwirth, Jürgen Messensee oder Maria Lassnig sind hier zu finden. Von Letzterer ist aber nur das kleinformatige Aquarell "Meerungeheuer" aus 1965 ausgestellt. Das 1975 entstandene Gemälde "Mit einem Tiger schlafen", vielleicht das prominenteste Werk der OeNB-Sammlung befinde sich gerade als Leihgabe in der Munch-Lassnig-Schau in der Hamburger Kunsthalle, sagte Wipplinger.

Zuletzt wurde das Profil der Sammlung mit einer Schwerpunktsetzung auf geometrische Abstraktion geschärft. Das prominenteste Auftragswerk, das "blaue Tor", das Eduard Angeli 1997 für das Foyer der neuen Banknotendruckerei geschaffen hat, "konnten wir leider nicht hier präsentieren", sagte Galbusera. Es ist nämlich 14 Meter hoch. Dafür stellte sie anderes in Aussicht: "Vielleicht bleibt das eine oder andere hier." Wipplingers Antwort kam postwendend: "Sehr, sehr gerne!"

(S E R V I C E - "PREMIERE! Die Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank", Ausstellung im Leopold Museum. Museumsquartier Wien, 24.4.-11.10., tgl. außer Di 10-18 Uhr, Katalog, erschienen im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, 208 Seiten, 138 Abbildungen, 24,90 Euro, www.leopoldmuseum.org )

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